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25.06.1976

"Der Zwang zur langfristigen Planung ist gegeben"

Mit Leasing-Experte Franz Pogodda (Deutsche Leasing AG) sprach CW-Redakteur Dieter Eckbauer

- In den letzten zwölf Monaten wurde sehr viel über Leasing gesprochen und geschrieben.

Leasing ist in der Zwischenzeit in der Tat ein diskutabler Weg geworden, Großcomputer zu beschaffen. Unterscheiden muß man jedoch zwischen verschiedenen Formen des Leasing-Systems. Einmal gibt es in Deutschland das Finanzierungsleasing, zum anderen das sogenannte Operate-Leasing. Der Unterschied besteht kurz gesagt darin, daß beim Finanzierungsleasing während der Grundmietzeit des Leasing-Vertrages die gesamten Anschaffungskosten einschließlich der Zinsen und Nebenkosten für den Leasinggeber eingespielt werden müssen, beim Operate-Leasing dagegen übernimmt die Leasing-Gesellschaft einen Restwert auf eigenes Risiko. Das heißt, der Leasing-Gesellschaft ist es überlassen, die Vermarktung nach Ablauf der Vertragsperiode vorzunehmen.

- Von sämtlichen in Deutschland installierten EDV-Anlagen durften - nach Stückzahlen gerechnet - erst 30 Prozent geleast sein. Demnach gibt es in Anwenderkreisen doch noch eine beträchtliche Aversion gegen diese Finanzierungsform. Wie wurden Sie diesen Anwendern das Leasing schmackhaft machen wollen?

Vorteil Nummer 1 ist, daß die Hardware-Kosten spürbar gesenkt werden können. Und zwar in der monatlichen Belastung bei entsprechender Vertragsdauer. Punkt 2 ist, daß das Leasing-System je nach Vertragsgestaltung keine Mieten ad infinitum vorsieht. Als dritter Punkt wäre anzufahren, daß die Leasingnehmer - und hier kommt es wiederum auf die Vertragsgestaltung an - am Wiederverwertungserlös partizipieren, auch nach Ablauf der Vertragsdauer. Die Gesamtbelastung während einer entsprechenden Nutzungsdauer liegt eindeutig unter den Belastungen, die eine Herstellermiete bringt.

- Langfristbindung muß zwangsläufig eine Kostersparnis mit sich bringen. Gegen Leasing wird ja hauptsächlich eingewandt, daß man bei der Ausgestaltung der Hardware nicht mehr flexibel ist.

Die Entwicklung des EDV-Marktes hat gezeigt und die Intervalle, in denen bisher neue Systeme auf den Markt kamen, beweisen es, daß 4-, 5- oder gar 6-Jahres-Verträge durchaus vertretbar sind. Die Anwender überblicken für ihre organisatorischen Aufgaben und erforderlichen Kapazitäten mittlerweile größere Zeiträume. Relativ genaue 5-Jahres-Planungen sind keine Seltenheit. Die enormen Anlaufkosten betrieblicher Organisationen für ein neues System verbieten es einfach, Entscheidungen zu treffen, die kurzfristiger Natur sind. Der Zwang zur langfristigen Planung ist gegeben.

- Auch die detaillierteste Langfristplanung kann nicht berücksichtigen, daß doch in kürzeren Intervallen Systemerweiterungen - etwa in der Peripherie erforderlich - werden.

Umrüstungen oder Aufstockungen der Anlagen sind auch bei Abschluß von Leasing-Verträgen jederzeit möglich. Würden Leasing-Gesellschaften hier nicht sinnvolle Spielregeln anbieten, hätten wohl so viele Verträge, wie es in der Vergangenheit der Fall war, nicht plaziert werden können.

- Demnach wäre ein Haupthindernis gegen eine größere Verbreitung des Leasing, daß in Anwenderkreisen noch zu große Unkenntnis über die erreichbaren Vertragskonditionen herrscht?

Ja, leider. Und dazu trägt unsere eigene Branche noch erheblich bei.

- Hat nicht der Leasing-Erlaß Klarheit geschaffen?

Der Leasing-Erlaß aus dem Jahre 1971 und die Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums vom 22. 12. 75 läßt eine erhebliche Bandbreite in der Vertragsgestaltung zu. Ein Vertragsmodell - ist beispielsweise der kündbare Mietvertrag, der vor Ablauf der kalkulatorischen Grundmietzeit festschreibt, was bei Vertragsabbruch geschieht.

- Von Intimkenner der Branche wird gesagt, daß man mit Leasingfirmen in bezug auf Nebenabreden einiges aushandeln kann.

Sicherlich, soweit es wirtschaftlich und vor allen Dingen steuerlich zu vertreten ist, können Formularverträge, die die Leasing-Gesellschaften anbieten, durchaus modifiziert werden. Was darüber hinausgeht, wäre von Übel.

- Nun sind es nicht nur Leasing-Firmen, die Langfristverträge offerieren. Auch die Hersteller haben ein ureigenstes Interesse daran, den Kunden längerfristig an sich zu binden. Wie sind ihre Erfahrungen mit dieser "Konkurrenz"?

Diese Entwicklung können wir nur begrüßen. Sie beweist die Mündigkeit der Anbieter. und Anwender. Und das Vertrauen zu einem bestimmten Produkt-Angebot. Da das Leasing-System - wie bereits gesagt - keine Mieten ad infinitum verlangt und den Leasingnehmer am Wiederverwertungserlös beteiligt, kann die Entscheidung, wenn der Langzeit-Mietvertrag als Alternative angeboten wird, eigentlich nur für Leasing fallen.

- Sie lassen also keine Entschuldigung gelten, wenn ein Anwender die mit Leasing gebotenen Einsparungsmöglichkeiten nicht nutzt? Erfahrungsgemäß fühlt sich ein Anwender mit Standard-Mietvertrag vom Hersteller doch stärker umworben - er befürchtet, bei Kauf oder Leasing vom Hersteller nicht mehr den gleichen Support wie als Mieter zu bekommen.

Ihre erste Feststellung kann ich nicht ganz bejahen. Wer Interims-Lösungen sucht, muß den kurzfristigen Mietvertrag des Herstellers wählen. Die gleiche Flexibilität eines kurzfristigen Hersteller-Mietvertrages kann ein Leasing-Vertrag nicht bieten. Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Diese subjektive Einstellung geistert in der Tat in den Kundengesprächen, die wir führen,(...) manchmal herum. Es, ist aber absolut nicht einzusehen, daß ein Hersteller einen Kunden schlechter bedient, wenn dieser die Anlage bar bezahlt oder durch die Leasing-Gesellschaft bar bezahlen läßt. Ich bin der Überzeugung, daß sich die Hersteller eine andere Haltung auch gar nicht erlauben können und wollen.