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08.06.1990 - 

CAT '90: Bei den Workstations bahnt sich ein Preiskampf an

Der Trend geht zu Unix und zu immer höherer Integration

STUTTGART (gs) - Zum sechsten Mal trafen sich Anwender und Anbieter computergestüzter Techniken zur "CAT" auf dem Stuttgarter Killesberg. Mit der in zwei weiteren Hallen nicht nur räumlich angrenzenden und erstmals stattfindenden "Quality '90" nahmen sich die Schwaben eines weiteren zukunftsträchtigen Themas an: der Qualitätssicherung.

Insgesamt 539 Aussteller aus 16 Ländern waren gekommen - eine Steigerung um fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vom 29. Mai bis zum 1. Juni 1990 zeigten sie mehr als 30 000 Besuchern, was "state of the art" ist beim computergestützten Entwerfen und Produzieren. Damit dürfte die CADI CAM-Branche nahezu vollzählig in der schwäbischen Metropole versammelt gewesen sein. Welche Bedeutung die CAT mittlerweile gewonnen hat, zeigt sich unter anderem daran, daß die Hersteller zunehmend ihre neuen Produkte bereits hier und nicht erst auf ähnlichen Veranstaltungen, etwa der DAC (Design Automation Conference), in den USA zeigen.

Mit einem veränderten Konzept hofft die Messeleitung, den erfreulichen Trend festigen zu können: Das Thema Qualitätssicherung wurde aus der CAT herausgenommen und in der Parallelmesse Quality '90 konzentriert. Die neue Messe, so die Organisatoren, soll der wachsenden Bedeutung der Qualität im internationalen Wettbewerb, aber auch im Hinblick auf das kürzlich in Kraft getretene Produkthaftungsgesetz Rechnung tragen. Wie die CAT wurde auch die Quality von einem zweitägigen Fachkongreß begleitet.

Eine zweite Änderung vollzog sich eher stillschweigend: CIM wurde, durchaus im Sinne von Herstellern und Anwendern, als gemeinsames Ziel des Einsatzes von CA-Techniken und damit als übergreifendes Thema CAT akzeptiert. Bislang war Messeleitung davon ausgegangen, daß CIM eher etwas für Hannover-Messe sei.

Der Trend geht unübersehbar zu höherer Integration Unix als einigendem Band. Insellösungen sind immer weniger gefragt. Die Hardware-Anbieter verbunden sich mit Sowarefirmen, um gemeinsam schlüssige und offene, sprich: in andere Unternehmensbereich erweiterbare, fertige Gesamtlösungen zu realisieren. Mehr noch als in anderen Anwendungsgebieten gilt bei den CA-Techniken, daß Software die Hardware verkauft. Das Fernziel ist, irgendwann beliebige Hard- und Software zu optimal auf die

Aufgaben zugeschnittenen Systemen zusammenbauen zu können. Und soviel ist bereits

erkennbar: Dafür wären die Kunden bereit, viel Geld au den Tisch zu legen.

Doch auch jetzt schon ist CAx ein gutes Geschäft: Allein in Deutschland beträgt das Marktvolumen der industriellen Informationstechnik zirka 60 Milliarden Mark - bei mittelfristig weiterhin zweistelligen Zuwachsraten.

Das sind Zahlen, denen auch IBM nicht länger widerstehen kann - trotz der überwältigenden Unix-Dominanz in diesem Bereich. So gab es auf CAT '90 erstmals einen "blauen" Stand zu bewundern. Mittelpunkt stand - natürlich - die neue RS/6000-Workstation, Big Blues Köder für die versammelte DEC-, HP- und Sun-Kundschaft - wenngleich noch ohne praktisch einsetzbare Software. Anwendungen, im wesentlichen das umfangreiche CAD-System Catia mit Erweiterungen unabhängiger Anbieter, liefen auf VM- beziehungweise MVS-Rechnern, der betagten 6150 unter AIX oder, wie das Qualitätskontroll-Programm Valisys, auf PS/2-Modellen. Man kann sicher sein, daß das im nächsten Jahr anders aussehen wird.

Diesmal nämlich scheint es dem Computergiganten ernst zu sein mit seinem Workstation-Engagement. Zielstrebig sammelt er Unterstützung. Gleich zu Messebeginn lieferte Valisys-Hersteller Valid dafür eine weiteren Beweis: Mit vorerst 11,2 Millionen Dollar steigt IBM bei dem kalifornischen CAE-Anbieter ein.

Hewlett-Packard als Hahn im CAT-Korb

Weitere Geldspritzen - die Rede ist von bis zu 143 Millionen - sind ab 1991 geplant laut Joe Prang, Valids Marketing-Chef, die bislang größte Investition des "blauen Riesen" bei einer Softwarefirma. Als Gegenleistung soll Valid seine Produkte schnellstmöglich auf die RS/6000 portieren. "Eine IBM-Division werden wir jedoch auf keinen Fall", beteuerte Prang, "wir behalten die absolute Kontrolle."

Nur wenige Meter vom IBM-Stand entfernt demonstrierte DEC mit seinen Partnern ein kleines Stück reales CIM. An elf miteinander vernetzten Arbeitsplätzen wurde eine elektrische Präzisionswaage samt technischer Dokumentation entwickelt. Prunkstück der Hardware-Ausstattung war die brandneue Decstation 5000, mit der Digital dem IBM-Angriff begegnen will. Nachdem er bei der Rechenleistung mit der RS/6000 nicht ganz mithalten kann, priesen die DEC-Leute den Turbochannel-Bus ihres Rechners, der mit einem tatsächlich atemberaubenden Durchsatz von 100 MB/ sec. IBMs Mikrokanal um Längen schlägt.

Als Hahn im CAT-Korb präsentierte sich, eingerahmt von 20 Partner-Unternehmen, Hewlett-Packard. Auf dem HP-Stand gab es in erster Linie Komplettlösungen aus dem Konstruktions- und Entwicklungsbereich mit diversen Anbindungen zu Informations- und Fertigungssystemen zu sehen.

Verstärkt dringen PCs auch in den CA-Bereich ein. Die neuen Hochleistungs-PCs verwischen die alten Grenzen zwischen PC und Workstation. Fast scheint es nur noch eine Frage des Betriebssystems zu sein: Mit DOS ist's ein PC, mit Unix eine Workstation. Auch die Softwarehersteller setzen ihre Programme immer häufiger auf das PC-Pferd.

Sehr selbstbewußt empfahlen denn auch PC-Anbieter wie Compaq und NCR ihre 486-Rechner als kostengünstige Hardware-Alternative für die meisten der CA-Aufgaben. Apple trat ebenfalls an, mit neuem Mac IIfx und neuem Unix A/UX 2.0, um seine Vision vom Desktop Engineering (DTE) doch noch zum Erfolg zu führen.

Die etablierten Workstation-Hersteller sehen sich damit plötzlich von zwei Seiten unter Druck gesetzt: auf der einen Seite die Flut der PCs, auf der andern IBM, die mit ihrer RS/6000 ein ebenfalls ungewöhnlich günstiges Preis/Leistungs-Verhältnis bietet. Als Folge bahnt sich offenbar ein Preiskampf an: Silicon Graphics meldet zweistellige Preissenkungen, von Sun gibt es die neue Sparcstation SLC (Triumph der Miniaturisierung: Der ganze Rechner steckt im Monitorfuß!) für nicht mal 12 000 Mark und DEC reduziert die Preise seiner sämtlichen RISC-Modelle.

Bei der Software sorgte Autodesk mit Autocad Release 11 für eine der Attraktionen der CAT '90. Hier einige Neuerungen der voraussichtlich Ende des Jahres verfügbaren Version: Netzwerk-Support, wiederherstellbare Datenbank, Plotten mehrerer Ansichten auf ein Blatt, C-Schnittstelle, verbesserte Bemaßung, externe Blöcke und - man glaubt es kaum - Unterstützung des 8-Bit-Zeichensatzes. Eine Solid-Modeling-Erweiterung soll als Option zur Verfügung stehen. Zusätzlich wurden zwei Spezialversionen von Release 10 freigegeben: Autocad für OS/2 - eine Presentation-Manager-Implementierung ergänzt um eine C-Schnittstelle - sowie Release 10 für 80386-Rechner. Die 386-Version mit DOS-Extender soll um 60 Prozent schneller sein als die Standardversion; Autocad-Distributor Mensch und Maschine allerdings kam bei eigenen Benchmarks nur auf gut 35 Prozent Beschleunigung.

Große Hoffnungen setzen die meisten Anbieter auf das künftige Ost-Geschäft. Auch wenn sie noch nicht wissen, woher die potentiellen Kunden das Geld nehmen sollen, und obwohl die Cocom-Liste noch vieles blockiert, versuchen sie doch, so schnell wie möglich im Ostmarkt Fuß zu fassen. Nicht schlecht stehen die Chancen für Ziegler Instruments, das auf der CAT die Version 6.0 seines Bestsellers Caddy vorstellte: Caddy ist, noch in der Version 4.01, eines der verbreitetsten CAD-Programme in der DDR - natürlich fast ausschließlich in Form von Raubkopien.