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An der Leistung scheiden sich die Geister


17.11.1989 - 

Desktop Publishing versus Electronic Publishing

Anwender aus neuen Bereichen verlangen zunehmend mehr nach unternehmensweiten Publishing-Lösungen, die bereits in einigen Punkten über das hinausgehen, was die traditionelle Druckindustrie als Dienstleister für die Herstellung von Drucksachen anbieten kann.

Electronic Publishing in einem unternehmensweiten Gesamtkonzept für die Herstellung und Verwaltung von gedruckten Informationen aller Art ist die zukunftsorientierte Entwicklung, die mit DTP nur noch wenige Gemeinsamkeiten hat.

Wo liegen die entscheidenden Unterschiede zwischen DTP und Electronic Publishing? Anwender, die gerade ihre ersten Schritte mit DTP hinter sich gebracht haben, fragen sich, ob Electronic Publishing nur ein neuer Begriff für ein lange bestehendes Verfahren ist oder ob es sich tatsächlich um eine grundlegend neue Anwendung der Computertechnik handelt.

Die Antwort auf diese Frage ist einerseits klar, aber andererseits selbst für Brancheninsider nicht immer eindeutig: Electronic Publishing (EP) hat zwar auf den ersten Blick gesehen mit DTP einiges zu tun, denn als sichtbares Ergebnis werden mit beiden Verfahren Druckvorlagen am Computer erstellt. Electronic Publishing ist aber ein wesentlich umfassenderes Verfahren.

Im Vergleich von DTP und Electronic Publishing lassen sich mehrere grundlegende Unterschiede feststellen. Zum Beispiel sind dies:

1. Art und Umfang der Dokumente

2. Die Anwender und deren Ziele

3. Leistungsfähigkeit der Publishing-Systeme

4. Vorteile für die Anwender

5. Der Arbeitsablauf

6. Die Integration in unternehmensweite Publishing-Systeme

7. Gleiche Informationsquellen für verschiedenartige Dokumente.

Als Electronic Publishing bezeichnet man leistungsfähige Hard- und Softwaresysteme, die besonders im Bereich der Technischen Dokumentation eingesetzt werden.

Art und Umfang der Dokumente

Die Software läuft auf 32-Bit-Workstations oder auf 386er-Rechnern und in Netzwerken, und sie wird für alle Arten technischer Dokumente eingesetzt. Mit EP-Systemen gestaltete Dokumente reichen von Konstruktionsunterlagen über Bauanleitungen bis hin zu Installations- und Bedienungshandbüchern. Dazwischen liegen Montageanweisungen, detaillierte Pläne, Stücklisten, Kalkulationen, Wartungs- und Schulungsunterlagen, die aus den gleichen Informationsquellen in einem Vorgang erstellt werden.

Oft umfassen diese technischen Dokumente mehrere Tausend Seiten (zum Beispiel im Industriebau, chemische oder energietechnische Anlagen, Luftfahrtindustrie). Solche Dokumente enthalten neben Texten auch Konstruktionszeichnungen aus CAD-Programmen, technische Grafiken, -Tabellen, Formeln, Bau- und Montagepläne und gescannte Halbton-Vorlagen.

Diese technischen Dokumente werden unter Zeitdruck oft von einem Autorenteam erstellt und müssen häufig in neuen Fassungen publiziert werden. Zugleich ergibt sich die Notwendigkeit, Dokumentationen zu unterschiedlichen Produkten oder Produktgruppen und oft in verschiedenen Sprachen und Versionen zu verwalten Hieraus resultiert ein hoher und oft unterschätzter Kostenfaktor für die Technische Dokumentation: Bis zu 15 Prozent der Herstellungskosten können auf die Dokumentation zu den Produkten und Anlagen entfallen.

Im Unterschied zu DTP werden Systeme für Electronic Publishing, also für die Herstellung und Verwaltung sehr umfangreicher technischer Dokumente, eingesetzt. DTP dagegen orientiert sich eher am Layout und an der Vorlagenherstellung für kürzere oder gar nur einseitige Dokumente aus den traditionellen Grafik-, Werbe- und Verlagsbereichen.

Anwender und deren Ziele

Anwender soll Electronic Publishing-Systemen findet man überwiegend in Industrie unternehmen sowie in Forschung und Entwicklung, wenig jedoch in den klassischen Anwendungsbereichen des Desktop-Publishing. Oft handelt es sich um ein ganzes Team Technischer Autoren, die Teile der Dokumente an unterschiedlichen Orten erstellen und später über ein Netzwerk elektronisch und automatisch zusammenfügen.

Ziel der Anwender ist die ökonomische Erstellung und Bearbeitung von Dokumenten und Drucksachen für technische Produkte oder Verfahren. Diese Dokumente müssen zeitgerecht und inhaltlich zutreffend (Produkthaftung) erstellt, werden. Sie solle inhaltlich und formal klar gegliedert und für die Leser Verständlich Schrieben sein. Darüber hinaus sollen die gleichen Informationen in jeweils neuer Bearbeitung für unterschiedliche Zwecke verwendet werden.

Anwender von DTP-Systemen Orientieren sich eher auf die typografisch raffiniert gestalteten und ansprechenden Gestaltung. Eine Lücke, in die der gelernte Diplom-Ingenieur Reinhold Knapp schon früh stieß.

Während die DTP-Spezialleistung von Gräfe und Unzer im Textlayout liegt, die von Hesz Satz hingegen in hochwertigen Zeichnungen, integriert Technomedia bei den Handbüchern und technischen Produktinformationen beides, Grafik und Text.

Workstations in unternehmesweiten Netzwerken. Hard- und Software für Electronic Publishing erlauben es, daß mehrere Autoren an den gleichen Dokumenten arbeiten, wobei es erforderlich ist, daß die Software hardwareunabhängig auf Rechnersystemen unterschiedlicher Hersteller läuft.

Leistungsfähigkeit der Publishing-Systeme

Für DTP gibt es inzwischen eine Vielzahl von Software-Produkten für unterschiedliche Anwendungen, die im besten Falle miteinander korrespondieren. Software für Electronic Publishing dagegen bietet dem Anwender ein einziges integriertes Softwareprodukt, mit dem er alle Aufgaben erledigen kann: Texterfassung und -bearbeitung, Gestaltung nach typografischen Grundsätzen und nach dein Wysiwyg-Prinzip, Erstellung von Tabellen, Geschäftsgrafiken, Formeln und technischen Zeichnungen.

Leistungsfähige Systeme für Electronic Publishing kombinieren die manuell orientierten Gestaltungsmöglichkeiten des DTP nach dem Wysiwyg-Prinzip mit den dokumentorientierten und automatisch durchgeführten Gestaltungsabläufen professioneller Schriftschatz-Systeme.

Die Software für Electronic Publishing fungiert darüber hinaus als Zentrum für alle wesentlichen Gestaltungsoperatione, die zur Eingabeseite hin offen zu anderen Softwareprodukten gestaltet ist. Wichtig ist dabei, daß herstellerspezifische Filter zu CAD-, Datenbank-, Grafik- und Kalkulationsprogrammen namhafter Anbieter entwickelt Dateien aus diesen Programmen können problemlos über Standardschnittstellen in die Publishing-Sofware eingelesen werden.

Die Filter zu Softwareprodukten anderer Hersteller eröffnen folgende Möglichkeiten für die Anwender:

Übernahme von CAD-Zeichnungen, Vektorisierung von Rastergrafik, Übernahme von Texten verschiedener Formate, Dateikonvertierung, Nutzung von Datenbanksystemen, Halbtöne editieren, Datenretrival, Gramatikprüfung und vieles mehr.

Daten anderer Programm müssen über Standardschnittstellen importiert werden können. Für Grafikdaten unterstützt eine leistungsfähige Publishing-Software folgen Schnittstellen: HPGL (Hewlett-Packard Graphic Language), IGES (Initial Graphics Exchange Standard), SGML (Standard Generalized Markup Language), CGM (Computer Graphics Metafile), CCITT/4 (Übertragungsprotokoll für Rasterbilder), Cal-Comp 925/960, EPS (Encapsulated Postscript-Format), TIFF (Tagged Image File Format) und andere mehr.

Für das Importieren von Textdaten unterstützt die Software für Electronic Publishing die folgenden Textformate: Ascii, Digital DX, Displaywrite, Macwrite, Microsoft Word, Multimate, nroff/troff, SGML, Scribe, Wang, WordPerfect, WordStar und Xerox 860. Darüber hinaus sollte die EP-Software über eine sogenannte Desktop Command Language verfügen, mit der Prozesse weiter automatisiert und externe Programme aus der Publishing-Software heraus aufgerufen werden können.

Von diesem Leistungsstandard sind sämtliche DTP-Systeme weit entfernt. Diese Standards und die Flexibilität moderner Publishing-Systeme zeigen jedoch zugleich, daß die Möglichkeiten der traditionellen Satzhersteller in der Druckindustrie heute bereits übertroffen werden.

Vorteile für die Anwender

Die Vorteile für die Anwender ergeben sich aus der Leistungsfähigkeit der Publishing-Systeme. Sie liegen in der "Anwendung-Technische Dokumentation" in folgenden Bereichen: unternehmensweite Lösung für die Herstellung und Verwaltung umfangreicher Dokumente, direkte Übernahme von Dateien aus Programmen von Drittanbietern, Unterstützung von Standardschnittstellen und Ausgabeformaten, Zeitersparnis, erhöhte Rentabilität, Kosteneinsparungen um bis zu 50 Prozent, mehr Übersicht durch automatische Verwaltung der Dokumente und größere Flexibilität bei der Erstellung neuer Dokumentversionen aus bestehenden Daten.

Auch hier zeigen sich im Vergleich zum DTP-Vorteile für die Anwender, die über den Einsatz von Desktop Publishing nicht erreicht werden können.

Mit Electronic-Publishing-Systemen arbeiten Anwender dokumentorientiert. Im Gegensatz zum DTP, das überwiegend seitenorientiert vorgeht und besonders für kürzere Dokumente mit stark variierendem Layout geeignet ist, haben EP-Systeme ihre Stärken bei der Gestaltung längerer Dokumente mit standardisiertem Layout. Mit nur wenigen Befehlen sind Satzspiegel, Spaltenanzahl, Schriften oder die Positionierung von Grafiken zu ändern.

Beim Electronic Publishing werden typografische Definitionen für einzelne Abschnitte oder ganze Dokumente nur einmal angegeben. Aus Editoren eingelesene Texte, Grafiken, CAD-Konstruktionszeichnungen oder Tabellen und Formeln passen sich diesen Definitionen automatisch an.

Das gesamte Layout eines Dokumentes kann mit Electronic Publishing zentral gesteuert werden.

EP-Software läßt sich in unternehmensweite Konzepte und Netzwerke für die Erstellung und Verwaltung von Dokumenten einbeziehen. Über solche Publishing-Systeme, die verbreitete Standardschnittstellen unterstützen, können Dokumente nicht nur bearbeitet und verwaltet, sondern auch verteilt werden. Auf diese Weise sind alle benötigten Dokumente - bis hin zu Präsentationen, Schulungsunterlagen und Geschäftsberichten - aus nur einer Datenbasis zu erstellen.

Leistungsfähige Systeme für Electronic Publishing unterstützen alle verbreiteten Formen von Computernetzwerken.

Gleiche Quellen für verschiedene Dokumente

Ein besonderes Merkmal von Electronic Publishing ist, daß Dokumente für unterschiedliche Zwecke aus der gleichen Informationsbasis erzeugt werden können. Es handelt sich dabei einmal um aktualisierte Versionen bereits einmal erstellter Dokumente ("revision cycles"). Darüber hinaus können aus der gleichen Datenbasis zum Beispiel Konstruktions- und Montageunterlagen ebenso erstellt werden wie Kataloge für Endkunden oder Geschäftsberichte.

Hier liegen besondere Rationalisierungsmöglichkeiten, die in diesem Umfang mit DTP-Systemen nicht zu realisieren sind. Nach Untersuchungen sind heute bereits mehr als 55 Prozent aller Berufe damit beschäftigt, Informationen zu sammeln, zu bearbeiten und weiterzugehen. Electronic Publishing als unternehmensweites Konzept zur kostengünstigen Verwaltung und Bearbeitung gedruckter Information liegt genau im Trend der derzeitigen Entwicklung.