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27.11.1992 - 

Frankfurter Banker dementieren Carrier-Pläne

Deutsche Bank ruft eigene Netzwerk-Division ins Leben

MÜNCHEN (gh) - Was als Gerücht bereits in aller Munde war, ist nun Realität: Die Deutsche Bank wird aktiv in Sachen Networking. Mit der neugegründeten Tochter Deutsche Gesellschaft für Netzwerkdienste GmbH wollen die Frankfurter Banker ihr eigenes Netz Bankkunden für Applikationen wie Electronic Banking und Electronic Data Interchange (EDI) zur Verfügung stellen. An eine klassische Carrier-Funktion für Dritte denkt der Geldriese - zunächst - noch nicht.

Die Pläne der Deutschen Bank sorgten seit gut einem Jahr - trotz offizieller Dementis und Nachrichtensperre - für Gesprächsstoff in der Branche. In einer Nacht- und Nebel-Aktion sollte daher zum 1. Oktober 1992 wohl auch die neue Tochter ihre Arbeit aufnehmen. Erst ein Bericht des US-Magazins "Communications Week" veranlaßte die Chefetage von Deutschlands größtem Kreditinstitut, mit ihrem Netzkonzept an die Öffentlichkeit zu gehen - dies um so mehr, als offensichtlich nach dem Geschmack der Banker zuviel an Details und Mutmaßungen zum Vorschein kam.

"Wir wollen das Netz lediglich den Kunden anbieten, die unsere bankspezifischen Produkte nutzen wollen", stellte ein Sprecher der Deutschen Bank gegenüber der COMPUTERWOCHE klar. Dies seien in erster Linie Applikationen für die Bereiche Electronic Banking und EDI, wo man ab sofort nicht nur das Produkt als solches mit Software und Endgeräten, sondern auch das entsprechende Netz mit Zugangseinrichtungen zur Verfügung stellen werde.

Spekulationen, die Deutsche Bank werde demnächst auch massiv ins Netzwerk-Outsourcing-Geschäft einsteigen und als privater Netzanbieter zu einer Art Konkurrenz von Telekom, BT, IBM, Meganet etc. avancieren, entbehrten jedoch der Grundlage. "Es geht derzeit nicht darum, als Carrier in fremde Felder hineinzugehen", schränkte der Deutsche-Bank-Sprecher die Aktivitäten seines Brötchengebers ein und verwies auf ein Dementi des Vorstandsmitglieds Michael Endres im "Handelsblatt", wonach die neue Tochter eine reine Servicefunktion für die eigene Bankklientel habe und zunächst auch gar keine Gewinne erzielen müsse.

100 Millionen Mark Umsatz im nächsten Jahr

Richtig sei allerdings auch, daß die Netzwerk-Division bereits im nächsten Jahr rund 100 Millionen Mark umsetzen solle. Basis-Infrastruktur für die neuen Dienste ist "eines der dichtesten und umfangreichsten Netze" in Deutschland, das sich die Frankfurter nach eigenem Bekunden in den letzten Jahren aufgebaut haben. Rund 240 X.25-Knoten sorgen für Zugangsmöglichkeiten in Deutschland, weitere 40 Knoten existieren in den wichtigsten Ballungszentren in Europa, den USA sowie im asiatisch-pazifischen Raum.

Daß sich das Outsourcing-Geschäft, allein oder mit einem Partner, für die Deutsche Bank eines Tages doch noch lohnen könnte, lassen die Frankfurter offen. Man behalte, so die Auskunft gegenüber der CW, naturgemäß die Entwicklung neuer Techniken - insbesondere in puncto Breitband-Kommunikation - im Auge. Erfolge hier ein, wie es hieß, neuer Techniksprung, "wird man sich sicherlich überlegen müssen, was man und ob man es weiterhin alleine macht".

Alleine machen muß es zumindest nicht Harald Helleken als Geschäftsführer der neuen Gesellschaft. Ihm zur Seite gestellt ist, so die offizielle Lesart in Frankfurt, Hans Hoelsken als gleichberechtigter Geschäftsführer, von dem es gerüchteweise hieß, er sei aufgrund seiner - für Verhältnisse des Hauses - zu weitgehenden Informationspolitik in 'Sachen Netzwerkpläne kurzfristig ausgemustert worden.