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08.03.1996 - 

Interview mit Thomas Koll, General Manager bei Microsoft

Der Trend zu PCs mit mehr Leistung wird sich fortsetzen

CW: Seit der Einfuehrung des PCs verdoppelt sich dessen CPU- Leistung durchschnittlich alle 18 Monate. Gleichzeitig werden die Anwendungen immer komplexer und umfangreicher. Ist es sinnvoll, diese Entwicklung weiter voranzutreiben?

Koll: Ich glaube schon, dass sich der Trend zu immer leistungsstaerkeren PCs fortsetzen wird. In Zukunft soll der PC noch leichter zu bedienen sein. Spracherkennung und eine staerkere Ausrichtung auf Multimedia koennen dafuer einen Beitrag leisten. Beides benoetigt zusaetzliche Rechenleistung.

CW: Wie sieht nach Ihrer Vorstellung der typische Desktop-Computer des beginnenden 21. Jahrhunderts aus?

Koll: Es wird sich dabei ziemlich sicher um einen PC handeln. Leistungsmaessig duerfte es ein Pentium Pro mit bis zu 200 Megahertz Taktfrequenz, einer 2-GB-Festplatte und 32 MB RAM sein. Auf den meisten PCs laeuft wahrscheinlich auch in fuenf Jahren ein Windows- Betriebssystem.

CW: Die verspaetete Auslieferung von Windows 95 wurde durch den Zwang zur Kompatibilitaet mit alter Hard- und Software verursacht. Beweist das nicht, dass selbst Microsoft mit dem Konzept des "fetten PCs" ueberfordert ist?

Koll: Ich glaube nicht, dass sich dieses Problem zukuenftig verschaerft. Die meisten Anwender stossen ihre Systeme bald nach dem Abschreibungszeitraum ab. Damit fallen immer mehr alte Produkte aus der Kompatibilitaetsliste. Die Unterstuetzung fuer den 286 ist beispielsweise inzwischen kein Thema mehr. Neue Komponenten folgen verstaerkt dem Plug-and-play-Standard und vereinfachen damit unsere Aufgabe.

CW: Die Befuerworter des Internet-PCs argumentieren vor allem damit, dass der Supportaufwand fuer PC-Arbeitsplaetze zu einer grossen Belastung fuer die Unternehmen geworden ist. Koennte ein schlanker Client, der Anwendungen ausschliesslich ueber das Netz bezieht, diese Situation nicht drastisch verbessern?

Koll: Der Wechsel zum Client-Server-Modell hat doch vor allem deshalb stattgefunden, weil die zentralistische DV der Mainframe- Aera den Beduerfnissen der Anwender nicht mehr gerecht wurde. Bei den Befuerwortern des Internet-PCs - IBM, Oracle und Sun - handelt es sich durchweg um Firmen, die nie an den PC geglaubt haben. Im uebrigen gibt es die Moeglichkeit, "Diskless PCs" einzusetzen. Allerdings sind weniger als zehn Prozent aller PCs solche ohne lokale Festplatte.

CW: Der Internet-PC soll ja nicht eine Reinkarnation des Terminals sein, sondern Anwender in den Genuss der Objekttechnologie bringen. Sogenannte Applets aus verschiedensten Quellen koennten frei zu Anwendungen kombiniert werden. Hat Microsoft Angst, dass dieses neue Distributionsmodell Einnahmequellen wie das Office-Paket bedroht?

Koll: Die Objekttechnologie ist nicht auf das Internet beschraenkt, sie haelt auch Einzug auf dem PC. Bis dato existieren schon ueber 500 OLE Custom Controls (OCX), die in Anwendungen integriert werden koennen.

Beim Internet-PC scheint das wirtschaftliche Modell nicht ausdiskutiert zu sein. Der Markt entscheidet sich bestimmt nicht dafuer, dass ein Anwender 700 bis 900 Mark fuer einen Internet-PC ausgibt und dann 1000 Mark jaehrlich fuer die Applikationsnutzung im Netz bezahlen und zudem fuer die Telekommunikationskosten aufkommen muss. Ausserdem ist nicht klar, wie Softwarehersteller dann ihre Produkte vermarkten sollen. Sie koennten ja nicht an PC-Nutzer verkaufen, sondern nur an die Betreiber von Superservern im Internet. Ein Microsoft Office muesste dann statt 1500 Mark fuenf Millionen Mark kosten, die dann ueber die Nutzungsgebuehren wieder hereingeholt werden. Der Anwender zahlt zum Schluss womoeglich mehr als beim derzeitigen Modell.