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17.01.1975

Der Zug zum "Diplom"-Datenverarbeiter

MÜNCHEN - Wird in absehbarer Zeit eine neue Generation akademisch ausgebildeter Datenverarbeiter der "alten" (den erfolgreichen, hineingewachsenen, ausgefuchsten Praktikern), den Rang streitig machen? Wird in Zukunft der "Herr Chef-Programmierer" ein Dipl.-Ing., zumindest aber ein Ing. grad. sein?

Muß der Leiter der System-Analyse in der Regel seinen Diplom-Kaufmann "gebaut" haben, um diese verantwortungsvolle Position zukünftig erfolgreich ausfüllen zu können?

Das Fazit einer Computerwoche-Umfrage bestätigt jedenfalls den verstärkten Trend zu einer hochqualifizierten, praxisnahen Vorbildung für EDV-Führungskräfte:

"Welche fachlichen, welche menschlichen Qualitäten sollte ein Leiter der Programmierung (Chef-Programmierer), sollte ein Leiter der Systemanalyse (Senior-System-Analytiker) haben?"

Das "Wie" und "Woher"

Die Antworten auf diese Fragen bekam Computerwoche von fünf EDV-Leitern bekannter großer und mittlerer Anwenderfirmen unterschiedlicher Branchen.

Nur zwei der befragten EDV-Manager sind in Bezug auf die notwendige Vorbildung eines Chef-Programmierers der Meinung, daß es ihnen "egal" sei, wie und woher ihr Leiter der Programmierung sein EDV-Wissen nehme. "Hauptsache er ist ein erstklassiger Praktiker."

So erklärt Dipl.-Ing. Christian Hollwich (37), seit zwei Jahren EDV-Leiter der Agrob AG (Groß-Hersteller für Keramik) in München-Ismaning und für 21 Mitarbeiter verantwortlich: "Von einem Chef-Programmierer erwarte ich, daß er selbst in einer maschinennahen Programmiersprache, wie Assembler, und in einer problemorientierten wie RPG II oder PL 1 programmieren kann. Außerdem sollte er gute Systemkenntnisse sowie ein detailliertes Wissen über Datenfernverarbeitung und Datenbanken haben. Dazu mindestens drei Jahre Berufspraxis. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, braucht er nicht unbedingt ein Fach- oder Hochschul-Diplom vorweisen!"

Allzeit bereit

Psychologisches Einfühlungsvermögen, Durchsetzungsvermögen und eine überdurchschnittliche Bereitschaft zum Arbeitseinsatz setze er bei einer solchen Führungskraft, die nicht wesentlich jünger sein sollte als deren Mitarbeiter, voraus. Mit anderen Worten:

"Ein Chefprogrammierer muß seine Leute zu einem Team zusammenschweißen können und immer da sein, wenn's wirklich brennt."

Vom Chef der System-Analyse verlangt EDV-Leiter Hollwich allerdings ein abgeschlossenes Hochschulstudium, vorzugsweise in naturwissenschaftlicher Ausrichtung oder in Betriebswirtschaft. Hollwich: "Außerdem hat er in der DV-Organisation und in der Problemlösung fit zu sein, um zu richtigen Programmvorgaben zu kommen."

Entscheidende Bedeutung mißt Hollwich den menschlichen Qualitäten bei: "Er muß im Gespräch mit den Fachabteilungen außerordentlich kompromißbereit sein, ohne die wesentlichen Zielsetzungen aus dem Auge zu verlieren."

Dem Chef der Programmierung billigt er ein monatliches Brutto-Salär von 3300 Mark zu, dem Leiter der Systemanalyse in etwa 3800 Mark brutto monatlich.

Praxis wichtiger als Diplome

Für Dipl.-Ing. Adolf Plank (41), EDV-Leiter der Firma Otto Stahlgruber & Co., München (Kfz-Zubehör- und Ersatzteile-Großhandlung u. Hersteller für Reparatur-Materialien für Vulkanisierbetriebe), spielt es ebenfalls keine entscheidende Rolle, ob ein Senior-Programmierer beziehungsweise Senior-System-Analytiker ein abgeschlossenes Hoch- oder Fachschulstudium mitbringt. Plank: "Mir sind fundiertes, praxisnahes EDV-Können und gute Kenntnisse in Buchführung, Mahnwesen, Personalwesen, Materialwirtschaft und DV-Organisation lieber als irgendwelche hochgestochenen Diplome mit wenig Ahnung von der Praxis."

Bei ihm ist Hermann Rösch (36), sechs Mitarbeiter, gleichermaßen verantwortlich für die Programmierung und die Systemanalyse. Von dieser Doppelfunktion her kommen Planks Vorstellungen von einer EDV-Führungskraft: "Keinesfalls sollen die Mitarbeiter den Eindruck gewinnen, ein Vorgesetzter rede von etwas, das er selbst nicht beherrscht." Um jederzeit die Programmierer fachlich unterstützen zu können, müsse sein Chefprogrammierer und Leiter der System-Analyse im Operating, Programmieren und in der Problemlösung zu Hause sein. Dafür erwartet Plank eine zehnjährige Berufspraxis, am liebsten mehrere Jahre im "Stammbetrieb" ("Ich bin für den Aufstieg aus den eigenen Reihen"). Idealalter: Zwischen 30 und vierzig Jahren. Zugebilligtes Bruttogehalt für die Position in Personalunion: etwa 4000 Mark monatlich.

Selbstverständliche Voraussetzung

Mindestens Abitur und eine entsprechende Fachschulausbildung, sowohl bei der Position "Leiter der Programmierung" als auch bei dem der System-Analyse, erwartet Wirtschaftsingenieur Dieter Englisch (38), Leiter der Datenverarbeitung und DV/ORG bei der Südbremse AG in München. Hier ist er Leiter der Programmierung Dipl.-Ing. und hat zehn Mitarbeiter. Der Leiter der System-Analyse ist Diplom-Kaufmann und für acht Mitarbeiter verantwortlich. Bei der letztgenannten Position sollten neben "den selbstverständlichen EDV-Erfahrungen" vor allem fundierte Kenntnisse der allgemeinen Struktur- und Ablauf-Organisation vorhanden sein. Aber auch ein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick im Hinblick auf den Kontakt mit den Fachabteilungen. Der Leiter der Programmierung muß nach Englischs Meinung ein hieb- und stichfestes Wissen der gängigen Programmier-Methoden- und Sprachen (zum Beispiel Assembler) haben und selbst programmieren können. Daneben verlangt er vom Chefprogrammierer gute Kenntnisse der Betriebssysteme und Grundlagen in der allgemeinen Struktur- und Ablauf-Organisation.

Bei den "Führungsqualitäten" rangieren die Fähigkeit zur Mitarbeiterführung und Kostenbewußtsein ganz oben. Englischs Gehaltsvorstellungen für beide Positionen bewegen sich bei 3 500 bis 4 000 Mark monatlich brutto.

Müssen "Oldtimer" passen?

"Weil sich die Technik der Programmierung in den kommenden Jahren stark wandeln wird und sogenannte "Oldtimer" diese Wandlung meiner Meinung nach nicht mehr mitmachen können", erwartet Gottfried Hailer von einem Chefprogrammierer eine abgeschlossene Fach- oder Hochschulausbildung technischer Fachrichtung. Der 36jährige Diplom-Ingenieur ist EDV-Leiter der Linde AG in Höllriegelskreuth bei München. Ein Chefprogrammierer muß nach Hailers Auffassung außerdem verwertbares, betriebswirtschaftliches Wissen, sei es durch Berufspraxis oder durch Fortbildungskurse erworben, haben. Gute Kenntnisse der Hardware- und Software-Möglichkeiten (Betriebssysteme) sowie die Beherrschung von mindestens zwei Programmiersprachen ("bei uns Fortran und PL 1") seien ebenfalls notwendig.

"Vom Chef der Systemanalyse erwarte ich, daß er vorzugsweise studierter Betriebs- oder Volkswirt ist. Eine Alternative wäre eine Fachschulausbildung als graduierter Betriebswirt. Da zu kommt eine vertretbare Praxis in den Fachabteilungen. Auf jeden Fall muß er etwas von DV-Organisation verstehen, um zu richtigen Problemlösungen zu kommen."

Delegieren können

Für beide Positionen hält Hailer die Beherrschung des Delegationsprinzips bei der Mitarbeiterführung für unerläßlich: "Der Chef-Programmierer - meiner hat dreizehn Mitarbeiter - muß seine Mitarbeiter so motivieren, daß sie die zu erwartenden Ergebnisse dann auch wirklich bringen. Der Chef der System-Analyse muß in noch stärkerem Maße delegieren können, da seine Mitarbeiter selbständiger arbeiten als die Programmierer. Ein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick halte ich deshalb für notwendig, weil er im Kontakt zu den Fachabteilungen die notwendigen Sachinformationen schon vorher auf dem Tisch haben muß."

Den Inhabern beider Positionen billigt Hailer das gleiche Gehalt zu, nämlich 4000 Mark monatlich brutto bei dreizehn Monatsgehältern.

Motivieren, nicht frustrieren

"Wie will denn ein Chef-Programmierer, der mit einer Großanlage, wie zum Beispiel einer IBM 370/155 arbeitet, seinen Programmierern sagen können, was sie zu tun haben?" Diplom-Kaufmann Hans Kolkenbrock (35), Leiter der Abteilung "Planungsmethoden und EDV-Durchführungsverfahren" bei Krauss Maffei in München Allach, spielt auf eine unbedingt notwendige Fachschulausbildung an. Die muß ein Programmier-Boß in Informatik oder als Wirtschaftsingenieur mit guten Kenntnissen in Operations Research seiner Meinung vorweisen. Außerdem müsse er eine der gängigen Sprachen selbst einmal programmiert haben. Was Kolbenbrock unter Überzeugungskraft versteht, erklärt er bündig: "Er hat seine Mitarbeiter zu motivieren, aber nicht zu frustrieren!"

Ähnlich hohe Anforderungen stellt der Krauss-Maffei-Mann an einen Leiter der System-Analyse: "Abgeschlossenes Hochschulstudium als Informatiker oder mit der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik. Erst mit dieser Vorbildung wird er die notwendigen fachlichen Grundlagen mitbringen, um in der Praxis zu richtigen Problemlösungen zu kommen."

Ein Chefprogrammierer dieses Zuschnitts darf ein Anfangsgehalt von jährlich 40 000 Mark einstreichen. Ein Chef der System-Analyse etwa 45 000 Mark per annum.