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25.09.1992 - 

Raid-Speicher von Data General auch für Sun, IBM und HP

Der Unix-Markt ist mittlerweile reif für die Third-Party-Hersteller

PARIS (sc) - Data General (DG) wittert im Unix-Markt eine Chance für Drittanbieter bei Speicherperipherie - ein Geschäft, das sich bisher hauptsächlich im Großrechner-Bereich lohnte. Als Third-Party-Produkte wollen sie ihre Raid-Disk-Arrays "Clariion" für RS/6000-Maschinen und Sparc-Server vermarkten. Anfang 1993 sollen die Unix-Systeme von HP, ICL und Unisys dazukommen. Die Sterne stehen gut für Anbieter von Speichersystemen im Unix-Markt: Analysten gehen von einem Marktvolumen in Milliardenhöhe aus.

Bei Mainframe-Anwendern ist es längst gang und gäbe, mit Third-Party-Produkten Geld zu sparen. Dagegen profitieren Unternehmen mit proprietären Midrange-Rechnern aufgrund der mangelnden Stärke von einzelnen Herstellern wie Bull, Wang, Data General, NCR oder Unisys nur bedingt von Drittanbietern. Die Misere der proprietären Hersteller im Schatten der IBM kommt unter anderem auch vom nicht vorhandenen Third-Party-Markt. Selbst an Data-General-Erzfeind DEC orientieren sich, verglichen mit dem Angebot für die /370-Welt, nur wenige Third-Party-Anbieter.

In der Unix-Welt scheint sich jetzt aber ein weiteres Potential für Drittanbieter aufzutun. So rechnen die Marktforscher von IDC bereits in diesem Jahr mit 2,5 Milliarden Dollar, die durch den Verkauf von Speichersystemen für Unix-Maschinen erzielt werden - 30 Prozent davon schlagen die Analysten den Third-Party-Anbietern zu.

"Der Markt für Speichersysteme ist milliardenschwer", konstatiert Ronald L. Skates, Präsident und CEO der Data General Corp. Er zitiert die amerikanischen Branchenanalysten von Montgomery Securities, die zwischen 35 und 50 Prozent der Gesamtkosten für ein Computersystem den Speicherprodukten zuschreiben. Der Trend zu Unix erhöht deshalb auch das Marktvolumen für Speicherkomponenten. "Mainframes und proprietäre Rechner im Wert von 250 Milliarden Dollar werden in den nächsten Jahren von offenen Systemen abgelöst", äußert DG-Senior-Vice-President Tom West.

Mit einem neuen Geschäftszweig als Drittanbieter von Speicherprodukten sieht Skates daher eine Möglichkeit, die DG-Einnahmen zu steigern. Dies ist offenbar dringend notwendig. Data-General-Finanzchef Art Demelle: "Wir brauchen zusätzliche Umsätze, um wieder profitabel zu werden." Neben den Kosten für die personelle Schrumpfkur - in den letzten Jahren hat sich Data General von rund 17 500 auf zirka 7500 Mitarbeiter verkleinert - schlägt sich auch die sinkende Nachfrage nach der proprietären MV-Serie negativ auf das Ergebnis nieder.

Nachdem Data General nach einigen verlustreichen Quartalen im Geschäftsjahr 1990/91 (Abschluß Ende September) endlich wieder schwarze Zahlen schrieb, rutschte das 88-Open-Mitglied in den letzten neun Monaten des laufenden Wirtschaftsjahres erneut in die Verlustzone. Nach dem dritten Quartal, also Ende Juni 1992, lag das Ergebnis der Corp. etwa 63 Millionen Dollar unter der Break-even-Marke, die Einnahmen betrugen 827,8 Millionen Dollar.

Eine Verbesserung der Situation scheint sich auch im letzten Quartal bis Ende September 1992 nicht anzukündigen. Fest steht, daß Deutschland-Geschäftsführer Udo Schmickler für die deutsche GmbH höhere Einnahmen erwartet hatte. Anfang 1992 ging er noch von einem Umsatzzuwachs von 30 Prozent aus, tatsächlich beträgt die Steigerung im Geschäftsjahr 1991/92 aber nur etwa zehn Prozent, also rund 120 Millionen Mark (1990/91: 107 Millionen Mark).

Das Kaufverhalten der Anwender tendiert verstärkt zu offenen Systemen. Während die Motorola-basierten RISC-Rechner "Aviion" 1990/91 noch etwa zehn Prozent zum Umsatz der deutschen Niederlassung beitrugen, steigerte sich deren Anteil in diesem Geschäftsjahr auf 35 Prozent. Dagegen ging der Umsatz mit den proprietären MV-Eclipse-Systemen von 80 Prozent auf 60 Prozent zurück. Ebenfalls rückläufig stellt sich das PC-Geschäft dar. Waren es im Vorjahr noch zehn Prozent, so betrug der PC-Anteil am DG-Umsatz in diesem Geschäftsjahr fünf Prozent.

Durch das Third-Party-Geschäft hofft Data General laut Finanzchef Demelle auf eine neue Einnahmequelle, um die Company wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Zwischen zehn und 20 Prozent des Umsatzes, so ein deutscher Data-General-Mitarbeiter, soll mit den Clariion-Produkten 1993 generiert werden.

Es handelt sich dabei um die nach dem Raid-Verfahren arbeitende Disk-Array-Familie "Hada II", die um Anschlußmöglichkeiten für Unix-Systeme von anderen Herstellern erweitert wird. So sollen im November 1992 Clariion-Plattenspeicher für die RS/6000 von IBM sowie für die Sparc-Server 600 von Sun auf den Markt kommen.

Anfang nächsten Jahres will man dann das Third-Party-Produkt für HP-9000-Systeme, Serie 800, U6000-Rechner von Unisys sowie für die DRS6000-Maschinen von ICL herausbringen.

Disk-Arrays arbeiten über 50 Jahre fehlerfrei

Die Raid-Speicher sind mit Kapazitäten von 2,5 bis 24 GB Daten erhältlich. Die Preise liegen zwischen 28000 Dollar für die kleinste Ausführung mit fünf 500-MB-Platten und 140 000 Dollar für das 24-GB-Array.

West zufolge lassen sich die Geräte vom Anwender installieren, erweitern und warten. Zum Lieferumfang gehören ein passender Host-Bus-Adapter, Kabel, Utilities sowie die Dokumentation.

Zudem kündigt die Minicomputer-Company ein DAT-Bandspeicher-System an, das zu einem Preis von unter 30 000 Dollar ein Backup der Daten ermöglichen soll, die auf den Clariion-Platten liegen. Für 1994 verspricht DG Raid-Speicher mit einer Kapazität von 40 GB; bereits im nächsten Jahr werden die Massenspeicher, die dann auch Raid 3 unterstützen, mit einem High-Speed-Write-Cache ausgerüstet. Laut Hersteller arbeiten die Disk-Arrays länger als 50 Jahre beziehungsweise 500 000 Stunden fehlerfrei (MTBF).

Chancen bei IBM- und Sun-Anwendern

Wie Skates erklärt, werden die Third-Party-Produkte über die Clariion Business Unit angeboten, einem eigenen Geschäftsbereich unter der Leitung von West. Der Vertrieb soll über Distributoren, VARs und OEMs erfolgen. Dabei rechnet sich Skates vor allem bei IBM- und Sun-Anwendern große Chancen aus, als Drittanbieter ins Geschäft zu kommen. Analysten sehen derzeit eine Basis von 115 000 Systemen weltweit, wo die Clariion-Systeme als potientielles Third-Party-Produkt in Frage käme.

IDC-Analyst David Vellonte vermutet dem "Wall Street Journal" zufolge, daß Data General mit der Clariion-Familie 1993 einen Umsatz zwischen 60 und 120 Millionen Dollar erzielen wird.