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IT-Training/CBT-Lösung für Rangierpersonal


30.04.1999 - 

Deutsche Bahn geht bei der Schulung ihrer Mitarbeiter neue Wege

Von Wilfred Lindo* Die Deutsche Bahn AG setzt zunehmend auf neue Medien, wenn es um die Aus- und Fortbildung ihrer Mitarbeiter geht. Aktuelles Projekt ist eine CBT-Lösung für die regelmäßige Fortbildung des Rangierpersonals im Geschäftsbereich DB Cargo. Es handelt sich dabei um das "Festlegen von Schienenfahrzeugen".

Um auf einem Rangierbahnhof einen reibungslosen und unfallfreien Ablauf zu gewährleisten, ist die kontinuierliche Fortbildung des Personals notwendig. In regelmäßigen Seminaren, die mit rund sechs Stunden angesetzt sind, werden den Mitarbeitern des Bereichs Cargo die erforderlichen Inhalte vermittelt. Karl-Heinz Burgey, Leiter der Personalentwicklung bei DB Cargo: "Im Rahmen einer Überarbeitung von Ausbildungsregeln haben wir uns dazu entschlossen, erstmals auch computerbasierte Lernsysteme einzusetzen."

In jedem Seminar kommt die CBT-Lösung für rund zwei Stunden zum Einsatz. So lange benötigen die Teilnehmer, um die vorgegebenen Aufgaben am Computer zu lösen. Dabei sind die Mitarbeiter aus dem Rangierbetrieb den Umgang mit dem PC innerhalb des Arbeitsumfelds bisher meist nicht gewohnt. Martin Müller-Baist, Projektleiter im Dienstleistungszentrum Bildung der Bahn: "Neben der fachlichen Wissensvermittlung ist auch die Gewöhnung an den Umgang mit Rechnern ein wichtiges Lernziel. Entsprechende Technik wird auch im Rangierbetrieb zunehmend zum Einsatz kommen.

So wurden die Teilnehmer im ersten Schritt mit dem CBT-Programm und dem Rechner vertraut gemacht. Beispielsweise steht ein interaktives Maus-Lernprogramm zur Verfügung, um in rund 20 Minuten die Bedienung spielerisch zu erlernen. Zudem übernimmt ein Trainer die Einführung und Nachbearbeitung der CBT-Schulung. Die Motivation der Lernenden war zusätzlicher Auslöser für den Einsatz von CBT. Müller-Baist: "Im klassischen Seminarbetrieb war die Motivation der Lernenden nicht immer gegeben. Die regelmäßige Teilnahme war Pflicht. Letztendlich ist jetzt jeder Teilnehmer gefordert und auch neu motiviert. Wir erwarten, daß die Lernziele insgesamt durch den Einsatz von CBT besser erreicht werden."

"Wir haben besonderen Wert auf eine praxisrelevante Konzeption gelegt", führt der Projektleiter weiter aus. Der Transfer in die Praxis sei gefordert. In erster Linie wird die Anwendung der Vorschriften eingeübt. So entschieden sich die Eisenbahner für die Simulation einer sogenannten Übergabefahrt, wie sie im Rangieralltag vorkommt. Dabei werden die Mitarbeiter der DB Cargo schrittweise an die Materie herangeführt. In realen Aufgabenstellungen überprüft der Lernende am Bildschirm spielerisch sein Wissen. Das selbständige Anwenden der Vorschriften steht dabei im Vordergrund. Neben den Fahrdienstvorschriften gilt es auch örtliche Richtlinien der einzelnen Bahnhöfe zu beachten.

Für die Realisierung und grafische Umsetzung zeichnet das Berliner Softwarehaus Medialine verantwortlich. Das Projekt startete bereits 1997. So wurden im ersten Schritt die Themen daraufhin analysiert, ob sie für eine CBT-Umsetzung überhaupt geeignet sind. Parallel dazu wurden interne Trainer für die Erstellung von Drehbüchern qualifiziert. Müller-Baist: "Wir haben einen eigenen Standard für die Drehbücher geschaffen, um eine gleichbleibende Qualität zu garantieren." Im Frühjahr 1998 lag die erste Abnahmeversion des CBT-Systems vor. Ab Mai 1998 startete die Pilotphase, die bis Ende des Jahres dauerte. Aus diesen detaillierten Erfahrungen ließen sich neue Erkenntnisse und daraus resultierende Nachbesserungen im Rahmen dieses Projekts gewinnen. Müller-Baist unterstreicht: "So haben wir erkannt, daß eine Lerndauer von zwei Stunden für die Mitarbeiter die Höchstgrenze darstellt."

Bei der Realisierung entschieden sich die Berliner neben den simulierten Einheiten auch für den Einsatz von Videosequenzen. Diese geben in anschaulichen Szenen Praxisbeispiele aus dem Bereich Unfallverhütung. "Nur so können wir wirksam bestimmte Verhaltensänderungen bei den Teilnehmern über das CBT herbeiführen", führt Thomas Flum, Geschäftsführer der Medialine GmbH aus.

Zukunftsmusik: Laptop am Bahngleis

Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Lernen näher an den Arbeitsplatz verlegt werden. So ist es denkbar, daß der Mitarbeiter direkt im Cargo-Bahnhof PC oder Laptop zur Verfügung hat und bestimmte Fragestellungen selbst löst und überprüft.

Das vorgestellte Projekt ist das erste von rund neun Themen, die bis Ende 1999 realisiert werden sollen. Weitere Beispiele sind Wagenlisten und Bremszettel, Bremsen oder Zugbildung. Insgesamt sind für die geplanten Lösungen rund 1,5 Millionen Mark als Etat geplant. Dies umfaßt die neun Lernprogramme inklusive Videoeinsatz.

Angeklickt

An Computer-based Training kommt keiner mehr vorbei. Bester Beweis: Die Bahn ist gerade dabei, ihren Mitarbeitern aus dem Rangierbetrieb Inhalte elektronisch zu vermitteln. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Fachthemen, sondern zunächst vor allem darum, die Beschäftigten spielerisch an Maus und Computer heranzuführen.

*Wilfried Lindo ist freier Journalist in Berlin.