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30.06.2008

Deutsche Bank will iPhone als Firmen-Handy zulassen

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Auf Druck von einigen hochkarätigen Managern soll das Apple-Smartphone den Sicherheitsstandards des Finanzdienstleisters angepasst werden.

Die Pläne von Apple-Chef Steve Jobs, das iPhone mit Hilfe eines Betriebssystem-Updates, eines Software Development Kit (SDK) für Drittapplikationen und neuer Hardware Enterprise-tauglich zu machen, scheinen aufzugehen. Die Deutsche Bank will künftig weltweit ihre Manager zwischen dem Apple iPhone und einem Blackberry als Dienst-Handy wählen lassen, berichtet die "Welt". Das Blatt bezieht sich auf Informationen aus Unternehmenskreisen, denen zufolge der Finanzkonzern auf Hochtouren daran arbeitet, die neue Version des iPhone mit seinen Sicherheitsstandards vereinbar zu machen.

Sollten die Bemühungen Erfolg zeigen, könnten anschließend mehrere zehntausend Deutsche-Bank-Mitarbeiter, die bisher ihre dienstlichen E-Mails ausschließlich auf Blackberrys des kanadischen Herstellers Research in Motion (RIM) empfangen, auf das Apple-Modell wechseln. Ausschlaggebend für die Entwicklung waren laut Pressebericht einige hochkarätige Manager des Unternehmens. Sie sollen darauf gedrungen haben, das beliebte iPhone an die Sicherheitsbestimmungen der Bank anzupassen. Die Deutsche Bank weigerte sich, den Bericht zu kommentieren.

Synchronisation mit Exchange

Ob die Bemühungen Erfolg haben, wird sich zeigen: Immerhin hat Apple für das Betriebssystem-Upgrade iPhone 2.0 das Microsoft-Protokoll "ActiveSync" in Lizenz genommen. Damit kann das Kult-Handy direkt mit einem Exchange Server von Microsoft kommunizieren und so nicht nur E-Mails, sondern auch Kalendereinträge, Kontakte und das Adressbuch des Unternehmens synchronisieren.

Außerdem sind Administratoren dank verbesserter Remote-Management-Funktionen, die auf Exchange ActiveSync fußen, in der Lage, die Daten auf einem gestohlenen oder verlorenen iPhone aus der Ferne zu löschen. Sichere Verbindungen mit Firmennetzen lassen sich wiederum via Cisco IPsec VPN herstellen. WiFi-Verbindungen wird das iPhone 2.0 grundsätzlich auch mit WPA2 Enterprise absichern können. Außerdem lassen sich geltende Sicherheits-Policies durchsetzen, etwa besonders sichere Passwörter. Kritiker vermissen beim iPhone jedoch nach wie vor zusätzliche Sicherheits-Features, etwa eine native Datenverschlüsselung sowie Einstellungen zum Device-Management und Endnutzer-Policies. Ohne diese falle es der IT-Abteilung schwer, das Gerät zu verwalten, Anwendungen über Funk (OTA = "over the air") aufzuspielen und Policies wie das Sperren der Kamerafunktion - falls erforderlich - umzusetzen, urteilt etwa Jack Gold vom Analystenhaus J. Gold Associates.

Hinzu kommen einige Schwächen, die Apple mit der Entscheidung zugunsten von ActiveSync und damit von Microsofts Outlook Web Access (OWA) geerbt hat: So verursacht OWA im Vergleich zum Blackberry ein deutlich höheres Datenvolumen. Dieses spielt im Inland bei einer Flatrate keine Rolle, verursacht im Ausland angesichts hoher Roaming-Gebühren aber empfindliche Zusatzkosten. Zudem ist der Datentransfer auf mobilen Endgeräten noch immer eine der stromfressendsten Aktivitäten, so dass die Standby-Zeit des iPhone mit aktiviertem ActiveSync drastisch sinken dürfte. Zu guter Letzt sprechen gegen ActiveSync einige Sicherheitsaspekte. In Verbindung mit OWA muss der IT-Administrator auf seiner Firewall den Port 443 für eingehende Verbindungen öffnen - also vom Internet frei ansprechbar machen.

Beim Blackberry-System wird dagegen nur der ausgehende Port 3101 geöffnet. Erschwerend kommt hinzu, dass Microsoft empfiehlt, an der Firewall den Timeout für eine entsprechende Verbindung auf 30 Minuten heraufzusetzen.

Trotz dieser Probleme scheinen sich neben der Deutschen Bank noch weitere Konzerne für das neue iPhone als offizielles Firmen-Handy zu interessieren: "Wir verspüren starkes Interesse und haben schon mehrere tausend Vorbestellungen von Firmenkunden", sagte ein T-Mobile-Sprecher der "Welt". Der Mobilfunkanbieter verhandle bereits mit mehreren großen Unternehmen über Rahmenverträge für Großabnehmer. Wann die ersten deutschen Firmen das iPhone tatsächlich als Firmen-Handy einsetzten, sei jedoch noch unklar und hänge auch davon ab, wie schnell Apple die Geräte liefern könne. (mb)