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06.02.1987 - 

Der Image-Prozessor bleibt nach wie vor der Knackpunkt:

Desktop-Publishing ist noch nicht druckreif

Das Zauberwort Desktop-Publishing (DTP) beschäftigt die DV-Branche in zunehmendem Maße. Damit das, was in den Köpfen erdacht und am Rechner erprobt wird, am Ende auch als Ausdruck begutachtet werden kann, muß die Kommunikation mit dem Ausgabemedium, sprich Drucker, stimmen. Und hier kann der Anwender auf Schwierigkeiten stoßen, wenn er sich nicht gleich ein zusammenhängendes DTP-System gekauft hat. Denn das Eigenschaftswort "kompatibel" hält bekanntlich nicht immer das, was es verspricht.

Das Schlagwort der achtziger Jahre heißt Desktop-Publishing. Publizieren am Schreibtisch bedeutet aber mehr, als nur Texte mittels Computer zu erstellen. Desktop-Publishing bedeutet schreiben, setzen und drucken. Der PC-Hersteller Apple hat in zwei Sätzen zusammengefaßt, worauf es dabei ankommt: "Viele Arbeiten, die Sie bisher aus dem Hause geben mußten, können nun in Ihrem Büro erledigt werden. Sie sind nun nicht mehr länger auf die Termine der Schriftsetzer angewiesen, und sie sparen sich das Hin und Her mit Überarbeitungen, neuen Korrekturfahnen und Korrekturen der Korrekturen."

Bereits die Software kann ein Stolperstein sein

In der Tat ist Desktop-Publishing oder Computer-Aided-Publishing oder auch Corporate-Electronic-Publishing (das Kind hat sehr schnell viele Namen erhalten) in der Anwendung mehr als nur eine Spielerei für Computer-Freaks. Zugleich aber ist mit dieser Technik keine Gefahr für die herkömmliche Drucktechnik bei Tageszeitungen oder Illustrierten entstanden. Denn für die Produktion hochauflagiger, schneller und seitenstarker gedruckter Medien reicht's bei DTP noch lange nicht. Da mögen bei manchen Herstellern die Grenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit verschwimmen: Gleichgültig, ob ein solches Desktop-Publishing-System auf PC-Basis aufgebaut ist oder an einem Mainframe hängt - bereits die Software setzt die ersten Hürden. Und sollten auch komfortable Programme wie Superpage manches möglich werden lassen, beim Ausgabemedium, beim Laserdrucker also, fangen die Probleme wieder an.

"Unser Laserdrucker 2300 Modell 2 produziert pro Minute 200 Seiten. Das ist ein Top-Wert. Aber", fragt Herbert Hess, Marketingleiter beim Siemensbereich Laserdrucker, "was ist das schon bei hochauflagigen und seitenstarken Tageszeitungen." Der 43jährige Spezialist will da "lieber ganz ehrlich sein". Es habe doch keinen Sinn, "hier Anwendungen zu propagieren, die unter entsprechendem Zeitdruck einfach nicht zu realisieren sind". Darum will Hess auch ganz klar eine Grenze für DTP setzen: "Bei einer Auflage von 5000 Exemplaren ist im Moment Schluß."

Bei Siemens mögen ohnehin auf diesem Gebiet die Uhren etwas anders gehen als beim großen Heer der DTP-Anbieter. Denn der Münchener Multi bietet nur Laserdrucker für Großcomputeranlagen an. Da kostet ohnehin jede Maschine ein Vielfaches dessen, was bei anderen Herstellern für ganze Anlagen hingelegt werden muß. Zwar denke man derzeit im Konzern über kleinere Laserdrucker nach, "doch in diesem Anwendungsbereich werden wir immer in der mittleren Datentechnik oder darüber bleiben." So zählt Siemens auch nur noch Xerox, IBM und BASF zu seinen Mitbewerbern, die zusammen etwa 70 Prozent des Marktes für Geräte dieser Größenklasse (rund 15 000 Installationen weltweit) halten.

Einstimmigkeit herrscht unter den Herstellern in den realistischen Anwendungsbereichen. Da gehören "Mitarbeiterzeitschriften der Firmen" (Renate Knüfer, Public-Relation-Managerin bei Apple Computer) ebenso dazu wie "Rundschreiben, also Textbausteinverwaltung" (Frank Sax von der Firma S.A.X. in Karlsruhe), wie "Vereinszeitungen" (Dr. Hans Riedl, Leiter der Software-Support-Abteilung bei Atari) oder auch "Taschenbücher" (Herbert Hess von Siemens). Mithin also Produkte, die von der Präsentation her aufwendig gemacht sein können, aber beim Faktor Zeit und Masse im machbaren Rahmen bleiben.

Machbar bedeutet bei Arbeitsplatz-Laserdruckern eine Kapazität von etwa 40 Seiten pro Minute. Das genügt für die meisten Anwendungen vollends. In der Mehrzahl bleiben die gängigen Drucker für Personal Computer noch weit unter dieser Zahl Hewlett-Packard zum Beispiel gibt für seinen Laserjet acht Seiten pro Minute an, unterteilt aber zugleich ganz korrekt die Anwendungen beim Desktop-Publishing in fünf Stufen, um damit auch die Anforderungen an den Drucker darstellen zu können. So unterscheidet HP zwischen "gehobene Textverarbeitung", "anspruchsvolle Dokumenterstellung", "höherwertige Dokumentgestaltung", "Unternehmenspublikation" und "kommerzielles Publizieren". Bei letzterem wird ganz eindeutig festgehalten, daß es sich hierbei um eine Dienstleistung am Markt handle. Und weil "hier Produktionseffizienz und Flexibilität hinsichtlich der Kundenanforderung absoluten Vorrang haben vor der Einfachheit, mit der diese Systeme zu bedienen sind, wird sich dieser Markt auch in Zukunft nur an den professionellen Drucker wenden". Als Grund gibt HP das "Fehlen von Standards und Hard- und Software, die diesen Anforderungen genügen" an. Zu einem ähnlichen Schluß kommt auch der 27jährige Firmenchef Frank Sax aus Karlsruhe. Der Software-Fachmann vermißt ebenfalls den "richtigen Standard". Das dies so sei, liege wohl auch daran, "daß IBM im PC-Desktop-Publishing noch nicht angetreten ist". Dies habe zudem zur Folge, daß sich zu viele "kleine Anbieter in einem Marktsegment herumtreiben, das von der Stückzahl her viel zu klein ist."

Sax gliedert den Anforderungskatalog beim DTP neben den fehlenden Standards in drei Bereiche: Zum einen müßten im Idealfall Bildschirme 2000 Pixel und Laserdrucker 1,1 Millionen Pixel aufweisen. Dann ist ihm die Schriftenauswahl (Fotosatz verfügt über bis zu 5000 Schriften) noch zu gering. "Ohne großen Aufwand nur 20 Schriften zu erhalten, ist einfach zuwenig." Als letzten Punkt kritisiert er die recht hohe Ausfallrate selbst bei kompatiblen Anlagen. "Wer DTP plant, sollte nur ein zusammenhängendes System kaufen. Software und Hardware müssen genau aufeinander abgestimmt sein. Da sind für 15 000 bis 18 000 Mark vernünftige Anlagen auf PC-Basis zu erhalten, mit denen man auch gute Sachen machen kann."

Der Knackpunkt beim Desktop-Publishing ist neben der Software vor allem der Raster-Image-Prozessor (RIP). Dieser RIP teilt dem Laser mit, welche Pixel (Schwarzpunkte) er setzen soll und welche nicht. Dazu muß er aber vorher vom Personal Computer die Zeichencodes erhalten, die er in eine Bitmap umsetzt und als Information, wo Punkte gesetzt werden sollen, an den Laser weiterleitet. Dazu benötigt er wiederum Schriften, die sich in seinem ROM- und RAM-Speicher befinden. Dabei unterscheidet er zwischen verschiedenen Schriftarten und -größen und positioniert jedes einzelne Zeichen und jede Linie exakt auf der Seiten-Bitmap. Da können dann aber die Ausfälle auftreten, die Sax auf schlecht abgestimmte Systeme zurückführt. "Das Ergebnis ist, daß bei kompatiblen Geräten durchaus der eine Drucker 500 Linien produziert, während der andere nur spärliche zwei schafft."

Laserdrucker haben noch nicht die nötige Reife

Derzeit liegen die Anforderungen an die Drucker im Desktop-Publishing in der Textverarbeitung, speziell wenn eine Vielzahl an Schriften, Schriftgrößen und Schriftvarianten gefordert ist. Außerdem eignen sich die Laserdrucker in Verbindung mit DTP zur wissenschaftlichen Textverarbeitung und der Erstellung von Druckvorlagen. In diesem Fall ist es notwendig, die bestehende Textverarbeitungssoftware um Zusatzprogramme zu ergänzen, die den Ausdruck der Texte in Satzqualität ermöglichen. Damit lassen sich Satzkosten einsparen, die Produktion wird schneller und es gibt weniger mögliche Fehlerquellen. Wenn dann, und auch da ist in vielen Bereichen das PC-DTP ein ideales Werkzeug, Dokumente grafisch gestaltet werden sollen, sollte das Augenmerk auf die Fähigkeiten des Benutzers gelegt werden. Zudem erfordert die intensive Verwendung von grafischen Elementen höhere Rechnerleistung, also mehr Haupt- und Plattenspeicherkapazität. Hinzu kommen oft neue Eingabe- und Archivierungssysteme sowie eine erhebliche Verbesserung der Rechner-Drucker-Kommunikation. Da aber, so stellt man bei Hewlett-Packard fest, mangele es noch "auf dem breiten Massenmarkt". Doch wird allgemein damit gerechnet, daß in diesem Jahr "Systeme erhältlich sein werden, die diesem Anspruch gerecht werden".

Die Druckerhersteller haben erkannt, daß sie ihren Lieblingskindern, den Laserdruckern, noch einiges an Know-how verpassen müssen, wollen sie am Desktop-Publishing-Markt partizipieren. Immerhin ist der Bedarf, wenn auch noch nicht so groß wie in den USA, so doch in Europa vorhanden. Wirtschaftsstatistiken errechneten für Unternehmen in der Bundesrepublik allein für gedrucktes Material einen Ausgabenaufwand von 10 Prozent des Umsatzes. Das sind Summen, die schnell die Kosten für ein Desktop-Publishing-System vergessen machen. So ist es auch zu verstehen, daß zum Beispiel Herbert Hess von Siemens den Markt für Laserdrucker ganz eindeutig in den Bereichen Katalogerstellung, Geschäftspapiere, Taschenbücher, Etikettendruck und bei einfarbigen kleineren Publikationen sieht. Die dadurch erzielte "bessere Kontrolle über die Produktion, Senkung der Satzkosten und Produktionszeit, größere Flexibilität und eine relativ geringere Anfangsinvestition", sind für Hewlett-Packard die Vorteile "gegenüber dem traditionellen Satz-Verfahren".

Wolfgang Kühn ist freier Fachjournalist in Feldkirchen/Westerham.