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05.12.1975 - 

CW-Übersicht über Probleme der Betriebsdatenerfassung

Der Trend: Sofortige Nutzung direkt abgegriffener Maschinendaten

05.12.1975

Verglichen mit der Gesamtzahl installierter EDV-Anlagen (über 22 000 laut Diebold-Statistik vom Oktober 1975) und mit der Zahl installierter Datensammelsysteme (über 2000 laut GMD-Marktübersicht vom Juli 1975) sind bisher erst sehr wenige (unter 500) Systeme installiert, die Daten der Produktion dort erfassen, wo sie anfallen und zu der Zeit, in der sie anfallen. Entsprechend wenig bekannt erst sind die Merkmale der Systeme zur Betriebsdatenerfassung (BDE) und ihre Einsatzmöglichkeiten .

Die Systeme zur BDE helfen, organisatorische Aufgaben im Produktionsbereich zu lösen - beispielsweise Auftragsverfolgung, Materialflußverfolgung, Erfassen von Lauf- und Stillstandszeiten, von Stillstandsursachen und Fertigungszahlen.

Funktionell sind diese Systeme der Aufgabe angepaßt, Daten unter den Umgebungsbedingungen des Produktionsbetriebs zu erfassen, sie an eine Zentrale zu übertragen, wo sie für die weitere Verarbeitung aufbereitet und gegebenenfalls sofort der Produktionsleitung zur Verfügung gestellt werden.

Die Datenstationen greifen Daten direkt an Maschinen ab (zum Beispiel gefertigte Stückzahlen, Lauf- und Stillstandszeiten) und/oder erfassen manuell eingegebene Daten (Personalnummer vom Ausweisleser, Auftragsnummer aus einer eingesteckten Lochkarte, Stillstandsgründe aus gedruckten Tasten usw.).

Die Daten werden über Leitungen - der Trend geht hier eindeutig zur Telefonleitung - an die Zentrale übermittelt. Hier werden die Daten abhängig von den Erfordernissen des Betriebs

- für eine spätere Auswertung auf Lochstreife n Kassette oder Magnetband gesammelt (Funktion: Datensammelsystem)

- sofort aufbereitet als aktuelle und kurzlebige Übersichten über den Stand eines Auftrags, über die produzierenden oder ausgefallenen Maschinen, über das an Maschinen anwesende oder fehlende Personal (Funktion: Informationssystem)

- sofort verarbeitet, um der Betriebsleitung eine optimale Steuerung des Produktionsprozesses zu erleichtern (Funktion: Dispositionssystem).

Daten vielseitig nutzbar

Die erfaßten Daten können darüber hinaus von anderen Bereichen eines Unternehmens genutzt werden:

1. Von der EDV-Abteilung für die Produktionsplanung und für eine schritthaltende Aktualisierung der Terminpläne,

2. vom Rechnungswesen für die Nachkalkulation von Auftragskosten, Stückkosten: für eine schnelle Kalkulation bei Auftragsänderungen,

3. von der Personalabteilung zur Lohnberechnung (bei Prämien- oder Akkordlohn),

4. von der Organisationsabteilung zum Erforschen von Schwachstellen im Betrieb,

5. von der Betriebsabteilung zum Erforschen der Ausfallursachen von Maschinen.

Welche Erfordernisse bei der Einführung eines BDE-Systems im Vordergrund stehen, hängt ab

- von der Art der Fertigung (Auftragsfertigung oder Massenfertigung, Einzelfertigung, Klein- oder Großserienfertigung einstufiges oder vielstufiges Produktionsverfahren),

- von der Produktzahl,

- von der Kostenstruktur (bei kapitalintensiver Fertigung steht die Maschinenüherwachung, bei lohnintensiver Fertigung die Zeiterfassung im Vordergrund),

- von den Einsatzbedingungen im Betrieb (sie bestimmen über die Tauglichkeit der Datenstationen für einen Gießereibetrieb oder für eine Bauelementefertigung in der Elektronik-Industrie),

- von der Qualifikation des Personals, das über die Datenstation Meldungen absetzt (Anforderungen: "muß vom Analphabeten bedient werden können" oder "alphanumerisches Datensichtgerät").

Vertrauen muß geübt werden

Diese Vielzahl der Faktoren ist allesamt für eine Systemauswahl bedeutsam.

Die verschiedenen Bereiche eines Unternehmens, die an der Einführung eines BDE-Systems interessiert sein können, verfolgen mit einem solchen System verschiedene Ziele, melden also unterschiedliche Anforderungen an. Zumindest drei Abteilungen eines Unternehmens müssen sieh zu einem Kompromiß durchringen und ihre Interessen aufeinander abstimmen, wenn es gilt, ein BDE-System einzuführen: die Betriebsleitung (Produktionssteuerung), die Organisationsabteilung und die EDV-Abteilung. Das erklärt zum Teil, warum bisher erst so wenige Systeme installiert sind: vertrauensvolle Zusammenarbeit über Bereichsgrenzen hinweg muß häufig erst geübt werden.

Großes Angebot

Dem breiten Spektrum von Anforderungen begegnen die Hersteller mit einer Vielzahl unterschiedlicher Systeme, deren Preise von 100 000 Mark bis zu einigen Millionen Mark reichen. Dabei ist es durchaus möglich, daß der Preis für ein und dasselbe System je nach Ausbau um eine Zehnerpotenz schwanken kann. In der Bundesrepublik werden komplette BDE-Systeme von etwa 30 Herstellern angeboten. Daneben gibt es eine Reihe von Systemhäusern, die nach Kundenspezifikation solche Systeme aus käuflichen Geräten zusammenstellen und installieren.

Einige der Anbieter haben aus langjährigen Erfahrungen besondere Stärken entwickelt. So haben Ericsson, Hasler, Kienzle und VDO Geräte zur Maschinenüberwachung angeboten, als es noch keine Systeme für die Betriebsdatenerfassung gab. Andere Firmen wie dispo-Organisation, Eichner, Oberholzer und Weigang haben, lange bevor die dezentrale Betriebsdatenerfassung aktuell wurde, Erfahrungen. mit Organisationssystemen und Leitständen für die Produktionssteuerung gesammelt. Schließlich liegt bei Firmen wie IBM die besondere Stärke auf dem Gebiet der Datenverarbeitung.

Tendenz zum Telefondraht

Der direkte Abgriff von Daten an Maschinen verdrängt die manuelle Eingabe, sofern das mit tragbarem Aufwand zu erkaufen ist. Der direkte Abgriff vermindert Erfassungsfehler und entlastet das Maschinenpersonal (insbesondere bei Akkord- und Prämienlohn wird die manuelle Eingabe als zusätzliche Belastung empfunden).

Dem Wunsch der Anwender, Daten, soweit wie technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar, direkt von Maschinen abzugreifen, kommen die Hersteller durch modular aufgebaute Datenstationen entgegen, die manuell eingegebene Daten und daneben binäre, digitale und sogar analoge Signale erfassen und zum Teil auch ausgeben können. Mikroprozessoren befähigen die Datenstationen, Plausibilitätsprüfungen und Formatierungen von Meldungen selbst durchzuführen, ohne die Zeit und die Leistung der Zentraleinheit zu beanspruchen. Diese Entwicklung wird die Anforderungen an die Übertragungsgeschwindigkeit vermindern. Die 2-Draht-Telefonleitung wird sich selbst unter ungünstigen Einsatzbedingungen durchsetzen können.

Was ist Transparenz wert?

Die Wirtschaftlichkeit eines BDE-Systems vor seiner Anschaffung zu begründen ist noch immer ein schwieriges Unterfangen. Die Gründe: Ein BDE-System hilft aktuelle Daten im Betrieb sicher zu erfassen und das Betriebsgeschehen durchsichtiger zu machen. Die Betriebswissenschaft hat aber bisher keine Kalkulationsverfahren entwickelt, die uns helfen, den Wert der genannten Faktoren in Mark zu bewerten. Das ist ein zweiter Grund, warum bis heute erst wenige BDE-Systeme installiert sind.

Dipl.-lng. M. Koldau ist freier Berater, auf den Gebieten Meßwertverarbeitung, automatische Meßanlagen, Prozeßsteuerung.