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12.06.1992 - 

USL bringt Destiny für Intel-PCs auf den Markt

Desktop-Version von Unix tritt gegen Microsofts Windows NT an

MÜNCHEN (CW) - In wenigen Tagen ist es soweit: Am 16. Juni erscheint mit Unix System V, Release 4.2, die vieldiskutierte Version des Standard-Betriebssystems für Intel-basierte PCs mit AT-, EISA- oder Mikrokanal-Architektur.

Rund ein halbes Jahr vor dem Konkurrenten Windows NT tritt der erste Kombattant um die DOS-Nachfolge als Massen-Betriebssystem für die späten 90er Jahre an. Dabei will der Hersteller Unix System Laboratories (USL) das unter dem Codenamen "Destiny" entwickelte Produkt ausdrücklich als Angebot zur "Vereinigung von Low-end-Desktops, Midrange-Servern und Mainframes auf einer durchgängigen Plattform" verstanden wissen, wie es in einem USL-Dokument heißt. Unix System V, Release 4.2, (SVR4.2) soll demnach ein Betriebssystem sein, "where upsizing meets downsizing". Als Mittler zur Integration verfügt SVR4.2 nach Angaben von USL über alle in der Unix-Welt anerkannten und bei Intel-PCs gängigen Standards. Auf Betriebssystem-Ebene ist SVR4.2 laut Anbieter kompatibel zu Xenix, Sun-OS, Solaris, Berkeley BSD, SCO- und Interactive-Unix sowie älteren Versionen von System V.

Der Kernel versteht grundlegende DOS-Kommandos direkt, andere DOS-Tasks werden emuliert, so daß DOS- und Windows-Anwendungen laufen können.

Besonderen Wert habe USL darauf gelegt, mit dieser Version Unix vom Vorwurf der Bedienerfeindlichkeit zu befreien. SVR4.2 ist, so der Hersteller, weitgehend selbstinstallierend. Es habe eine eigene Benutzeroberfläche, die eine grafische System- und Netzverwaltung mit "Drag and drop"-Technik gestatte. Im Zweifelsfall stünden Hypertext-Hilfen zur Verfügung.

Bis in den Kernel hinein modular aufgebaut

Die Oberfläche ist mit dem Modul "Moolit" gekoppelt, das USL zufolge sowohl zur grafischen Oberfläche Open Look als auch zum Quasistandard OSF/Motif kompatibel ist. Entsprechende Applikationen sind - in Einzelfällen mittels vorhandener Zusatzmodule - lauffähig.

SVR4.2 ist bis in den Kernel hinein modular aufgebaut und soll sich je nach Umgebung und Anwenderwünschen erweitern lassen. Das kleinste System für eine Stand-alone-Workstation könne im Laufe der Zeit zu einer komplexen heterogenen Umgebung ausgebaut werden. Das Grundsystem kommt in der Minimalkonfiguration mit einem 80386SX-PC, 4 MB RAM und 60 MB Plattenspeicher aus, sinnvollerweise sollte man einen 386DX (oder ein 486er PC) mit der doppelten Kapazität im Arbeitsspeicher und auf der Festplatte verwenden.

Die Destiny-Software läßt sich in drei Gruppen gliedern und ist, so der Hersteller, je nach Hardwarebasis und Anforderungen der DV-Umgebung konfigurierbar. Als Basis dient das "Foundation Set", das das Betriebssystem, einen Desktop-Manager, die grafischen Utilities, Druckerunterstützung und Netzwerkfähigkeiten mitbringt. Dazu gibt es im "Platform Set" verschiedene Pakete, mittels derer sich USL zufolge das Grundsystem in seinen Basisfunktionen ausbauen läßt. Hinzu komme eine Gruppe kleinerer "Add-on Packages" für gezielte Verbesserungen in Detailbereichen wie der Systemsicherheit.

Diese Zusätze hängen sich ihrerseits an dynamisch ladbare Kernel-Module. Dadurch soll es möglich sein, bei minimalem RAM-Bedarf präzise die gewünschte Konfiguration zusammenzustellen, ohne daß bei irgendeiner Erweiterung oder Veränderung der Kernel neu konzipiert werden müßte. Die Installation neuer Treiber, das Aktivieren oder Löschen von Usern beziehungsweise Hardware-Einrichtungen wie Druckern oder Speichermedien erfordere keinen System-Reboot.

Angeboten wird SVR4.2 in drei Varianten: Das "Source-Product" geht an Endanwender, die existierende Software integrieren oder auf unterschiedliche Plattformen portieren wollen, sowie an die Software-Entwickler. Für OEMs und USL-Partner gibt es die "Master Binary Software", die nach eigenen Vorstellungen zum Beispiel um Module erweitert und unter eigenem Label vertrieben wird. Die meisten Endkunden erhalten jedoch das Shrink-wrapped-Produkt.

Dieses fertige Paket wird primär von der gemeinsamen USI- und Novell-Tochter Univel unter der Bezeichnung "Unixware" über die Vertriebswege von USL und vor allem Novell vertrieben. Unixware umfaßt außer dem Betriebssystem die zu SVR4.2 vorkonfektionierte Novell-Software "Netware" sowie die Dokumentation. Das rote Paket soll weniger als 500 Dollar kosten.

USL hat angekündigt, man werde um SVR4.2 ein "Branding-Program" starten. Im Rahmen dieser Initiative sollen Softwarehersteller für kompatible Applikationen ein Zertifikat erhalten. Außerdem will USL das Betriebssystem auf andere Plattformen portieren. Genannt wurden die RISC-Architekturen Sparc von Sun, Power von IBM, die Precision Architecture von Hewlett-Packard sowie die Designs von Mips und Motorola.