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29.09.1995

Desktop-Vernetzung/Peer-to-peer-Networking als Alternative Es muss nicht immer eine teure Client-Server-Umgebung sein

Client-Server-Netzwerke werden landlaeufig seit einigen Jahren als die beste Loesung fuer vernetztes Computing propagiert. Dem kann man nur zustimmen, wenn es sich um eine grosse Anzahl von Rechnersystemen handelt, die miteinander kommunizieren sollen. Viele Unternehmen und Betriebe kommen allerdings mit einem weit unkomplizierteren, weniger wartungsintensiven Netzwerkkonzept aus: dem Peer-to-peer-Netz. Georg Kronawitter* erlaeutert anhand einiger technischer Betrachtungen diese These.

In den Industriestaaten arbeitet mehr als die Haelfte aller Beschaeftigten in kleinen bis mittleren Betrieben mit unter 100 Mitarbeitern. Auch die Unternehmen jedweder Branche bis hin zum Handwerksbetrieb mit vier oder fuenf Mitarbeitern koennen mittlerweile nur dann dem steigenden Konkurrenzdruck und den wachsenden administrativen Aufgaben die Stirn bieten, wenn sie auf entsprechendes elektronisches Equipment aufruesten.

Administrative Aufgaben erfordern Vernetzung

Dabei reicht es keineswegs mehr aus, den PC als bessere Schreibmaschine zu nutzen; vom einfachen Brief ueber Kalkulationen bis hin zum elektronischen Austausch von Buchhaltungsdaten wird alles rechnergesteuert bearbeitet.

Die aufgrund dieser Entwicklung unvermeidliche Existenz von mehr als einem PC im Unternehmen laesst frueher oder spaeter die Notwendigkeit zur Vernetzung aufkommen. Und hier beginnt die Krux der elektronischen Datenverarbeitung. Wenn bei einem Stand-alone- Desktop das einzige Problem die regelmaessige Datensicherung ist, so ergeben sich bei Netzwerken zusaetzliche Schwierigkeiten: Angefangen von der Entscheidung, welche Netzwerktopologie die geeignete ist, bis hin zu der Frage, wer die neu hinzugekommenen, erheblich komplizierteren administrativen Aufgaben uebernehmen soll.

Client-Server-Netz scheitert an der Wartung

Es ist leicht einzusehen, dass ein Betrieb mit vier Mitarbeitern es sich finanziell kaum leisten kann, einen eigenen Systemadministrator zu beschaeftigen. Ein Client-Server-Netz erfordert aber fachkundige, regelmaessige Wartung. Dies uebernimmt entweder der "Computerfreak" des Betriebs oder ein Teilzeit- Systemverwalter. Die Ergebnisse sind entsprechend: Die DV wird nicht zur Entlastung, sondern zur Last.

Eine Alternative zum relativ komplizierten Client-Server-Netz ist das Peer-to-peer-Networking. Das hier verwendete Konzept ist relativ einfach. Jeder PC verfuegt im Prinzip ueber jede benoetigte Applikation. Dabei hat er direkt ueber eine Netzwerkverbindung Zugriff auf die Daten und Drucker jedes anderen PCs. Dabei ist jeder Rechner im Netz ein gleichwertiger Knoten. Dieses Netzwerkkonzept ist das erste, das fuer PCs entwickelt wurde, und bleibt bis heute bei kleinen bis mittleren LANs ohne grosse Performance-Anforderungen meist die bessere Alternative. Vorteile sind die erheblich geringeren Wartungsanforderungen sowie die geringere Anfangsinvestition, da kein dedizierter Server benoetigt wird.

Vergleicht man die Schluesselfunktionen eines Peer-to-peer- Netzwerks mit denen eines reinen Netzwerk-Betriebssystems oder eines netzwerkfaehigen Betriebssystems, wird man feststellen, dass Peer-to-peer-LANs keinesfalls auf wichtige Netzwerkfunktionen verzichten (siehe Tabelle). Allerdings muss eine Beschraenkung bezueglich der moeglichen Anzahl der Netzwerkknoten in Kauf genommen werden.

Je nach Performance-Anforderungen und Netzverkehr ist jenseits von 50 Netzwerkknoten der Einsatz eines Client-Server-Systems unumgaenglich.

Fuer kleine PC-LANs ist also der Peer-to-peer-Ansatz der preiswertere und unkompliziertere. Der einfachste Weg waere, Microsofts Netzwerk-Grundfunktionen von Windows for Workgroups oder Windows 95 zu nutzen. Doch eine detaillierte Betrachtung zeigt, dass der weltgroesste Softwarehersteller nur wenig Ambitionen in Sachen ausgefeiltes Peer-to-peer-Networking zeigt. Windows for Workgroups 3.11 bietet beispielsweise keinen Treiber fuer den Anschluss an Netware-Netze, weniger Sicherheitsfunktionen als entsprechende Produkte anderer Peer-to-peer-Anbieter und ist last, but not least erheblich teurer.

Peer-to-peer-Ansatz ist weniger kompliziert

Wie sieht nun der Einsatz eines Peer-Netzes in der Praxis aus? Das Muenchner Unternehmen Thermoplan GmbH benutzt das Peer-to-peer- Netzwerk "Lantastic 6.0" des amerikanischen Herstellers Artisoft. Zwoelf PCs wurden im Buero von Thermoplan miteinander vernetzt, wobei zwei Rechner permanent fuer den reinen Bueroverwaltungsbetrieb im Sekretariat zur Verfuegung stehen.

Die fuer das Unternehmen wichtigste Funktion ist die Moeglichkeit, dass saemtliche Sekretariatsarbeiten diskettenlos von jedem PC aus erledigt werden koennen. Thermoplan umgeht damit das periodisch auftretende Problem von Arbeitsstau im Sekretariat bei dringenden Projektarbeiten.

Peer-typisch fuer diese Arbeitsweise ist, dass alle fuer die Arbeit noetigen Vorlagen wie zum Beispiel DOT-Dateien von MS-Winword an jedem PC einheitlich zur Verfuegung stehen, ohne dass ein dedizierter Server erforderlich ist, der alle Daten fuer alle Clients vorhaelt. Die jeweiligen Netzwerkknoten-PCs greifen einfach auf denjenigen der anderen Knoten zu, auf dem gerade die gewuenschten Daten liegen. Werden in Dateien Aenderungen gemacht, stehen sie sofort allen Zugriffsberechtigten zur Verfuegung.

Last wird auf viele Schultern verteilt

Dabei "tarnt" sich Lantastic, das heisst, der Zugriff auf andere PCs im Netz geschieht, indem einfach auf eine Reihe weiterer Laufwerke zugegriffen wird. Die Laufwerke, die Bezeichnungen wie "K:", "L:" oder "M:" haben, sind in Wirklichkeit die Platten anderer Netzwerkknoten. So kann jedes Programm, das auf irgendeinem PC im Netz liegt, aufgerufen werden. Eine Ausnahme davon bilden einige hardwarenahe Utilities wie beispielsweise "Chkdsk", die den direkten physikalischen Zugriff auf eine remote liegende Festplatte ausfuehren.

Ein weiterer Vorteil eines solchen Peer-Netzes ist sein Verhalten beim Ausfall eines PCs im Netz. Faellt in einem Client-Server-Netz der Server aus, koennen saemtliche angeschlossenen Clients nur noch mit den lokal vorhandenen Daten arbeiten. Im Peer-to-peer-Netz stehen lediglich die Ressourcen des ausgefallenen Rechners nicht mehr zur Verfuegung. Alle anderen PCs im LAN koennen weiterhin gegenseitig auf die jeweiligen Festplatten zugreifen. Das Netzwerk selbst wird vom Ausfall eines Knotens nicht in seiner Funktionsfaehigkeit beeintraechtigt.

Das Prinzip des Peer-Netzes, die Last auf viele Schultern zu verteilen, hat Vorteile bei der Datensicherheit: Wird kein professionelles, inkrementelles Backup - wie bei dedizierten Servern ueblich - gemacht, laesst sich die Datensicherung durch einfaches, gegenseitiges Kopieren auf andere Netzwerkknoten erledigen. Lantastic und aehnliche Produkte bieten dennoch zusaetzliche Utilities an, die ein einfach zu bedienendes Backup unter Windows ermoeglichen.

Wie bei Client-Server-Netzen lassen die Peer-Netze auch das Einrichten von Netzwerkdrukkern oder anderen, netzwerkweit verfuegbaren Geraeten zu. Im Fall von Lantastic ist automatisch jeder Drucker, jedes CD-ROM-Laufwerk oder anderes Geraet, das an einen Netzwerkknoten angeschlossen ist, fuer alle PCs im Netz verfuegbar. So lassen sich die Ressourcen vernuenftig einteilen. Bei Thermoplan wurde beispielsweise einer der beiden verfuegbaren Laserdrucker fuer kurze Ausdrucke wie Briefe reserviert, der andere erledigt die zeitintensiveren Druckjobs wie CAD-Zeichnungen.

Die Leistungsfaehigkeit eines Peer-Netzes hat allerdings ihre Grenzen. Werden aeusserst druckintensive Anwendungen gefahren, bietet es sich an, einen alten, nicht mehr fuer die taegliche Arbeit benoetigten 286er- oder 386er-PC eigens fuer die Druckeransteuerung einzurichten. Dies entlastet die Arbeitsplatzrechner erheblich von der Verwaltung aufwendiger Druckjobs.

Wohin geht nun die Entwicklung der Peer-Netze? Hersteller wie Artisoft und auch Microsoft arbeiten an Loesungen fuer kleine LANs, die noch mehr Performance, hoehere Skalierbarkeit und mehr Netzwerkfunktionalitaeten haben. Windows 95 beispielsweise hat alle Netzwerkfunktionen von Windows for Workgroups erhalten plus einiger neuer Features, zusaetzlich zur Leistung eines 32-Bit- Systems. Deshalb arbeiten Hersteller der Peer-Netzwerk- Betriebssysteme natuerlich daran, ihren Vorsprung nicht durch ein leistungsfaehigeres "All-in-one"-Betriebssystem zu verlieren.

Lantastic mit dedizierten Servern erweitern

Beim groessten der Peer-to-peer-Hersteller, Artisoft, geht die Entwicklung in drei Hauptrichtungen: Die Erweiterung von Lantastic-Netzen zu Client-Server-Systemen durch den "Dedicated Server", einem "Netware Loadable Module" (NLM).

Ferner ist die Entwicklung integrierter Networking- und Connectivity-Pakete sowie die Portierung von Peer-Systemen auf Windows 95 geplant. Mit stark erweitertem Funktionsumfang sollen die Neuentwicklungen ihren Einsatz trotz der Netzwerkfaehigkeit von Windows 95 rechtfertigen.

Zusammenfassend laesst sich sagen, dass das Peer-to-peer-Konzept noch lange seine Berechtigung im Feld der kleinen, lokalen PC-Netze haben wird. Es wird erst von einem Netzwerk-Betriebssystem abgeloest werden koennen, das sowohl preiswert und maechtig im Funktionsumfang als auch aehnlich bedienerfreundlich zu handhaben ist.

*Der Autor ist Geschaeftsfuehrer der Thermoplan GmbH in Muenchen

Tabelle:

Funktionen: 1 = Lantastic 6.0, 2 = Netware 4.01, 3 = Windows NT

Protokoll "routable": 1, 2

SMB-Unterstuetzung: 1, 3

NDIS-Unterstuetzung: 1, 3

NCP-Unterstuetzung: 1, 2, 3 frei

TCP/IP-Unterstuetzung: 1 verfuegbar, 2 verfuegbar, 3

IPX/ODI-Unterstuetzung: 1, 2, 3

Macintosh-Verbindung: 1 verfuegbar, 2 verfuegbar

benoetigter RAM am Arbeitsplatz: 1 41 KB, 2 126,8 KB, 3 keine Angaben

sofortiges Despooling: 1, 2

Print-Monitor: 1, 2, 3

Windows-GUI: 1, 2, 3

Netzwerk-DDE: 1, 3

DOS-Rechner als Server moeglich: 1

Dedicated-Server-Modus: 1, 2

Modem-Sharing: 1 verfuegbar, 2 verfuegbar, 3 Drittanbieter

internes File-Record Locking: 1, 2, 3

Remote Printer Servers: 1, 2, 3

Remote Processing auf dem Server: 1

Remote Server Control: 1

Zeitgesteuertes Drucker-Despooling: 1

Remoter Monitor fuer Plattenauslastung: 1, 3

Zahl der Sicherheitsfunktionen: 1 30, 2 28, 3 23

E-Mail-Funktion: 1, 3

Netzwerk-Zeitplaner: 1, 3