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01.10.1999 - 

Newcomer in Deutschland: Mip GmbH & Co.

Deutsch-russische Softwareschmiede versucht sich in Meta-Modellierung

Von Beate Kneuse* BERLIN - Die Gründerkonstellation ist ungewöhnlich, die Geschäftsidee anspruchsvoll: Als das deutsch-russische Duo Erik Masing und Oleg Kovrigin 1995 sein Unternehmen Mip aus der Taufe hob, war das erklärte Ziel, die Software-Entwicklung völlig anders als bisher üblich zu gestalten. Heraus kam "Alfabet", eine datenbankgestützte Meta-Modellierungstechnik, die angeblich bis heute ihresgleichen sucht.

Fast schon an alte Silicon-Valley-Zeiten erinnert die Gründung von Mip. Rein zufällig trafen Erik Masing und der russische Wissenschaftler Oleg Kovrigin 1994 bei gemeinsamen Freunden zusammen und tauschten Gedanken über die Notwendigkeit von dynamischen, flexiblen Modellen aus. Der heute 33jährige Betriebswirtschaftler Masing war damals bei einer Unternehmensberatung tätig und hatte zu diesem Thema gerade eine Diplomarbeit geschrieben. Kovrigin wiederum entpuppte sich als Spezialist auf diesem Gebiet. Nach dem Studium der Ingenieurwissenschaften an der Universität für Luft- und Raumfahrttechnik in Moskau hatte er am Institut für Systemanalyse, Modellierungssysteme und Künstliche Intelligenz an der Moskauer Akademie der Wissenschaften promoviert, gearbeitet und es schließlich geleitet, bis er 1992 nach Deutschland kam.

In einem Berliner Café setzte man sich dann später erneut zusammen und beschloß kurzerhand, ein Unternehmen zu gründen mit dem Ziel, ein neuartiges, flexibles Modellierungssystem zu entwickeln, das die DV-technische Beschreibung eines Unternehmens in allen erforderlichen Sichtweisen ermöglicht. Die Eintragung der Mip GmbH & Co. im Handelsregister erfolgte am 29. Januar 1995. Knapp zwölf Monate später war "Alfabet 1.0" unter der Federführung von "Chefentwickler" Kovrigin entwickelt. Gut vier Jahre später gibt es das datenbankgestützte Meta-Modellierungssystem Alfabet bereits in der Version 3.1. Projekte bei Unternehmen wie der Deutschen Telekom, Daimler-Chrysler, Merck, der Deutschen Gesellschaft für Qualitätssysteme (DQS) und dem Institut für Produktion und Automatisierung der Fraunhofer-Gesellschaft brachten die Berliner nicht nur technologisch voran, sondern führten auch zur Entwicklung von kommerziellen Lösungen, die Unternehmen in Sachen IT- und Prozeß-Management sowie Qualitäts- und Umwelt-Management unterstützen.

Der Ansatz der Mip-Technologie reicht weit. Denn Modellierung an sich ist nichts Neues. Schon seit Jahren vertrauen Unternehmen zur Abbildung und Optimierung von Geschäftsprozessen auf im Markt etablierte Tools wie "Aris" oder "Bonapart". Der Nachteil dieser Systeme aber ist nach Ansicht der Mip-Verantwortlichen, daß sie programmiert und damit starr sind. "Die Crux an der Geschichte ist", sagt Masing, "daß sich im Vorfeld fast aller Projekte gar nicht festlegen läßt, was sämtliche künftige Benutzer wollen, und die Realität meist nicht zu den vorgegebenen Schablonen paßt." Im Gegensatz dazu sei das Meta-Modell - sprich: die Schablone - in Alfabet nicht programmiert und könne durch den Anwender individuell ergänzt, verändert oder neu erstellt werden. Templates für die bekannten Methoden sind laut Masing bereits vorhanden und werden ständig erweitert. Somit erlaube "Alfabet" die Trennung von Methode und Tool und ermögliche die Orientierung an spezifische Anforderungen eines Unternehmens.

Zudem verwaltet es nach Aussage der Mip-Gründer sowohl die Modelldefinitionen als auch alle Modellinhalte in einer gemeinsamen Datenbank. Nur dadurch entstehe die notwendige Konsistenz zwischen Unternehmensrealität und allen Modellen, die sie abbilden. "Bislang", erklärt Kovrigin, "gibt es weltweit erst drei bis vier Unternehmen, die in eine ähnliche Richtung denken. Wir aber sind die ersten, die die Meta-Modellierung in dieser Konsequenz umgesetzt haben."

Im vergangenen Jahr wurde deshalb sogar Computerriese IBM auf den Newcomer aufmerksam. Ergebnis: Seit Anfang 1999 unterstützen die Berliner Softwarespezialisten mit "Alfabet for San Francisco" Entwickler, die mit der Framework-Architektur von IBM arbeiten. Für die Zusammenarbeit mit den Armonkern hat Mip noch 1998 eigens die Tochtergesellschaft Deep Structure GmbH gebildet, die Mip-Geschäftsführer Masing gemeinsam mit Finanzprofi Thomas Dürre leitet und die zu 100 Prozent in Besitz der Mip Holding AG ist. Diese wurde 1997 ins Leben gerufen und hält seitdem auch sämtliche Anteile an der Mip GmbH & Co. Hintergrund der AG-Gründung: Masing und Kovrigin liebäugeln in absehbarer Zeit mit dem Gang an die Börse, um Kapital für das anvisierte Wachstum zu beschaffen.

Daran interessiert sind auch die drei Venture-Capital-Gesellschaften, die sich im Laufe der vergangenen zwei Jahre an der jungen Softwareschmiede beteiligt haben: die Münchner TVM Techno Venture Management GmbH & Co. Beteiligungs KG, die Bonner tbg Technologie-Beteiligungsgesellschaft mbH und die ebenfalls in Bonn ansässige T-Telematik Venture Holding GmbH, eine VC-Gesellschaft der Deutschen Telekom. Sie halten laut Masing insgesamt mehr als 40 Prozent an Mip. Der Rest ist im Besitz mehrerer Altgesellschafter, von denen Vorstandschef Masing mit rund 20 Prozent der größte Anteilseigner ist. Überstürzen wollen die Berliner das Initial Public Offering (IPO) jedoch nicht. Masing: "Wir streben eine gewachsene Struktur an, mit der wir dann an der Börse Bestand haben."

Bis dahin aber haben die Berliner noch jede Menge Arbeit vor sich. Denn innovative Produkte allein sichern noch nicht den Erfolg. Noch sind die Umsätze gering, das Team überwiegend auf Entwicklungsaufgaben konzentriert. Nach 1,3 Millionen Mark Umsatz 1998 hat das deutsch-russische Duo für dieses Jahr Einnahmen von fünf Millionen Mark ins Visier genommen. Zur Jahrtausendwende sollen es dann an die acht Millionen sein. Auf der Gehaltsliste stehen rund 25 Mitarbeiter.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.