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14.03.1997 - 

Interview

"Der Zug ist für uns noch nicht abgefahren"

CW: Wann löst Microsoft das von den Anwendern als zu teuer eingestufte Domain-Konzept ab?

Koll: Aus unserer Sicht ist dieses Verfahren nicht so kostenintensiv, wie Sie es darstellen. Aber eine Weiterentwicklung der Directories ist sicherlich notwendig. Das vollziehen wir mit der Version NT 5.0.

CW: Das verspricht Ihr Haus bereits seit längerem.

Koll: Das Gros der Forschungsarbeiten hierfür haben wir abgeschlossen. Zur Zeit steckt Microsoft mitten in der Entwicklung des NT-Directorys. Das Grundkonzept unseres Verzeichnisdienstes Active Directory steht, wie Sie ja selbst berichten (siehe Seite 41). Entwickler, die erste Eindrücke sammeln wollen, können sich auf unseren Web-Seiten das entsprechende Software Development Kit (SDK) herunterladen. Die Auslieferung von NT 5.0 ist nicht vor 1998 geplant.

CW: Also hat Microsoft ab dem ersten Quartal 1998 definitiv eigene Directory-Services?

Koll: Nein, so möchte ich mich nicht festlegen. Wir planen die Verfügbarkeit der neuen Version von Windows NT für den Jahreswechsel 1997/98. Ein wesentlicher Bestandteil dieser neuen Version wird das Active Directory sein.

CW: Handelt es sich dabei technisch gesehen wie bei den Konkurrenzprodukten um eine X.500- konforme Implementierung?

Koll: Ja und Nein, denn das Active Directory unterstützt die relevanten X.500 Protokolle. Neben dem aus der Unix- und Großrechnerwelt bekannten DAP unterstützen wir mit dem Active Directory auch das Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) sowie die Verzeichnisse von Novell und Banyan.

CW: Bedeutet die Einführung der Directory-Services für die User eine Abkehr vom Domain-Konzept?

Koll: Nein, denn die Domains sind ja ein Teil vom Directory. Es gibt heute viele Directories sehr unterschiedlicher Art. Eines davon ist unser Domain-Konzept, neben den Ansätzen von Banyan oder Novell. Aber wir müssen, wie es Microsoft jetzt tut, einen Schritt weitergehen und die Directories insgesamt vereinheitlichen, so daß wir am Ende eine umfassende Lösung haben.

CW: Glauben Sie nicht, daß Microsoft mit seinen Diensten zu spät kommt und der Zug bereits abgefahren ist? Novell hat ja seine Novell Directory Services (NDS) bereits zur Public-Domain-Software erklärt.

Koll: Wenn wir als Nachzügler erneut so erfolgreich sind wie in der Vergangenheit, dann muß ich mich eigentlich wieder freuen, wenn es heißt, Microsoft sei zu spät dran. Ich glaube nicht, daß der Zug für uns abgefahren ist. Schließlich überlegt sich das Unternehmen jeden Tag, welche Forschungsarbeiten zu machen sind.

CW: Sie reden von Forschung. Sind die Directory-Services eine komplette Eigenentwicklung, oder kaufen Sie Know-how beispielsweise bei Banyan?

Koll: Die Active-Directory-Architektur ist eine Eigenentwicklung, denn wir haben ja bereits vor Jahren in der Exchange- und Windows-NT-Entwicklung wertvolle Erfahrungen gesammelt, die in die Active-Directory-Struktur eingeflossen sind. Ansonsten schaut die Company auch rechts und links im Markt, um zu sehen, wer Technologien hat, die wir in unsere Produkte einbinden können. So sind wir bereits in der Vergangenheit bei NT verfahren.

CW: Lassen wir die Verzeichnisdienste einmal beiseite. NT kommt einerseits mit File- und Print-Funktionalität, anderseits mit dem Anspruch, ein Applikations-Server zu sein. Wo liegt der Fokus?

Koll: Der Schwerpunkt ist der breite Anwendungsnutzen von NT. Es ist ein Universal-Server, der vom Anwender akzeptiert wird. NT ist heute das am schnellsten wachsende Server-Betriebssystem.

CW: Schön, das ist die Microsoft- Sicht. Ihre Konkurrenten vertreten aber die Ansicht, daß Applikations-Server keine Zukunft haben, da künftig alle Anwendungen im Netz liegen.

Koll: Tja, das Netz als solches, was ist das? Ein Kabel zwischen zwei Servern. Der Markt zeigt heute deutlich, daß Applikations-Server die richtige Variante sind. Letztlich beruhen die Web- und Transaktions-Dienste immer auf einem Client-Server-Modell mit einem Applikations-Server. Die Tatsache, daß man eine technische Plattform für Web-Applikationen, E-Mail, Datenbankdienste benötigt, ist sicherlich sowohl für Anwender als auch für die Industrie völlig unstrittig, denn keiner der Dienste existiert einfach irgendwo.