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17.02.1989 - 

Zukunftstechniken arbeiten Hand in Hand:

Desktop-Publishing mit KI-Unterstützung

Dieter Rauch ist Geschäftsführer der Infora GmbH in München.

Um Desktop-Publishing (DTP), vor einem Jahr noch ein Zauberwort der Computerbranche. ist es ruhiger geworden. Die Einbindung von Techniken der Künstlichen Intelligenz (KI) könnte hier neue Möglichkeiten aufzeigen. Der Beitrag von Dieter Rauch* entwirft eine Reihe von Szenarien für die Zusammenarbeit von Desktop-Publishing und Künstlicher Intelligenz.

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf wesentliche Aufgabenstellungen im Bereich des Desktop-Publishing (DTP) und zeigen auf, wie DTP im Zusammenspiel mit Elementen der "Künstlicher Intelligenz " ergänzt werden könnte.

Die Ausführungen repräsentieren eine Mischung aus heute bereits Machbarem und zukunftsorientierter Konzeption. Sie basieren auf einem beliebigen DTP-System sowie einem natürlichsprachlichen und ganzheitlichen System für Wissensverarbeitung und diversen (noch zu entwickelnden) Wissensbasen. Die verschiedenen Skizzen setzen unterschiedliche Reife- und Integrationsgrade der Komponenten voraus.

Transparenz und einfacher Zugang sichern Aktualität

Das primäre Ziel ist, Perspektiven wertfrei zu skizzieren, die sich aus der möglichen Synthese zweiter zukunftsorientierter Disziplinen der Informationsverarbeitung ergeben.

Die wesentlichen Szenarien:

Computergestützte Produktauswahl

DTP im Zusammenspiel mit

- der Computer-Hardware-Welt,

- der existierenden Anwendungswelt,

- einer zukunftsorientierten Systementwicklung.

Erhöhte Produktivität durch

- eine natürlichsprachliche formatfreie Benutzeroberfläche,

- intelligente Hilfestellungen,

- die Transparenz der vefügbaren Ressourcen,

- eine zukunftsorientierte Entwicklung von Dokumentation,

- die Unterstützung bei der Fehlerdiagnose und -behebung.

Für eine effiziente Produktauswahl gilt.: In einer Wissensbasis werden die verfügbaren Systeme hinsichtlich ihrer technischen Merkmale, spezifischen Funktionen und Anwendungsbereiche etc. beschrieben. Diese Wissensbasis könnte zum Beispiel von einem Berater zur Verfügung gestellt werden oder am Markt erhältlich sein. Im Dialog wird der Interessent nun - aufgrund der oben genannten Kriterien - nach seinem Anforderungsprofil befragt.

Aufgrund der nun verfügbaren Informationen ist das System in der Lage, einen Vorschlag zu unterbreiten und hinsichtlich des adäquaten Systems und dessen sinnvollster Konfiguration zu begründen.

Eine wesentliche Aufgabe für die Integration des Systems in die existierende Hardware- und Anwendungswelt ist die Transparenz der verfügbaren Ressourcen, der einfache, weitgehend automatisierte Zugang und die Konvertierung der verschiedenen Datenformate.

Der spezifische Beitrag des wissensbasierten Systems könnte sein:

- die flexible, leicht wartbare Indizierung von Ressourcen (beispielsweise bei zentralen Datenbanken);

- die einfache Beschreibung der jeweiligen Zugriffspfade zu diesen Ressourcen und deren Interpretation;

- der Aufbau der Verbindung und die Beschaffung der Elemente (Daten, Textbausteine, Grafiken und Bilder);

- die flexible (weil wissensbasierte) Übersetzung dieser Daten aus ihrem Quellformat in das Zielformat.

Dokumentationen von Systemen und Produkten sind ein wesentlicher Anwendungsbereich eines DTP-Systems. Die zentralen Kriterien hierbei sind wiederum die Aktualität der Information, der möglichst effiziente Zugang dazu und deren optimale Integration.

Wissensbasierte Systeme ermöglichen - im Rahmen einer objekt- und zielorientierten Vorgehensweise - neue Formen der Entwicklung, die wiederum einen wesentlichen Beitrag zu den vorgenannten Aufgabenstellungen darstellen. Wesentliche Merkmale solcher Entwicklungen mit wissensbasierten Systemen sind die fließenden Übergänge von Zieldefinition über ein (Grob-)Konzept zum (Fein-)Design und - im Bereich der Software-Entwicklung - zum eigentlichen Ergebnis.

Aus der bereits erwähnten Transparenz und dem einfachen Zugang zu den vorhandenen Ressourcen ergibt sich eine hohe Aktualität bei minimalem Aufwand. Ein voll integriertes DTP-System könnte diese Vorteile durch eine gravierende Steigerung der Plastizität ergänzen.

Die vorrangigen Zielsetzungen natürlichsprachlicher Benutzeroberflächen sind, dem Benutzer auf der obersten Ebene den direkten Zugang zum Zielobjekt (Information, Funktion) zu ermöglichen und ihn dabei von der Notwendigkeit zu entlasten, Prozeduren und Abläufe beziehungsweise die Identifikation von Zielobjekten im Gedächtnis vorhalten zu müssen.

Wesentliche Merkmale sind hier freie Formulierung, Fehlertoleranz, Verarbeitung von Umschreibungen, Synonymen und Homonymen sowie Assoziation und Mehrsprachigkeit.

Abhängig vom Integrationsgrad im jeweiligen DTP-System könnte dieses Feature eingesetzt werden für

- die Identifikation von Dokumenten und Bausteinen: Balkendiagramm "Umsatz 1987";

- das Initiieren eines komplexen Ablaufs: hier das Balkendiagramm "Umsatz 1987" dynamisch integrieren;

- den Abruf von (Hilfe-)Informationen: "Was muß ich tun, damit sich der Text den Umrissen des Balkendiagramms anpaßt"?

Das notwendige Wissen für die vorgenannten Anwendungsformen könnte sowohl vom Hersteller des DTP-Systems als auch vom Anwender selbst entwickelt werden.

Darüber hinaus ist zu erwarten, daß sich - bei entsprechender Verbreitung dieser Vorgehensweise - ein Markt für derartige Wissensbasen entwickeln wird.

Eine weitere effiziente Unterstützung des Benutzers zur Ausführungszeit könnte - neben der vorgenannten Natürlichsprachlichkeit - eine wissensbasierte Hilfefunktion sein. Diese basiert auf einer verallgemeinerten Funktion - im Prinzip in jede System- und Anwendungsumgebung integrierbar - und sukzessive ausbaubaren Wissensbasen.

Diese könnten zum Beispiel Wortschatz und Regeln für Rechtschreibung und Silbentrennung enthalten oder aber allgemeines Wissen zur Erklärung von Begriffen, die Beschreibung von Funktion und Verfahren und Anleitungen zur Layoutgestaltung.

Wesentliche (funktionale) Merkmale könnten hierbei sein:

- Die volle Integration in die Verarbeitung: Zu jedem Zeitpunkt kann der Benutzer auf das gesamte verfügbare Wissen in natürlichsprachlicher und differenzierter Weise zugreifen.

- Der kontextabhängige und assoziative Aufruf: Die Identifikation der jeweiligen Informationen würde aus dem Systemstatus abgeleitet werden - abhängig vom Integrationsgrad der Wissenskomponente in das jeweilige DTP-System - oder könnte per frei formulierter Abfrage erfolgen.

- Die etwaige Übergabe der abgeleiteten Infos an das DTP-System (ebenfalls abhängig vom möglichen Integrationsgrad) .

- Der flexible Ausbau durch verschiedene Ressourcen: Nachdem es sich hierbei um allgemeingültiges Wissen handelt, ist denkbar, daß sich in diesem Bereich ein eigener Markt entwickelt. Dieser würde ermöglichen, daß der Benutzer eines DTP-Systems kontinuierlich weitere Wissenselemente zu einem bestimmten Produkt hinzukauft oder aber existierende durch bessere ersetzt. Die Nutzung des jeweiligen Systems könnte so optimiert werden.

Hohe Ergebnisqualität mit wissensbasierten Systemen

Werden die verfügbaren Bausteine einer Dokumentation (Strukturen, Textportionen, Grafiken, Bilder) direkt oder indirekt durch das wissensbasierte System verwaltet, so ergibt sich hieraus ein hohes Maß an Transparenz. Diese führt wiederum zu einer Minimierung des Aufwands und der Verbesserung der Ergebnisqualität.

Die Wirkungsweise: Die einzelnen Elemente werden - aus sich selbst heraus oder explizit - beschrieben und indiziert. Hieraus resultiert die Möglichkeit, das gesuchte und/oder jeweils relevanteste Element sowohl über seine ID, Bezeichnung, Umschreibungen oder detaillierte Merkmale aufzufinden und zu integrieren. Der Vorteil besteht in minimalen Suchzeiten und der Vermeidung von Redundanz.

Ohne hier näher auf die zugrundeliegende System- und Verfahrenstechnik eingehen zu können: In einer zielorientierten und konsequent modularisierten Form entwickelt der Benutzer Schritt für Schritt die Struktur eines Dokuments und füllt diese sukzessive mit den entsprechenden Inhalten auf.

In diesen Prozeß ist das bereits vorhandene strukturelle als auch inhaltliche Wissen in den Wissensbasen voll integriert. Dies ermöglicht es dem Benutzer, sich voll auf die wirklich neuen Teilmengen konzentrieren zu können.

Ein zentraler Punkt bei derart komplexen Systemen und Anwendungen wie DTP ist die Analyse und Behebung von Fehlverhalten im weitesten Sinne: zum Beispiel Systemfehler, falsche Eingaben, falscher Ansatz etc.

Ein wissensbasiertes System kann hier in vielfältigster Weise beitragen - durch die differenzierte Erläuterung von Fehlernachrichten, das Aufzeigen von Lösungsansätzen in spezifischen Problemsituationen oder für bestimmte Zielsetzungen.

Wesentliche Funktionen wären das Hinführen zur Fehlerbeschreibung anhand der Darstellung des Symptoms, zur Ablaufbeschreibung, anhand der Formulierung des Ziels oder zum Eingabewert anhand der Konkretisierung des Sachverhalts. Ressourcen für das erforderliche Wissen könnten der Hersteller von DTP-Systemen sein, aber auch die eigenen Mitarbeiter, die ihre Erfahrungen mit dem System einbringen möchten.