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09.04.1999 - 

Interview

"Der Vergleich mit SAP hilft uns"

Mit Dietrich Jaeschke, Gründer und Vorstandsmitglied der PSI AG, Berlin, sprach CW-Redakteur Gerhard Holzwart

CW: Als PSI im August vergangenen Jahres an den Neuen Markt ging, vertraten viele Zeitgenossen die Auffassung: Ein verhältnismäßig altes, traditionsreiches Unternehmen und eine junge High-Tech-Börse, das verträgt sich nicht. Welche Bilanz ziehen Sie nach dem Going Public?

Jaeschke: Eine außerordentlich gute. Wir hatten, das gebe ich zu, schon etwas Bedenken, weil unser Börsengang in einer gewissen Schwächeperiode des Neuen Marktes stattfand. Doch die PSI-Aktie stieß auf reges Interesse bei den Anlegern. Wir haben eine zum Teil sehr konservative Kundschaft, die nicht an extremen Kurssprüngen, sondern an einer langfristig stabilen Entwicklung interessiert ist. Natürlich auch, was das Unternehmen selbst angeht. Ich denke schon, daß die Investoren mit ihrem Engagement auch ein Stück Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit von PSI dokumentiert haben. Wir sind innovativ und schnell; insofern sind die genannten Vorurteile widerlegt worden.

CW: Freuen Sie sich nicht zu früh? Immer mehr Experten sehen für Anbieter von Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Lösungen nicht mehr ganz so rosige Zeiten kommen. Die zuletzt rückläufigen Geschäftszahlen von SAP scheinen dies zu belegen.

Jaeschke: Zunächst einmal: Die Probleme von SAP möchte ich gerne haben. Das Unternehmen steht nach wie vor exzellent da - und zwar in jeder Hinsicht. Wenn es nun Anzeichen für eine gewisse Marktabschwächung gibt, muß man sich fragen, ob eine Hysterie dieses Ausmaßes angebracht ist. Was unsere Situation angeht, gebe ich Ihnen auch eine klare Antwort: Wir wollen und werden wie angekündigt wachsen (siehe Seite 4), die Internationalisierung vorantreiben und unsere führende Position in den Bereichen Energieversorgung sowie Maschinenbau verteidigen.

CW: Gerade der Mittelstand, den Ihr Unternehmen mit besagter Branchenausrichtung bedient, wird aber für SAP & Co. immer interessanter.

Jaeschke: Natürlich wäre es unglaubwürdig, zu leugnen, daß wir zunehmend mit SAP konkurrieren. Noch dazu, wo wir uns im Produktgeschäft durchaus mit Walldorf vergleichen. Dort sind wir, in aller Bescheidenheit gesagt, besser. Was den Wettbewerb andererseits aber nicht einfacher macht. Viel mehr zu schaffen macht uns jedoch nach wie vor das Softwarehaus um die Ecke, das beispielsweise Lösungen zur Produktionssteuerung für einen Hersteller von Damenoberbekleidung anbietet. Da besteht oft ein persönliches Beziehungsgeflecht zwischen Softwarelieferant und Kunde, in das wir nur sehr schwer eindringen können.

CW: Bauen Sie jetzt nicht die Vielzahl der kleinen PPS-Anbieter zur bedrohlichen Konkurrenz auf - einen Bereich, der hierzulande ohnehin von einer nachhaltigen Konsolidierung gekennzeichnet ist?

Jaeschke: In Sachen Konsolidierung gebe ich Ihnen recht. Man sollte jedoch nicht den Fehler begehen und glauben, in diesem Markt würde prinzipiell kein Geld mehr verdient.

CW: Kommen wir auf PSI zurück. Einige Insider behaupten, das Unternehmen sei nach wie vor vom Projektgeschäft abhängig, das Business mit der ERP-Sofware "Psipenta" laufe - vor allem in den USA - nur schleppend an.

Jaeschke: Unseren aktuellen Zahlen für das Geschäftsjahr 1998 können Sie entnehmen, daß sich die Produktumsätze wie geplant und damit gut entwickeln. Mit den Gewinnen aus dem, wie wir es nennen, Systemgeschäft finanzieren wir den Aufbau unserer anderen Business Unit - auch das haben wir im Vorfeld des Börsengangs angekündigt. Alle Wachstums- und Ertragsziele wurden erreicht beziehungsweise übertoffen.

CW: Aber international sieht es bis dato nicht so berauschend aus. Zwei frühere Baan-Manager, die das Psipenta-Geschäft vor allem in Nordamerika ankurbeln sollten, haben das Unternehmen inzwischen wieder verlassen.

Jaeschke: Man hat sich getrennt, weil man nicht zueinander gepaßt hat. Das ist doch nichts Ehrenrühriges. Wir sind mit unserer Tochter Psipenta gut im Markt aufgestellt und haben das erste Jahr in den USA dazu verwendet, eine kleine Infrastruktur aufzubauen und wichtige Kontakte zu knüpfen. Jetzt können wir langsam dazu übergehen, die Früchte unserer Arbeit zu ernten. Im übrigen behaupte ich noch einmal: Der Vergleich mit SAP hilft uns. Wenn ich einem Amerikaner sage, wir sind wie SAP, aufgrund der Objektorientierung unserer Software aber einen Tick besser, dann versteht er das.