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26.06.1998 - 

Start-ups im High-Tech-Sektor im Visier

Deutsche Bank macht im Venture-Capital-Markt mobil

Eine bislang kaum gekannte Gründungswelle von High-Tech-Firmen, die Börseneuphorie im Zusammenhang mit dem Neuen Markt, ein jetzt endlich auch in Deutschland boomender Risikokapitalmarkt: Faktoren wie diese, vor allem der letztgenannte, animieren jetzt offensichtlich auch die gemeinhin als konservativ und risikoscheu geltenden Banken, ihre bis dato eher bescheidenen Aktivitäten im Venture-Capital-Markt zu überdenken und neu zu strukturieren. Vorneweg die Deutsche Bank. Als "Weiterentwicklung" der vor drei Jahren gegründeten Deutschen Gesellschaft für Innovationsfinanzierung mbH (DGIB) hat der Branchenprimus nun in Frankfurt die DVCG aus der Taufe gehoben. Sie soll die bisherigen DGIB-Aktivitäten übernehmen und sich auf aussichtsreiche Newcomer in den Bereichen IuK-Technik, Life Sciences und Mikrosystemtechnik konzentrieren.

Geplant sind dabei Beteiligungen an Wachstumsunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 20 Millionen Mark, unterstützende Maßnahmen beim Aufbau von Management-Kapazitäten (siehe Seite 38: "Hilfe beim Business-Plan") sowie die Vorbereitung eines Börsengangs. Ingesamt steht zunächst ein Fondsvolumen von 150 Millionen Mark zur Verfügung.

Neben dem bereits bestehenden DGIB-Investor, dem Gerling Innovationsfonds, ist als weiterer Financier und DVCG-Gesellschafter die Technologie-Beteiligungs-Gesellschaft (tbg) der Deutschen Ausgleichsbank mit von der Partie. Die Deutsche Bank selbst hält an der neuen Gesellschaft nur eine nicht näher bezifferte Minderheitsbeteiligung.

Daß Finanzspritzen allein keine unternehmerischen "High-Flyer" garantieren, haben die Verantwortlichen der Deutschen Bank indes mittlerweile auch erkannt. "Kapital ist ohne Zweifel wichtig. Aber genauso entscheidend für den Erfolg des Unternehmens ist die aktive Begleitung sowie die sachgerechte und fachkundige Management-Unterstützung", betonte Carl-Ludwig von Boehm-Bezing, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und seit 1. April zuständig für den Bereich "Unternehmen und Immobilien", bei der Vorstellung der neuen Gesellschaft. Dies erfordere aber Fachleute, die Management-Wissen, entsprechendes Technologie- und Markt-Know-how sowie die "richtige Spürnase" mitbringen.

Aus diesem Grund beriefen die Banker in Frankfurt mit dem früheren Atlas-Venture-Manager Werner Schauerte und Hansjörg Thomas, bislang DGIB-Geschäftsführer, auch zwei ausgewiesene Risikokapital-Experten an die Spitze der DVCG. Für die anvisierten Branchen IuK-Technik, Life Science und Mikro- systemtechnik sowie den Geschäftsbereich Wachstumsfinanzierung wurden jeweils eigene Teams gegründet, die man mit entsprechenden Spezialisten aus der freien Wirtschaft besetzt hat beziehungsweise noch besetzen will.

Unabhängig davon dürfte für die DVCG jedoch vor allem eine durchdachte Aufstellung im Venture-Capital-Markt vonnöten sein, will man in diesem von Natur aus risikoreichen und neuerdings auch immer härter umkämpften Marktsegment bestehen. Denn der allseits prognostizierte Venture-Capital-Boom, dem Deutschland entgegensieht, hat mittlerweile zahlreiche Anbieter auf den Plan gerufen, die vor allem um die potentiellen "High-Tech-Perlen" konkurrieren. "Der Wettbewerb hat enorm zugenommen", gab DVCG-Geschäftsführer Thomas vor Journalisten zu.

Dabei sorgen vor allem die staatlichen Beteiligungsgesellschaften für Unruhe im Markt. Sie machen laut Thomas nicht nur "die Preise kaputt", sondern hemmen nach Ansicht von Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied von Boehm-Bezing auch das finanzielle Engagement der Privatwirtschaft und verzerren den Wettbewerb. Viel zu sehr werden dort, so der Banker, Subventionen nach dem Gießkannenprinzip verteilt, für reinrassige Venture-Capital-Firmen bleiben oft nur noch "Beteiligungschancen zweiter Wahl übrig". Zudem könnten die staatlichen Beteiligungsgesellschaften mangels Know-how keine aktive Management-Unterstützung bieten; viele innovative Start-ups würden deshalb auf der Strecke bleiben. Sein Vorschlag: Der Staat soll sich darauf konzentrieren, die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich ein Venture-Capital-Markt mit Risikokapitalgesellschaften und sogenannten "Business Angels", also private Investoren, die selbst einmal erfolgreiche Unternehmer waren, dynamisch entfalten könne.

Zu den Hoffnungsträgern der Venture-Capital-Profis gehört die DSA Digitale Systeme für Archivierung GmbH in Hürth, an der sich im vergangenen Jahr noch die DGIB mit 30 Prozent beteiligt hatte. Das auf die Entwicklung von digitalen Archivierungssystemen und entsprechenden Dienstleistungen spezialisierte Unternehmen, das 1993 gegründet wurde, erzielte 1997 einen Umsatz von 10,5 Millionen Mark, beschäftigt derzeit rund 100 Mitarbeiter und darf sich seit neuestem zum erlauchten Kreis der Microsoft-Kooperationspartner zählen: Die Gates-Company integrierte die DSA-Lösung Documind in "MS Office".

Mit der finanziellen Hilfe der DGIB entwickelte DSA nicht nur Documind, sondern erweiterte auch seine Vertriebsaktivitäten im europäischen Raum. Demnächst steht der Sprung in die USA auf der To-do-Liste von Firmengründer Olaf Schmitz. Auch der Gang an die Börse wird bereits ins Visier genommen. "Damit allerdings werden wir uns noch etwas Zeit lassen", erklärte Schmitz auf der DVCG-Gründungs-Pressekonferenz. Seine Geldgeber scheinen indes mit einem Going Public bereits im kommenden Jahr zu liebäugeln. "Die DSA hat das Zeug zum Renner", gab sich DVCG-Chef Schauerte vielsagend optimistisch.

Hilfe beim Business-Plan

Potentielle Firmengründer haben bekanntlich mit der Ausarbeitung eines Business-Plans oft Schwierigkeiten. Die DVCG hat deshalb in Zusammenarbeit mit dem Steinbeiss-Transferzentrum MLU an der Fachhochschule Pforzheim unter der Leitung von Professor Udo Wupperfeld eine CD-ROM entwickelt, die neben der Anleitung zur Erstellung eines Geschäftsplans auch die Software DVCG-Innoplan enthält. Damit lassen sich laut DVCG die erforderlichen Planungen, beispielsweise Umsatz-, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Liquiditäts- und Projektplanungen bis hin zu detaillierten Bilanzauswertungen, erstellen. Geordert werden kann die CD-ROM "Business Plan" beim Steinbeiss-Transferzentrum an der Hochschule Pforzheim, Tiefenbronner Straße 65, 75175 Pforzheim, Telefon 07231/28-6158, Fax 07231/28-6159.

* Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

Abb: Alles wie gehabt: Ganz nach den Regeln der Risikokapital-Branche arbeitet die Deutsche Venture Capital GmbH. Private Investoren zahlen in einen oder mehrere Fonds ein, mit dem junge Wachstumsunternehmen finanziert werden. Gelingt der erfolgreiche "Exit" (Börsengang), fließt eine stattliche Rendite an die Anleger zurück. Quelle: DVCG