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14.06.1996

Der virtuelle Familienvater

Meine Frau hat das Ganze von der pragmatischen Seite gesehen. Bevor ich angefangen habe mit der Telearbeit, mahnte sie mich, daran zu denken, daß ich jetzt nicht mehr jeden Tag in die Kantine gehen könnte. Und ich solle nicht glauben, daß sie diese Funktion übernehme. Das Einkaufen will also geplant sein, auch Kochen kostet Zeit. Wenigstens bin ich niemand, für den die Versuchung Kühlschrank zu einem größeren Problem wird.

Und ich kann jetzt die Kleine manchmal vom Kindergarten abholen. Für die ist das etwas besonderes, vom Papa abgeholt zu werden. Braucht natürlich auch Zeit, und abends dauert es dann länger. Das wiederum ärgert meine Frau. Sie meint, ich vernachlässige sie. Dabei war sie es doch meistens, die mich mit ihrem "Kannst du nicht mal schnell ...?" von der Arbeit abgehalten hat.

Deshalb habe ich nun eine ganz klare Regelung mit der Familie getroffen: Auch wenn ich körperlich anwesend bin, bin ich eigentlich nicht da - ein virtuelles Familienmitglied sozusagen. Um dann dennoch auf Freizeit umschalten zu können, benutze ich einen Trick: Ich ziehe etwas anderes an als während der Arbeit. Von wegen den ganzen Tag im Schlafanzug vor dem Rechner hängen! Würde bei Videokonferenzen vielleicht auch keinen so guten Eindruck machen.

Da fällt mir gerade was ein. Neulich hat doch tatsächlich so ein Fuzzi von der Presse bei mir angerufen. Wollte wissen, wie das denn so ist mit der Sicherheit bei der Datenübertragung zwischen Büro und zu Hause. So ein Quatsch, sage ich Ihnen. Da habe ich ja noch nie was von gemerkt, daß jemand meine Leitung angezapft hätte! Typisch Journalisten, die wollen ja nur Sensationen für ihr Blättchen.

Einen Tag später hat allerdings meine Tochter ein Fünf-Mark-Stück in den Diskettenschlitz geworfen. Ich habe so lange geschüttelt, bis es wieder draußen war. Oder hätte ich wegen so etwas den firmeneigenen User-Support rufen sollen?! Wäre doch peinlich gewesen. Jedenfalls schließe ich jetzt immer sorgfältig die Tür zu meinem Arbeitszimmer ab, wenn ich nicht drin bin - durchaus auch eine praktikable Firewall, wenn man so will.

Was mir aber zu schaffen gemacht hat, war der Abschied von meinem Schreibtisch im Büro. Das war so ein richtiges repräsentatives Monstrum. An dem habe ich mich immer gleich als Chef gefühlt. Hier zu Hause muß der Tisch ja in die Ecke passen. Und außerdem habe ich im Büro einfach ein bißchen den Cursor auf dem Bildschirm herumgeschoben, wenn ich einen beschäftigten Eindruck machen wollte. So funktioniert das jetzt auch nicht mehr. Da müssen schon Ergebnisse her. Wie bitte? Ob ich wieder tauschen wollte? Nie im Leben! Dann würde mir ja den ganzen Tag jemand über die Schulter gucken. Und vor lauter Meetings würde ich bestimmt gar nicht mehr zum Arbeiten kommen.