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04.08.1995

Desktop-Betriebssysteme/Kommentar Durchbruch in zwei Phasen

DOS und Windows auf modernen PCs zu installieren ist schon seit einiger Zeit so sinnvoll, wie Carl Lewis im Kartoffelsack auf die Tartanbahn zu schicken. Etwas Besseres musste kommen. Das war schon einmal geplant. Windows NT sollte die Macht am PC werden. Doch im letzten Moment entdeckten die Marketing-Manager von Microsoft, dass NT etwas fuellig geraten war und staerkere PCs verlangte, als die Anwender zu zahlen bereit gewesen waeren. Flugs wurde es umdefiniert in ein Server-Betriebssystem, laut Bill Gates "das bessere Unix". Doch auf den Servern behauptete sich Unix.

Auf den Clients war die lahme DOS-Windows-Kombination gleichzeitig dem OS/2 von IBM technisch hoffnungslos unterlegen. Die Gefahr bestand also, dass ausgerechnet die maechtige Microsoft Corp. nach dem Misserfolg bei den Servern auch noch in eine schwache Position auf dem Markt der Desktop-Betriebssysteme geraten wuerde.

Doch aus diesem Szenario, das sich etliche Softwarehaeuser ertraeumt hatten, wird nichts. Jetzt kommt Windows 95. Das verlangt auch nicht viel weniger an PC-Ausstattung als NT, aber die Hardwarepreise sind inzwischen ja gesunken. Die Privatanwender werden Win 95 vorinstalliert finden, wenn sie neue PCs kaufen. Ein grosser Teil der Heim-PC-Benutzer wird, auch ohne sich angepasste 32-Bit-Applikationen zu leisten, ziemlich schnell umsteigen, weil die Benutzeroberflaeche nach Apple-Art reizt.

Die Unternehmen werden zoegern. Und sie tun gut daran. Erstens laufen die alten Anwendungen ja. Zweitens wird es einiges kosten, die Hardware fuer Win 95 aufzuruesten. Noch teurer kommen drittens die neuen Anwendungen. Und viertens werden Schulungen faellig. Macht tutti completti nach verschiedenen Schaetzungen 2000 bis 3000 Mark pro Arbeitsplatz. Es gibt einen weiteren Grund zum Abwarten: Noch nie war eine grundlegend neue Software in der ersten Version einigermassen fehlerfrei.

Trotzdem ist zu erwarten, dass sich Windows 95 letztlich auch in den Betrieben durchsetzen wird. Und den Grund liefern nicht so sehr Microsofts Fehlerbehebungen als vielmehr die Endanwender. Sie werden darauf draengen, endlich auch am Arbeitsplatz ein System zu bekommen, das so modern ist wie das auf ihren Privat-PCs daheim. Wenn sich solche Stimmen in den Unternehmen mehren, wissen die DV- Verantwortlichen eins: Die Schulungsausgaben duerften sich in Grenzen halten. Gleichzeitig werden die Hardwarepreise weiter gefallen sein. Bleiben nur noch die Softwarekosten. Aber dann zieht ein Argument der Win-95-Befuerworter: Mit modernen Anwendungen sollte die Produktivitaet steigen. Das wird der Moment sein, in dem die Daemme brechen.