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Mit Möglichkeiten von heute vorsichtig die Technik von morgen angehen:


16.12.1983 - 

Der Weg vom Gänsekiel zum komplexen System

Viele Leute reden die Textverarbeitung tot, lassen aber die Büro-Kommunikation hochleben. Manche wollen auch die Textverarbeitung sterben lassen, weil sie bisher damit nicht den Erfolg hatten, den sie hätten haben können. Gleichzeitig singen sie aber das Hohelied der Mikros, die dann auch "Text" machen können oder können sollen. Hier finden sich viele Ungereimtheiten, Die dazu führen können, daß ein Interessent der Textverarbeitung erst gar nicht zum Anwender wird.

Der Anwender hat bestimmte Probleme zu lösen, der Markt bietet dazu eine Vielfalt von Hardware und Software. Je mehr Leistung zu immer niedrigeren Preisen angeboten wird, umso mehr Beratung wäre erforderlich, die aber nicht mehr geboten werden kann, vor allem nicht gratis. So steht der Interessent vor dem kaum noch überschaubaren Markt an Geräten und Programmen. Nach welchen Kriterien soll er entscheiden? Ist er in der Lage, die technische Leistung und die Möglichkeiten der Programme klar zu bewerten? Sind die personellen und organisatorischen Voraussetzungen für den Einsatz gegeben?

Die automatisierte Textverarbeitung laßt sich heute in die folgenden Geräteklassen gliedern.

- Textverarbeitungsgeräte, Speicherschreibmaschinen mit externem Textträger oder Datenträger, -meist mit einem Zeilendisplay ausgerüstet. Hauptvorteil ist hier noch für die Bedienungskraft, "ihre" Schreibmaschine zu haben.

Trend: Hier zeichnet sich ab, daß zu diesen Geräten Bildschirme angeboten werden, über die Texte eingegeben und korrigiert, also bearbeitet werden können.

- Bildschirm-Textsysteme, als Einzel- und Mehrplatzsysteme, meist mit Disketten oder Magnetplatten, sowohl für die Textverarbeitung als auch für die programmierte Textverarbeitung (PTV) einzusetzen. Durch anspruchsvolle Textsoftware sind bei diesen Geräten auch Datei- und Informationsverarbeitung, Rechnen und integrierte Folgestufenarbeiten möglich.

Trend: Einige Bildschirmtextsysteme bieten heute Betriebssysteme von Mikrocomputern, wie CP/M, an.

- Mikrocomputer, meist als Einzelplatzsysteme, mit Disketten oder Magnetplatten ausgestattet, mit verschiedenen Betriebssystemen und branchenorientierten Anwenderprogrammen, meist mit Schwerpunkt Rechnen.

Trend: Verbesserung der Bedienung, des Handling, Verbesserung der Software für Text, vor allem für Textbearbeitung, wobei hier der Standard bisheriger Textsysteme erreicht werden soll. Ausbaufähigkeit zu Mehrplatzsystemen ist im Kommen, Anschluß und Einbindung in lokale Netzwerke wird möglich sein beziehungsweise ist in Ansätzen realisiert.

- EDV-Systeme, die neben den kommerziellen, wissenschaftlichen oder technischen Programmen auch die Textverarbeitung ermöglichen. Als CTV-Computergestützte Textverarbeitung wird hier dem Anwender eine Kombination von Datenverarbeitung und Textverarbeitung, die als integrierte Daten- und Textverarbeitung Zugriff auf alle Dateien ermöglicht, angeboten.

Trend: Immer mehr bedienerfreundlichere Textsoftware auf EDV-Systemen, die sowohl dem Sachbearbeiter als auch der Schreibkraft zur Verfügung steht. Dabei werden die umfangreichen Texte von den Schreibdamen erstellt und abgespeichert, der Diktierer kann dann seinen Text über ein Terminal korrigieren, ändern und drucken lassen. Je mehr gespeicherte Texte (Ganzbriefe oder Textbausteine) zur Verfügung stehen, umso mehr Vorgänge kann der Sachbearbeiter selbst fertig machen.

An Hardware-Entwicklungstendenzen zeichnen sich für die automatisierte Textverarbeitung ab:

- als Speichermedien werden Magnetplatten mit immer größerer Kapazität zu immer niedrigeren Preisen eingesetzt.

- leistungsfähige Zentraleinheiten mit großen internen Speichern (256, 512 und mehr KB) erlauben schnellen Zugriff auf Programme und Daten und ermöglichen dadurch schnelleren Ablauf.

- einfache Tastaturen mit Mehrfunktionstasten, die vom Anwender selbst zu belegen sind.

- echter Mensch-Maschine-Dialog ohne Zwänge der Systemvorgaben oder zu enge Bedienerführung.

- die Bildschirme werden den medizinischen und damit den ergonomischen Bedürfnissen der daran arbeitenden Menschen entsprechen. (Der fachliche Streit, welche Größe, welche Farbe, wird in zwei bis drei Jahren sachlich beigelegt sein.)

- Anschlußmöglichkeiten an interne und externe Netze über entsprechende Kommunikationseinrichtungen, die zum Teil schon existieren. Selbstverständlicher Zugang zu allen verfügbaren Diensten der Post, wie Teletex, Datex P + L, Bildschirmtext.

- Grafikdarstellung in Bildschirm und beim Ausdruck

- Laserdrucker zu wesentlich günstigeren Preisen als sie heute auf dem Markt sind.

Auch bei der Software zeichnen sich eine Reihe von Tendenzen ab:

- einfaches Handling durch klare, übersichtliche Bedienerführung in den einzelnen Arbeitsprogrammen.

- einfache Programme zum Erlernen des Systems und der Arbeiten, die ablaufen sollen (Selbststudium).

- komfortable Silbentrennungen, Rechtschreibhilfen, Wörterbücher, die vorgegeben oder selbst ergänzbar sind.

- einfacher Aufbau von Dateien für die Datei- und Informationsverarbeitung mit allen Auswahl- und Sortierkriterien, also der Vergleichslogik mit Positiv- und Negativauswahl.

- einfacher Zugriff auf Dateien in externen Rechnern über entsprechende Proceduren (BSC, Emulation)

- Einbindung der Grafikfunktionen in Texte, beispielsweise bei Diagrammen.

Wenn sich auch die Sprachausgabe bereits in einem sehr fortgeschrittenen Zustand befindet, zwar nur bei Großrechnern akzeptabel gelöst, so wird doch in den nächsten Jahren nicht mit preiswerten Lösungen von Spracheingabe zu rechnen sein. Die vielfältigen Probleme der Sprache Dialekte, Modulation) zeigen heute noch gewisse Grenzen auf, die jedoch von den Entwicklern mit den modernsten Technologien sicher auch erreicht und dann überschritten werden.

Trotz der technischen Entwicklungen, die heute zur Verfügung stehen und noch kommen werden, sind die Anwender gut beraten, mit den Möglichkeiten von heute in kleinen Schritten die Technik von morgen anzugehen. Es ist nicht möglich, direkt vom Gänsekiel zur vernetzten Text- und Datenverarbeitung zu kommen.

Für jeden Anwender wird es künftig passende Lösungen geben. Sinnvoll ist dabei für jeden Anwender, sich eine Lösung mit dem für ihn günstigsten Preis-/Leistungsverhältnis zu suchen. Denn eines steht fest: auch in den nächsten Jahren wird es, "die" Maschine oder "das" System nicht geben, weil es eben auch, "den" Anwender nicht gibt.

Für einige User dürften Lösungen mit Mikrocomputern die einzig richtige Alternative zu Großcomputern sein. Einige anderen werden Terminals die Kombination von Text- und Datenverarbeitung ermöglichen. Aber auch der konventionelle Schreibplatz, der nichts anderes sein soll als ein Arbeitsplatz mit komfortablen Schreibmaschinen mit Textspeicherung für die tägliche Schreibarbeit und für die individuelle Korrespondenz läßt sich nicht verdrängen.

Wenn hier Unternehmer, Chefs, Organisatoren, Berater und Betriebs- und Personalräte sich rechtzeitig auf die Veränderung der Arbeitswelt im Schreibbereich und auf den Sachbearbeiterplätzen einstellen, dabei die Beteiligten, also die Mitarbeiter, langsam an die künftige Technik heranführen, ist eine hohe Akzeptanz zu erreichen.

Max Gegenfurtner ist Mitgesellschafter im i.f.t. Insitut für Textverarbeitung Rolf Schreiber GmbH, Stuttgart.