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29.09.1995

Desktop-Vernetzung/Der Irda-Standard ermoeglicht guenstige Geraeteverbindungen Infrarot statt Kabelsalat: Bequemer ist es auf jeden Fall

Von Thomas Hertel*

Neu ist Datenuebertragung per Infrarot nicht gerade, sie wurde bereits vor mehr als zehn Jahren erstmals realisiert. Doch erst jetzt scheint sie sich zu einer Alternative zur draht- oder glasfasergebundenen Uebertragung zu entwickeln. Aber gibt es Licht ohne Schatten?

Treibende Kraft hinter den neuen Entwicklungen ist das Beduerfnis der Anwender mobiler Systeme, Daten mit stationaeren PCs und lokalen Netzen auszutauschen oder auch nur schnell und einfach auf einen stationaeren Drucker zugreifen zu koennen. Auch das wesentliche Hemmnis fuer die Entwicklung des Infrarotmarkts - naemlich das Fehlen eines allgemein akzeptierten Standards - ist mittlerweile nicht mehr gegeben.

Mit Irda, benannt nach der Infrared Data Association, steht heute ein international anerkannter Standard zur Verfuegung, der eine preisguenstige Integration von Infrarotverbindungen in mobile wie stationaere Systeme erlaubt. Bei der Grossserienproduktion von DV- Geraeten wuerde die Erweiterung um Irda-Hardware nur rund fuenf Mark pro Einheit kosten. Da sie ausserdem sehr wenig Platz beansprucht, wird es vor allem fuer die Hersteller von Notebooks interessant, ihre Systeme standardmaessig mit Infrarotverbindungen auszuruesten.

Waehrend sich erste Irda-Implementierungen noch in Feinheiten unterschieden, ist der Standard mittlerweile stabil. Somit ist die Interoperabilitaet zwischen Irda-Systemen unterschiedlicher Hersteller gewaehrleistet.

Natuerlich kann die Datenuebertragung ueber Infrarot kaum die Zuverlaessigkeit und vor allem nicht die Geschwindigkeit lokaler Netzwerke erreichen. Wer staendig groessere Datenmengen mit einem Server oder anderen Workstations austauschen muss, wird auch in naher Zukunft auf seine Docking-Station mit einer entsprechenden Netzwerkkarte nicht verzichten koennen.

Mit 115 Kbit/s Uebertragungsgeschwindigkeit sind Irda-Loesungen jedoch hervorragend fuer den gelegentlichen und unkomplizierten Datenaustausch geeignet. In den USA gibt es deshalb und wegen der geringen Implementierungskosten bereits Stimmen, die Irda eine aehnliche Verbreitung wie der seriellen Schnittstelle vorhersagen.

Wie jeder Standard stellt auch Irda einen Kompromiss dar. So ist die theoretisch moegliche Uebertragungsgeschwindigkeit nicht voll ausgereizt: Man moechte die Komplexitaet und damit die Kosten so gering halten, dass Irda wirklich auch fuer den Massenmarkt attraktiv werden kann.

Das Irda-Interface basiert letztlich auf dem von der seriellen Schnittstelle bekannten Prozessorbaustein Universal Asynchronous Receiver/Transmitter (UART), der auch fuer die Limitierung der Uebertragungsgeschwindigkeit sorgt. Elektrisch unterscheidet sich ein Irda-Port fuer den Prozessor daher nicht von einer seriellen Schnittstelle.

Drei Protokolle fuer Verbindung und Transport

Auf der Protokollebene gibt es dagegen deutliche Unterschiede, die vor allem durch den drahtlosen Charakter der Infrarotverbindung bedingt sind. Der Irda-Standard kennt drei Protokolle, die fuer den Aufbau einer Verbindung und die Datenuebertragung verantwortlich sind.

Das Infrared Link Access Protocol (IrLAP) uebernimmt den Auf- und Abbau der Verbindung und ueberwacht diese waehrend ihres Bestehens. Dieses Protokoll lehnt sich an HDLC an, ein Halbduplex-Protokoll, das spezifisch fuer drahtlose Umgebungen entwickelt wurde.

Auf IrLAP setzt das Infrared Link Management Protocol (IrLMP) auf, das die verfuegbaren Dienste, etwa Drucken oder Faxen, sowie die hoeheren Protokolle wie Postscript, Druckertreiber oder Filetransfer-Protokolle verwaltet.

Mit dem Infrared Transport Protocol (IrTP) steht schliesslich ein Protokoll zur Verfuegung, das auch multiple Datenstroeme ueber nur eine Infrarotverbindung ermoeglicht. So laesst sich beispielsweise ein Druckauftrag absetzen und gleichzeitig elektronische Post vom Server laden.

Von Betriebssystemen noch nicht unterstuetzt

Derzeit unterstuetzt noch kein PC-Betriebssystem standardmaessig die Uebertragung ueber Infrarot. Zwar hat Microsoft angekuendigt, dass es Irda-Treiber in Windows 95 integrieren wird, der Zeitpunkt ist aber noch unklar.

Wer heute Infrarottechnologien einsetzen will, findet jedoch dem Datei-Manager von Windows 3.x nachempfundene Applikationen von Herstellern wie Puma Technologies, die eine einfache Datenuebertragung per Drag and drop gestatten. Diese Software hat sich mittlerweile als Quasistandard durchgesetzt und liegt in OEM- Versionen den meisten Irda-tauglichen Systemen bei.

Leider ist es meist noch unumgaenglich, solche Softwarepakete als eigene Applikationen zu betreiben. Es wird jedoch an der Integration in andere Anwendungen gearbeitet. Ziel ist es, die Infrarotuebertragung aehnlich wie bei Faxloesungen direkt aus Applikationen wie Word anstossen zu koennen.

Irda gehoert bei vielen Notebooks und PDAs der juengsten Generation bereits zur Standardausstattung. Auch manche Drucker, zum Beispiel der Laserjet 5 von Hewlett-Packard, unterstuetzen die Infrarotuebertragung inzwischen.

In stationaeren Systemen dagegen ist Irda praktisch noch nicht anzutreffen, da sich - insbesondere bei Tower-Gehaeusen unter dem Schreibtisch - kaum ein geeigneter Platz fuer den Einbau des Senders und des Empfaengers finden laesst. Fuer solche Systeme gibt es jedoch externe Loesungen von Herstellern wie Adaptec, die ueber die serielle Schnittstelle angeschlossen und auf dem Schreibtisch plaziert werden.

Da es zudem nicht jedermanns Sache ist, sich wegen der Moeglichkeiten der Infrarotuebertragung gleich ein neues Notebook zuzulegen, hat Adaptec auch einen kleinen Sender/Empfaenger entwickelt, der sich aehnlich wie ein Dongle einfach auf die serielle Schnittstelle eines vorhandenen Portables aufstecken laesst. Wie viele andere Hersteller hat auch Adaptec die Puma- Software lizenziert und legt sie den Infrarotprodukten bei.

Solche nachruestbaren Infrarotloesungen eignen sich vor allem fuer die unkomplizierte Uebertragung von Dateien zwischen Notebooks und Desktop-PCs. Ueberdies lassen sich damit temporaere oder dauerhafte drahtlose Verbindungen zwischen solchen Systemen und Peripheriegeraeten wie Druckern, Modems und Faxgeraeten herstellen. Noetig sind dazu lediglich je ein Adapter und die Irda-Software.

Derzeit gibt es verschiedene Ansaetze, die Geschwindigkeitsbeschraenkungen von Irda aufzuheben und diesen Standard dadurch auch fuer die Uebertragung grosser Datenmengen attraktiv zu machen. Es gibt zwei Vorschlaege fuer Hochgeschwindigkeitsstandards, die Uebertragungsraten im Megabit- Bereich vorsehen.

So arbeitet die Infrared Data Association an der Definition eines Standards fuer 1,1 und 4 Mbit/s Uebertragungsgeschwindigkeit, in den zwei urspruenglich sehr unterschiedliche Vorschlaege einfliessen werden. Eine 10-Mbit/s-Variante ist ebenfalls im Gespraech, wird sich aber nach heutigem Stand voraussichtlich nicht durchsetzen. Gegenueber der Loesung mit 1,1 und 4 Mbit/s hat sie den Nachteil, dass sie nicht abwaertskompatibel zum derzeitigen Irda-Standard mit 115 Kbit/s ist.

Aufgrund der geringen Kosten fuer die Implementierung einer Irda- Loesung sind die Einsatzgebiete nicht auf die Uebertragung von Daten zwischen Notebook und stationaerem PC beschraenkt. So gibt es in den USA bereits Projekte, oeffentliche Telefone mit Irda-Ports auszustatten, um eine einfache Datenuebertragung ueber grosse Entfernungen zu ermoeglichen. Denkbar sind auch oeffentliche Irda- Drucker in Konferenzzentren, die den schnellen und unkomplizierten Ausdruck von Notebook-Dateien erlauben sollen.

Weite Einsatzbereiche tun sich zudem in der Wartung technischer Geraete auf - ob es sich nun um Kopierer, die Autoelektrik oder um komplexe Produktionsmaschinen handelt. Wenn solche Geraete mit einem Irda-Port ausgestattet sind, koennte ein Wartungstechniker relevante Daten problemlos in sein Notebook uebernehmen und mit seiner Analysesoftware verarbeiten. Dann waere es nicht mehr noetig, voluminoese Koffer mit zig Spezialkabeln und Steckern durch die Werkhallen zu schleppen.

*Thomas Hertel ist Geschaeftsfuehrer der Prolog Public Relations GmbH in Muenchen