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05.01.1984 - 

Es tut sich was im deutschen Mikrocomputer-Markt:

Der Verunsieherung folgt die Konsolidierung

Wurde im vergangenen Jahr das "Erwachsenwerden" der Mikrocomputer mit viel Marketing-Getöse gefeiert, so ist ihr Einsatz beim Anwender noch lange nicht selbstverständlich. Viele Anzeichen deuten aber darauf hin, daß sich 1984 die Schleier lichten werden, die die Sicht auf das wirkliche Potential der Mikros noch verstellen. So war beispielsweise in den letzten Monaten zu beobachten, daß immer mehr DV-Manager sich dieser innovativen Herausforderung stellen.

Der Einzug der Personal Computer in die Fachabteilungen hat Tatsachen geschaffen, denen sich die DV-Strategen nicht entziehen können. Eine Steigerung des "Wollens" in dieser Richtung ist eindeutig feststellbar. Schon lange nicht mehr waren Symposien und sonstige Veranstaltungen so gut besucht wie die mit dem Themenschwerpunkt Mikro- beziehungsweise Personal Computer.

Die zu beobachtende Verunsicherung in der Vergangenheit resultiert aus mehreren Ursachen, die sowohl marktbedingt als auch im Selbstverständnis der DV-Verantwortlichen begründet sind (siehe Bild 1).

Der allgemeinen Verunsicherung folgt nun eine Konsolidierungsphase, in der sich die Anwender endlich auf ihre echten Bedürfnisse besinnen. Dies erfolgt auf zwei getrennten Schauplätzen:

1) am Markt,

2) beim Anwender.

Die Konsolidierung am Markt hat begonnen, die Macht der drei blauen Buchstaben ihre Wirkung erzielt. Zwar sieht die Welt der Mikro-Hersteller noch differenzierter aus als die der traditionellen DV-Industrie aber - und das ist die neue Entwicklung - sie wird nicht komplett anders aussehen, sondern höchstens durch Namen wie zum Beispiel Commodore und Apple erweitert. Die klangvollen Namen werden auch in der Mikro-Welt den ihnen angestammten Platz einnehmen. Langfristig werden sich allerdings nur wenige und wirtschaftlich potente Hersteller durchsetzen.

Diese Konsolidierung wird einige Aspekte haben, die schon heute vorhersehbar sind, wie beispielsweise

- Stabilisierung der Preise,

- Betriebssystem-Standard,

- hochkomfortable Benutzerschnittstellen,

- Integration in Netzwerk-Architekturen.

Darüber hinaus werden die Hersteller Absatzwege zu den industriellen Großabnehmern finden müssen, die diesen Nutzeranforderungen entsprechen. So hat sich bereits neben den Kanälen über Händler, Distributoren und Systemhäuser auch das "large account selling" wieder in den Vordergrund geschoben. Daß die Nutzeranforderungen der Großanwender nicht zu Dumping-Preisen, wie an der Homecomputer-Front üblich, zu haben sind, ist dort auch gar nicht die Frage. Wichtiger als die letzten zehn Mark Discount sind Fragen nach Wartung und Systemintegrierbarkeit.

Die nun eingeläutete Marktberuhigung zieht eine positive Entwicklung im Anwenderverhalten nach sich: Trotz aller tendenzieller Unterschiede wird sie überschaubar und damit planbar. Somit wächst zwangsläufig die "Lust" der traditionell konservativ eingestellten deutschen DV-Chefs, die Mikros ins Kalkül zu ziehen.

Von einer Euphorie, die manche gerne diagnostizieren, auf Seiten der Anwender zu sprechen, ist allerdings verfehlt. Fest steht aber, daß bei den deutschen Unternehmen im Hinblick auf den Mikro- beziehungsweise PC-Einsatz mehr geschieht als gemeinhin bekannt ist. Sucht man heute nach einem DV-Chef mit hinreichender PC-Erfahrung, so tut man sich noch schwer. Man stellt jedoch fest, daß die meisten Unternehmen sich sehr intensiv mit der Problematik befassen, wobei das Spektrum sehr weit gesteckt ist.

Man findet sowohl die Einstellung, daß der Zügellosigkeit der PC-Vermehrung durch strikte Anbindung an die zentrale DV Einhalt geboten werden muß, als auch die Meinung daß Mikros und PCs Spielzeug der Fachabteilungen sind und als solche mit Datenverarbeitung nichts zu tun haben.

Von beidem ist wohl etwas richtig mit der Einschränkung, daß der Blickwinkel nicht richtig ist. Der emotionsfreie (und deshalb so seltene) Gedanke ist der der Arbeitsplatzausgestaltung mittels DV. Datenverarbeitung, ob mit traditionellem Terminal oder mit PC (also mit gewisser Eigenständigkeit), ist ja nicht Selbstzweck, sondern dient der besseren, weil rationelleren Gestaltung von Arbeitsabläufen. Eine DV-Unterstützung an diesem "POW" (Point of Work) dient also letztlich nur der Leistungsverbesserung: eine gleichwertige oder qualitativ höherwertige Arbeit in weniger Zeiteinheiten. Mit dieser wirklich so einfachen Betrachtungsweise verliert der Einsatz von Mikrocomputern in einem Unternehmen an Brisanz, denn damit wird er zu einer Möglichkeit von vielen.

Betrachtet man nun verschiedene Arbeitsplätze in einem Unternehmen, so kann man die durchgeführten Funktionen folgendermaßen abstrahieren:

Demzufolge könnte man nun den einzelnen Funktionsgruppen Einfach-Geräte zuordnen. Nun ist leider die Welt nicht so ideal geordnet, deshalb gilt es Abgrenzungen zu schaffen, die durchaus firmenspezifisch ausfallen können.

Das Funktionsbild b) kann in einem Unternehmen durchaus durch ein Datenterminal abgedeckt werden, während es in einem benachbarten Unternehmen durch einen PC abgedeckt wird, weil zum Beispiel 20 Prozent reine lokale Textbearbeitung anfallen und die Kosten vergleichbar sind. Trotzdem würde es im ersten Falle keinen Sinn machen, den Terminaleinsatz durch einen PC abzulösen, denn damit würde zwar zu vergleichbaren Kosten die Funktionalität erhöht, diese Funktionalität jedoch keinem Nutzen zugeführt. Im Gegenteil, der Arbeitsplatzgestaltung (Ergonomie) sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als der nicht geforderten Funktionalität.

Dieser Philosophie des Arbeitsplatzgedankens folgen mittlerweile etliche DV-Chefs. Die Zeit der Orientierungslosigkeit scheint vorbei und viele Unternehmen haben die notwendigen Maßnahmen ohne Hilfe von außen vollzogen. Die Beratungsbranche in Deutschland hat sich hierbei nicht mit Ruhm bekleckert. Die Anwender beklagen sich über den Mangel an zielgerichteter und qualifizierter Beratung. Da gibt es zum einen die "DV-Landschaftsarchitekten", die zu sehr in alten Strukturen verhaftet sind und nicht genügend Basiswissen über PCs und deren Anwendungsmöglichkeiten mitbringen, und auf der anderen Seite die Mikro-"Freaks", die voller Begeisterung im Mikro das alleinseligmachende Werkzeug sehen.

Ohne Zweifel gibt es sehr viele Arbeitsbereiche, die durch den Einsatz von Personal Computern rationeller gestaltet werden können. Es ist sicherlich ratsam, mehr Aufwand in das Auffinden von Rationalisierungspotential am Arbeitsplatz zu setzen als in die Geräteauswahl. Die kommerziellen und technischen Randbedingungen sind es, die die Entscheidung immer mehr beeinflussen. Die technischen Unterschiede sind oft marginal (siehe Bild 2).

Allerdings ist an der kommerziellen PC-Front eine neue (deutsche?) Variante sichtbar: Siemens setzt sich mit der 9780 doch deutlich von der IBM-Strategie integrierter Einplatzsysteme ab (PC, XT, 3270 PC, XT 370).

Die Münchener favorisieren die auf Unix basierende Linie, die derzeit vom Einplatz- bis zum Vierplatz-Mikro reicht. Wenn die anderen deutschen Hersteller wie Nixdorf, TA oder Olympia dieser Linie folgen würden, könnte daraus ein deutscher Strategiebeitrag im Mikro-Bereich entstehen, der an den Erfolg der mittleren Datentechnik anknüpfte. Mit der Hinwendung zu auf Unix basierenden Systemen auf der Arbeitsplatzebene ist ein Schritt zum echten Distributed Data Processing gemacht, während auf der IBM-Seite die traditionelle zentrale Struktur sichtbar wird (siehe Bild 3).

Mit MS-DOS und einem entsprechenden Software-Angebot wird den Nutzanforderungen schon sehr weitgehend entsprochen, während auf der Seite der Unix-Systeme im Moment noch Hardware "pur" angeboten wird. Aber auch dort ist der Einsatz von Software-Standards absehbar, nur wird die Einheitlichkeit, ja Einfachheit des IBM-Standards durch die unterschiedliche Interessenlage nicht begünstigt. Es steht zu befürchten, daß die deutschen DV-Hersteller aufgrund kurzfristigen Abgrenzungsdenkens die Chance zur Software-Standardisierung nicht wahrnehmen. Zudem gilt nach wie vor, daß trotz vieler potenter deutscher Softwarehäuser die Standards nach wie vor "made in USA" sind.

*Reinhard Strobel ist am SCS Systemhaus in München im Bereich Marketing und Vertrieb tätig.