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06.11.1987 - 

Drohende Akzeptanzbarriere beim Anwender zwingt zu neuen Kooperationsformen:

Der Weg in Richtung ISDN bleibt dornenreich

GENF (cmd) - Gipfeltreffen, Leistungsschau, Diskussionsforum und Weltspektakel in einem - die alle vier Jahre stattfindende Telecom bot für die internationale Telekommunikationsbranche von jedem etwas. Beherrschendes Thema war naturgemäß ISDN in allen seinen Facetten, aber auch in den derzeit bestehenden Grenzen: Probleme werfen vor allem die Inkompatibilitäten der verschiedenen nationalen Varianten sowie die noch fehlenden Standards für die Entwicklung neuer Anwendungen auf.

ISDN-Fähigkeit wurde auf vielfältige Art demonstriert: 30 europäische, amerikanische und japanische Unternehmen bekannten sich auf einem von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) organisierten Stand verbal zum Thema; wer dies anhand von Live-Vorführungen erleben wollte, wurde auf die jeweiligen Unternehmensstände verwiesen und konnte dort mindestens eine ISDN-Variante besichtigen.

ISDN zum Anschauen, nämlich als internationale Premiere mit direkter Verbindung zu den in Mannheim und Stuttgart laufenden Pilotprojekten, boten die nationalen bundesdeutschen Champions und die, die sich dafür halten: Nixdorf und PKI präsentierten ihre ISDN-fähigen Endgeräte, Siemens und SEL als Lieferanten von öffentlicher und privater ISDN-Technik zeigten das Zusammenspiel ihrer Vermittlungssysteme mit einer ganzen Palette von Endgeräten. Dazu gehören vor allem digitale Nebenstellenanlagen mit S(o)-Schnittstelle, digitale Komfort-Fernsprechapparate, Multifunktionsterminals, Fernkopierer der Gruppe 4 sowie ein Teleschreiber zur Übermittlung handschriftlicher Notizen im Dialog (SEL). Abgerundet wurde die deutsche ISDN-Demonstration durch den Stand der Bundespost, auf dem unter anderem Telefax-Endgeräte mit verbessertem Auflösungsvermögen, Teletex-, Telefax- und 64-KBit/s-Bildfernsprechgeräte im Bürobetrieb zu sehen waren.

Globales Netz in weiter Ferne

Den Vogel in Sachen ISDN schossen auf dem japanischen Stand NTT, NEC, Fujitsu, Toshiba, Canon, Hitachi sowie acht weitere Unternehmen ab: Sie hatten sich zu einer gemeinsamen Demonstration zusammengetan und führten die Kopplung ihrer verschiedenen ISDN-Terminals und digitalen PBX-Anlagen live vor.

Ungeachtet dieser und anderer technischer Realisierungen des "Integrated Services Digital Network" waren sich freilich alle Beteiligten Firmenbosse, Normierexperten, Vertreter der nationalen und internationalen Fernmeldeverwaltungen - in einem einig: die ISDN-Hausaufgaben sind noch längst nicht gemacht, das Ziel eines globalen Netzes liegt noch in weiter Ferne. Vordringlich sind vor allem weltweit auf den gleichen Standards basierende und damit auch für die potentiellen Nutzer attraktive Anwendungen, denn ohne Akzeptanz durch die Kunden könnten sich die erforderlichen Milliardensummen als erkleckliche Fehlinvestitionen erweisen.

Diese Gefahr, so zeigte sich in den Diskussionsforen und hinter den Kulissen sehr deutlich, wird in der Branche keineswegs nur als theoretische Möglichkeit durchgespielt. Neben Appellen, sich zusammenzuraufen und an einem Strang zu ziehen, zeichnete sich auf der Telecom ab, daß die fahrenden Unternehmen bereits neue Wege beschnitten haben. Das Stichwort hierzu heißt "Strategische Allianzen".

Wenngleich bereits weit im Vorfeld der Genfer Mammutschau entsprechende Gespräche und Überlegungen eingeleitet waren, bot die Telecom doch ein publikumswirksames Forum für die Bekanntgabe derartiger Projekte. Zu den spektakulären Allianzen zählen die "Projektstudien" zwischen IBM und Siemens, Siemens und Bell Atlantic sowie Bell Atlantic und IBM auf dem Sektor der "intelligenten Kommunikationsnetze" außerhalb der USA (Siehe CW Nr. 44 vom 30.Oktober 1987, Seite 1). Darüber hinaus hat Bell Atlantic, eine der sieben Regional Bell Operating Companies, die aus der Zerschlagung von AT&T 1984 hervorgegangen sind, auch noch eine "Projektstudie" mit Italtel, dem größten Nachrichtentechnik-Hersteller in Italien, vereinbart. Ziel dieser Untersuchung ist allerdings, Italtel-Equipment in Verbindung mit Bell-Atlantic-Kommunikationsdiensten für den Einsatz im US-Markt zu testen.

Auch die Nynex Corp., die größte aus dem ehemaligen AT&T-Konglomerat hervorgegangene US-Betriebsgesellschaft, zeigt Ansätze, sich außerhalb ihres angestammten Bereiches zu etablieren und in Europa Fuß zu fassen. So wurde mit der niederländischen Postverwaltung eine Vereinbarung unterzeichnet, die von gemeinsamen Marketingaktivitäten über technische Studien und ein gemeinsames Dienste-Angebot bis hin zu "Projektallianzen" reicht. Darüber hinaus wollen beide Partner auch einen Informationsaustausch über ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten pflegen.

Sprach-/Datenintegration in der Anwendung

Nynex war zudem auch in Sachen ISDN bei der Partnersuche erfolgreich: Gemeinsam mit IBM startet die im Staat New York ansässige Gesellschaft vom April nächsten Jahres an einen ISDN-Feldversuch in den USA. Ziel ist hierbei vor allem die Entwicklung von Protokollstandards für das Interworking von SNA und ISDN. Als "Testbett" fungieren zwei Nynex-Standorte, die über eine zentrale Vermittlung im New Yorker Nynex-Forschungszentrum gekoppelt werden. IBM steuert Arbeitsstationen und Steuereinheiten bei, die mit experimentellen ISDN-Schnittstellenadaptern ausgestattet sind.

Diesen Allianzen auf der Netz- und Diensteseite steht eine großangelegte Kooperation bei der Entwicklung von ISDN-Anwendungen auf der Endgeräteseite gegenüber, deren Initiator die Digital Equipment Corp. ist. Das "Computer Integrated Telephony" (CIT) getaufte Programm soll dazu führen, Anwendungslösungen für die Integration von Sprache und Daten zu entwickeln, die auf allen organisatorischen Ebenen eines Unternehmens und in verschiedenen Branchen eingesetzt werden können.

Neben British Telecom beziehungsweise deren Tochter Mitel und der kanadischen Northern Telecom konnte DEC inzwischen mit Siemens, Ericsson, Philips, Plessey und NEC America weitere Partner ins CIT-Boot ziehen. Da die Ergebnisse des Programms in die internationale ISDN-Normung Eingang finden sollen, hoffen alle Beteiligten innerhalb der nächsten zwölf Monate auf das Engagement weiterer sechs bis acht großer Unternehmen.