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01.07.1988 - 

Systeme, die für immer mehr Anwendungen geeignet sind:

Der Trend geht zu durchsatzstarken Rechnern

Zur Zeit zeigt sich in der Computeranwendung ein klarer Trend hin zu Workstations. Dabei handelt es sich um "persönliche" Systeme, die wesentlich leistungsfähiger als herkömmliche PCs sind. Diese Workstations werden in den nächsten Jahren mehr an Bedeutung gewinnen. Hendrik Geissler* erklärt im folgenden Beitrag, wo die Stärken von Workstations liegen und was bei der Auswahl dieser Produkte zu beachten ist.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, daß sich in der Computerwelt immer größere Veränderungen vollziehen, hat es tatsächlich nur sehr wenige wirklich entscheidende Ereignisse auf diesem Gebiet gegeben:

- In den 50/60er Jahren führte die Stapelverarbeitung zu höherer Effizienz bei den teuren Zentraleinheiten.

- In den 60/70er Jahren wurde durch die Einführung interaktiver Time - Sharing - Systeme bei der Datenverarbeitung die Produktivität der Benutzer erhöht.

- In den 70/80er Jahren wurden durch die neuen PCs die Steuerungs - und Interaktionsmöglichkeiten der Benutzerwelt ganz entscheidend verbessert.

Leistungsfähige Maschinen erhöhen Benutzer - Effektivität

Die Verbindung von mehr Leistung beim Tischgerät und komplexer Kommunikationsverbindung ermöglicht eine integrierte Umgebung. Sie wird die Effektivität der Benutzer entscheidend erhöhen - das ist die Revolution durch die Workstations der 80/90er Jahre.

Definieren wir zunächst einmal die verwendeten Begriffe, da es keine gemeinsamen, für die gesamte Industrie gültigen Definitionen gibt:

Personalcomputer (PCs) sind Einzelbenutzersysteme, die normalerweise einzeln eingesetzt werden oder als Netzwerkknoten mit eingeschränkter Funktionalität arbeiten.

Workstations sind leistungsstarke Einzelbenutzersysteme, die mit Hilfe hochentwickelter Netzwerksoftware an LANs angeschlossen werden können und dabei hochentwickelte Grafikumgebungen bieten.

Netzwerkserver sind Dateiserver oder andere gemeinsame Ressourcen, durch die Workstations in für den Benutzer transparenter Weise mit Daten oder Rechnerleistungen versorgt werden.

Worksystems (Arbeitsplatzsysteme) als Überbegriffe sind eine Kombination aus Workstations, Servern und Netzwerken.

Anwendungen für Workstations

Die heutigen Worksystems kosten im allgemeinen mehr pro Arbeitsplatz als Time - Sharing - Systeme (mit unintelligenten Terminals) oder PCs. Die Kosten sinken jedoch bei den Workstations noch schneller als in den anderen Bereichen der Computerindustrie. Sie werden daher letztendlich für die meisten Anwendungsbereiche niedriger als bei Time - Sharing - Systemen sein (MIPS sind in kleineren Mengen billiger). Es wird sich dann durchaus lohnen, alle kommerziell genutzten Einzelbenutzersysteme mit Workstation - Fähigkeiten auszustatten.

Dieser Übergang wird in fünf bis zehn Jahren erwartet. Die Veränderungen werden sich nach und nach bei den verschiedenen Anwendungen vollziehen, da es von ihren Rechneranforderungen abhängt, wann es sich lohnt, umzusteigen:

Beim elektronischen CAD mit seinen hohen Anforderungen an Leistung und Grafikfähigkeiten sowie geringerer gemeinsamer Nutzung von Daten werden schon seit Anfang der 80er Jahre zunehmend Workstations benutzt.

Heute beginnt der Übergang auch in anderen Bereichen des CAD, in der computergestützten Kartographie sowie in der Forschung, im Finanz -/Börsenhandel im Electronic Publishing und im Bereich der computerunterstützten Softwareentwicklung (CASE).

In den nächsten Jahren werden noch andere Bereiche wie Bürosysteme und Spezialisten - Workstations für Marketing, Versicherung und viele andere Aufgaben folgen.

Einsatz innerhalb von komplexen Worksystemen

Softwareentwicklung: Entwicklung und Pflege von Computerprogrammen mit Hilfe von Systemanalyse und Projekt -Management - Tools, Compilern und Testhilfen sowie Code -Management - Systemen. Dies umfaßt auch die Softwareentwicklung unter Verwendung Künstlicher Intelligenz (KI) und computergestütztem Softwareengineering (CASE). Die Entwicklung wird hier hauptsächlich in Softwarehäusern, MIS - Abteilungen, und Forschungslabors betrieben.

Finanzmarkt: Verwendung von Rechnern als Entscheidungshilfe und für den Handel mit Devisen, Aktien, Anleihen und anderen Wertpapieren. Anwender sind Börsenmakler, Versicherungsgesellschaften, Banken und Sparkassen.

Kartographie und Rohstoffe: Verwendung geographischer Information für die Planung, Abbau oder Erhaltung von Rohstoffen oder Ressourcen, die sich über ein großes Gebiet verteilen. Wichtige Bereiche sind hier Verwaltung von Versorgungsnetzen, Förderungseinrichtungen der Erdöl- und Gasindustrie, Satellitentelemetrie in der Landwirtschaft, Industrie.

Forschung: Verwendung von Computersystemen zur Unterstützung der Forschungsarbeiten. Einsatzmöglichkeiten für Workstations ergeben sich bei der Erstellung von Molekülmodellen sowie in allen akademischen Anwendungsbereichen, die hochentwickelte Grafikfähigkeiten oder Einzelbenutzersysteme mit hoher Leistung erfordern (zum Beispiel eine Grafikleistung mit mehr als 500 000 3D - Vektoren/sec!)

CAD: Verwendung von Computern zur Unterstützung von Produktentwicklung und Konstruktion. Einsatzmöglichkeiten für elektronisches und mechanisches CAD finden sich im Bereich der Elektro-, Auto-, Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie.

Integriertes Publishing: Die Verwendung von Computern zur Herstellung von Publikationen auf Papier. Publishing ist eine eigenständige Industrie in Verlagshäusern und Zeitungsverlagen. Es ist aber auch das "zweite Geschäft jedes Unternehmens". Einsatzmöglichkeiten finden sich hier in Abteilungen oder Geschäftszentralen, die Publikationen hoher Qualität benötigen. Integriertes Publishing spielt auch eine besondere Rolle in Verbindung mit anderen Anwendungen, zum Beispiel CAD oder CASE, wo Informationen transparent über Netzwerke weitergeleitet werden.

Bei Workstations läßt sich heute eine ähnliche Entwicklung des Anwendungsverhaltens beobachten wie beim PC. Auch hier hat der Endbenutzer - besonders im technischen Bereich - einen wesentlich höheren Einfluß als bei großen Systemen. Die Einführung von Workstations in ein Unternehmen geschieht meist zunächst durch Anwender, die ein solches System für den lokalen Einsatz innerhalb einer Abteilung anschaffen. Wenn der Bedarf und die Nachfrage nach Workstations in einem Unternehmen zunimmt, wird durch die MIS -Abteilung eine Strategie entwickelt, die zum Ziel hat, Worksystems in die EDV - Unternehmensstrategie einzubinden. Dies erfolgt üblicherweise durch Festlegung von Standards, welche den Workstations entsprechen müssen und daraus resultierend die Erstellung einer Liste der freigegebenen Hersteller.

Wichtig ist die Suche nach der Ideallösung

Für das Unternehmen ist der wichtigste Punkt, daß hier die beste integrierte Lösung für das Unternehmen eingesetzt wird. Dies wird erreicht durch:

- Konzentration auf eine einheitliche Rechnerarchitektur von der Workstation am Arbeitsplatz bis zum Großrechner im Cluster,

- eine breite Produktpalette für anwendergerechte Lösungen,

- Netzwerk und Integrationssoftware zur Realisierung einer unternehmensweiten Informationsverarbeitung,

- Unterstützung internationaler Standards (insbesondere bei Grafik, Betriebssystemen, Kommunikation) und heterogener Systemumgebungen), die Verfügbarkeit einer umfassenden Palette von Anwendungssoftware durch den Hersteller oder Partnerlösungen,

- eine Ausrichtung auf Qualität sowie die Möglichkeit der stufenweisen Systementwicklung, die für das Unternehmen keine teuren und uneffektiven Investitionssprünge mit sich bringt,

- ein breites Serviceangebot zur vollen Unterstützung der Systeme während ihrer gesamten Lebensdauer.

Die aufgeführten Punkte sind für das MlS - Management eines Unternehmens wesentlich wichtiger als zum Beispiel die Ausrichtung auf fiktive Leistungsangaben einer Workstation, die durch synthetische Benchmarks ermittelt wurden. Viel wichtiger ist die tatsächlich zur Verfügung stehende "Anwendungsleistung" als das Maß für die Funktionalität bei echten Anwendungen. Zehn synthetische MIPS entsprechen oft weniger als der Hälfte in Anwendungsleistung. Weiter spielt die Ausrichtung auf Industriestandards eine wesentliche Rolle.

Industriestandards gewinnen an Bedeutung

Workstationanwender legen in hohem Maße Wert auf die Verwendung von Standards, X - Windows für die Fenstertechnik, GKS oder PHIGS als Standards für Grafikentwicklung oder Posix als allgemeine Unix - Norm.

Die Verwendung von Industriestandards bei Workstations gewinnt zukünftig eine immer bedeutendere Rolle, weil durch diese Ausrichtung gewährleistet ist, daß durch das Softwareangebot der Markt beständig ausgebaut wird und immer weitere Anwendung dem User größtmöglichen Nutzen an den Arbeitsplatz bringt.

Neben dem immer umfangreicher werdenden Softwareangebot läßt sich für Workstations folgender Trend für die nächsten Jahre feststellen:

Die Anwendungsleistung von Workstations wird über eine Betrachtung von fünf Jahren pro Jahr zwischen 200 bis 300 Prozent steigen.

Die Grafikleistung, also die Fähigkeit, eine gewisse Anzahl von Vektoren/Sekunde zu erzeugen, wird ebenfalls über einen Fünfjahreszeitraum etwa 300 Prozent pro Jahr steigen.

Die Investitionen für Workstations werden innerhalb der unterschiedlichen Produktklassen nahezu identisch bleiben, jedoch wird für die gleiche Investition ein deutlich höheres Maß an Produktleistung zur Verfügung stehen.

Der Marktanteil von Workstations wird steigen

Workstations innerhalb eines Worksystems sind für die Unternehmen eine mittel- beziehungsweise langfristige Anwendungs -/Arbeitsplatzstrategie. Deshalb müssen bei der Entscheidung für Worksystemprodukte einige Punkte berücksichtigt werden (siehe Kasten):

Diese Forderungen spielen eine wesentliche Rolle für die Wahl des Workstation -Anbieters. In der BRD ist der Workstation - Markt im wesentlichen durch Digital Equipment HP, Sun und Apollo dominiert. Weitere Hersteller werden in diesen Zukunftsmarkt investieren, da hier ein Marktbedarf erwartet wird, der sich bis 1992 mit 20 bis 25 Prozent Steigerungsraten/Jahr weiterentwickeln wird.

*Heindrik Geissler ist Leiter Marketing Worksystems der Digital Equipment GmbH in München.

Entscheidungshilfen

Hat der Hersteller eine breite Produktpalette von "unten" bis "oben" ?

Sind die Prozessoren dabei kompatibel?

Wie ist die Anzahl der Verkaufs- und Servicestellen?

Wie ist die Qualität bei Wartung und Service?

Ist der Anbieter bei der Produktentwicklung abhängig von Fremdherstellern?

Wird die Produktunterstützung von Fremdherstellern durchgeführt?

Gibt es eine langfristige Unterstützung für ältere Systeme?