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26.08.1994

Der von Analysten prognostizierte Boom blieb aus Zukunftsmarkt Archivsysteme bringt Interleaf viel Scherereien

FRANKFURT/M. (CW) - Das US-Softwarehaus Interleaf, international anerkannter Anbieter von Softwareprodukten fuer Dokumenten- Management und Electronic Publishing, steckt in der Krise. Eine miserable Geschaeftsentwicklung in den letzten Monaten hatte drastische Restrukturierungsschritte zur Folge.

In Deutschland wurde ein Viertel des Personals abgebaut, die Niederlassungen in Duesseldorf und Stuttgart schlossen ihre Pforten. Die verbliebenen 45 Mitarbeiter operieren wie bisher von der Zentrale in Eschborn sowie den Geschaeftsstellen in Hamburg, Frankfurt und Muenchen aus. Wie der Anbieter versichert, ist die Supportabteilung, die seit April dieses Jahres europaweit von Eschborn aus organisiert wird, ebensowenig betroffen wie das Geschaeftssegment Telesales.

Das erste Quartal des Geschaeftsjahres 1994, das am 30. Juni endete, brachte Interleaf weltweit einen schweren Rueckschlag. Der Umsatz betrug nur 19,2 Millionen Dollar, und Interleaf musste einen Verlust von 8,1 Millionen Dollar wegstecken. Diese Quartalseinbusse blieb nur knapp hinter dem Gesamtverlust zurueck, den das Softwarehaus im Geschaeftsjahr 1993/94 hinzunehmen hatte. Bei einem Umsatz von 111,2 Millionen Dollar lag das Defizit im letzten Jahr bei 9,2 Millionen Dollar.

Den Einbruch begruendet das Unternehmen mit einer zu einseitigen Ausrichtung auf den Markt fuer umfassende Dokumenten-Management- Loesungen. Man habe sich auf Analysten verlassen, die diesem Segment fuer die 90er Jahre ein ueberproportionales Wachstum prophezeit haetten. Entsprechend sei die Organisation mit Consulting-Abteilung, Projektvertriebs-Organisation und indirekten Vertriebspartnern ausgebaut worden. Grosse Projekte wurden angestrebt.

Interleaf vernachlaessigte ueber diesem Engagement das angestammte Geschaeft des Electronic Publishing und brachte hier zu spaet die vom Markt geforderten Windows-Versionen der eigenen Produkte heraus. Sinkende Preise und Margen, die geringe Investitionsbereitschaft in vielen Laendern sowie sich verzoegernde Dokumenten-Management-Projekte trugen ebenfalls zum Niedergang bei.

Seit Ende Juli hat US-Unternehmensgruender David Boucher, zuvor Aufsichtsratsvorsitzender, das Ruder wieder selbst in die Hand genommen. Mitbegruender Mark Ruport, zuletzt President und Chief Executive Officer, hat Interleaf inzwischen verlassen. Interimsgeschaeftsfuehrer der deutschen GmbH bleibt der Nordeuropa- Beauftragte Stephen Hill, der ebenfalls die Geschaefte der britischen Niederlassung fuehrt. In den naechsten Monaten soll hierzulande ein neuer Geschaeftsfuehrer berufen werden. An einen Verkauf des Unternehmens, so versichert die deutsche Zentrale, ist derzeit nicht gedacht.