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23.08.2005

Desktop-Tool macht Google schlau

Google Desktop 2.0 und neue Aktien fördern Gerüchte über Expansionspläne des Suchmaschinenprimus.

Bereits die Ankündigung einer Desktop-Suchmaschine vor mehr als einem Jahr veranlasste viele Marktbeobachter zur Einschätzung, dass Google damit das Microsoft-Monopol angreifen wolle. Die Betaausführung von Google Desktop 2.0 bestärkt besonders amerikanische Analysten in dieser Interpretation. Die neue Ausgabe kombiniert die PC-Suche mit der bisher separat erhältlichen "Deskbar". Das Ergebnis ist nach Googles Vorstellung eine Informationszentrale für Windows, die Daten aus verschiedenen Quellen unter einer Oberfläche zusammenführt.

Features von Google Desktop

E-Mail: Der Eingangsordner von Mail-Systemen, darunter auch von Googles eigenem "Gmail", lässt sich in die Desktop-Leiste einblenden. Das Applet enthält Filteroptionen, um bestimmte Nachrichten zu überspringen.

News: Google Desktop zeigt in einem eigenen Abschnitt aktuelle Schlagzeilen an. Das Tool orientiert sich an den Nutzungsgewohnheiten des Anwenders und versucht die Auswahl der Inhalte an dessen Interessen anzupassen.

Wetter: Ein weiteres Plugin kann die Prognosen für mehrere Orte gleichzeitig anzeigen. In der Betaversion beschränkt sich die Auswahl auf amerikanische Städte.

Fotos: Bei Angabe von lokalen Bildordnern oder solchen im Web veranstaltet das Utility eine Dia-Schau im Miniaturformat.

Börsenticker: Auch Googles Schaltzentrale enthält die unvermeidliche Laufschrift mit aktuellen Aktienkursen. Dieses Applet fügt die Papiere jener Firmen automatisch hinzu, deren Kurse der Anwender im Web nachschlägt.

RSS-Aggregator: Unter "Web Clips" können RSS-Feeds abonniert werden. Das Tool unterstützt auch das Atom-Format. Es sammelt automatisch die Nachrichtenkanäle aller besuchten Websites.

Notizblock: Diese Anwendung dient als elektronischer Ersatz für selbstklebende Notizzettel. Einträge werden automatisch gespeichert.

Quick View: Liste häufig besuchter Websites und geöffneter Dateien. Besonders wichtige Einträge können dort fixiert und bei Bedarf per Mausklick abgerufen werden.

Quick Find: Das Fenster zur Desktop-Suche von Google, aus der heraus nun auch gefundene Programme direkt gestartet werden können.

Das Konzept von Google Desktop gleicht jenem von Portalen. Die Windows-Erweiterung bietet ein Rahmenwerk, in das sich Miniprogramme einklinken lassen. Der Benutzer kann Applets entfernen oder hinzufügen und so das Aussehen der Windows-Leiste nach eigenem Geschmack gestalten. Zum Lieferumfang des Google Desktop gehört eine Reihe solcher Plugins (siehe Kasten "Features von Google Desktop"). Zusätzlich ermuntert das Unternehmen externe Entwickler, mit Hilfe eines frei verfügbaren Werkzeugkastens ("Plug-in Development Kit") eigene Erweiterungen für die Windows-Leiste zu schreiben.

Für professionelle Anwender eröffnen sich damit interessante Möglichkeiten. Sie können etwa Informationen aus Legacy-Anwendungen oder firmeneigenen Datenbanken in diese Informationszentrale einbinden. Solchen Kunden bietet Google eine eigene "Enterprise Edition" an, die sich durch Sicherheitsfunktionen von der Consumer-Variante unterscheidet und zusätzlich die Möglichkeit zur zentralen Konfiguration und Installation bietet. Aufgrund einer Kooperation mit der IBM kann diese Version auch Datenbanken unter Lotus Notes durchsuchen. Auch diese Profi-Ausführung ist kostenlos, bei Bedarf offeriert Google allerdings einen kostenpflichtigen Support.

Nutzergewohnheiten im Visier

Einige der von Google mitgelieferten Applets zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich auf Verhalten und Interessen des Anwenders einstellen. So registriert die Desktop-Erweiterung jeden Aufruf einer Web-Seite und ermittelt daraus ein Benutzerprofil. Im einfachsten Fall sammelt das Plugin "Quickview" die Adressen der am häufigsten besuchten Sites, die dann per Mausklick ohne Umwege geöffnet werden können. Raffinierter geht der Börsenticker zu Werke. Er bemerkt, wenn sich der Anwender im Web über den Kurs eines Unternehmens informiert. Dieses Utility fügt dann die betreffende Aktie automatisch in die Liste der beobachteten Papiere ein. Ähnliches gilt für die integrierten Nachrichten- und Schlagzeilenservices, die sich ebenfalls an den Gewohnheiten des Benutzers ausrichten.

Die damit einhergehende Bequemlichkeit bezahlt der Anwender mit der Preisgabe seiner Interessen und Vorlieben. Google versichert aber in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich, dass die gewonnenen Informationen anonym übertragen werden. Außerdem können Benutzer diese fortgeschrittenen Funktionen deaktivieren und damit verhindern, dass Google Profile erstellen kann - allerdings um den Preis eines reduzierten Gebrauchwerts.

Für Google, dessen Geschäft von relevanten Suchergebnissen und kontextabhängigen Werbeanzeigen abhängt, dürfte dieser Aspekt seiner Desktop-Ambitionen wesentlich wichtiger sein als der immer wieder beschworene Kampf gegen Microsofts Dominanz bei PC-Software. Angesichts der zunehmenden Täuschungsmanöver durch Webmaster ("Suchmaschinen-Spam") gilt es als wahrscheinlich, dass Google für die Relevanzberechnung von Seiten verstärkt auf Daten zurückgreift, die es durch seine Desktop-Tools gewinnt. Sie geben etwa Hinweise auf die Zahl der Seitenabrufe, so dass Inhalte auf stärker frequentierten Seiten in den Suchergebnissen bevorzugt werden könnten. Ähnliche Absichten verfolgen offenbar auch die Konkurrenten Yahoo und MSN, die wie Google den Anwendern ihre Browser-Toolbars regelrecht aufdrängen. Das Wissen um die Popularität bestimmter Interessengebiete dürfte Google zudem bei seinem Anzeigengeschäft von Vorteil sein.

Einstieg in die IP-Telefonie

Angesichts der Funktionsfülle in Googles Desktop-Tools vermissen Beobachter eine Komponente, die bei den Konkurrenten schon lange zum Repertoire gehört. Es handelt sich dabei um Instant Messaging, also Dienste für Chats, Anzeige des Online-Status anderer Nutzer, Dateitransfer oder auch Sprachübertragung. Die Gerüchte über einen bevorstehenden Google Messenger reißen seit Monaten nicht ab. Die "New York Times" berichtet nun, dass ein Google-Server ausfindig gemacht worden sei, der das offene "Jabber"-Protokoll spreche.

Zusätzliche Nahrung erhalten solche Spekulationen durch die Ausgabe neuer Google-Aktien, die dem Suchmaschinenprimus vier Milliarden Dollar in die Kassen spülen sollen. Nachdem das Unternehmen ohnehin schon über drei Milliarden Dollar liquide Mittel verfügt, rätselt die Branche über die Absichten der Kalifornier. Ovum-Analyst Richard Holway erwartet wie viele andere Beobachter Googles Einstieg in den Markt für Echtzeitkommunikation und Internet-Telefonie. Er tippt darauf, dass die Firma den erfolgreichen VoIP-Anbieter Skype übernehmen könnte. Dafür spricht, dass der Medienmogul Ruppert Murdoch erst kürzlich an der Übernahme von Skype gescheitert ist. Er bot dafür drei Milliarden Dollar, Google könnte dank der Emission von zusätzlichen Aktien dieses Angebot übertreffen.