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13.09.1991 - 

Bauinformationssystem für 7000 Benutzer

Deutsche Bundesbahn nimmt Abschied von der Insellösung

Bei den Baumaßnahmen setzt die Deutsche Bundesbahn jetzt ein Informationssystem ein, das eine integrierte Lösung für alle Entscheidungsebenen zwischen Bauplanung und Bauabschluß darstellen soll. Friedrich Wilhelm* beschreibt die Planung und den Entwicklungsstand des Mammutprojekts.

Im Jahresverlauf gibt die Deutsche Bundesbahn rund vier Milliarden Mark für die Erhaltung und den Aufbau von baulichen Anlagen aus. Damit gehört sie zu den größeren Bauherren der Bundesrepublik. Die Bauvorhaben sind im ganzen Land verteilt und haben alle nur denktbaren Größenordnungen. Die Überschaubarkeit der Aktivitäten wird seit einiger Zeit durch die Rollenverteilung zwischen zentralen und dezentralen Instanzen sichergestellt. Die Bauabwicklung liegt in den Händen der regional zuständigen Direktionen, welche die Bauleitung an Bauunternehmen übertragen. Für das übergeordnete Bauprogramm und die Budgetvorgaben ist die DB-Zentrale zuständig. Und sie läßt sich wiederum von dem Wirtschaftsplan leiten, der mit dem Bundesverkehrsminister abgestimmt ist. Dieses Zusammenspiel stellt enorme Anforderungen an die DV. Alle am Baugeschehen beteiligten Ebenen und Organe stützen sich weithin auf die gleichen Arbeitsgrundlagen.

Große Unterschiede gibt es jedoch bei den Informationsbedürfnissen. In der Zentrale kommt es in erster Linie auf die Transparenz in ganzen Aufgabengebieten an, also auf verdichtete Informationen. In den Direktionen und an der "Baufront" werden in erster Linie abwicklungsorientierte Einzelinformationen gebraucht.

Mit nebeneinander betriebenen DV-Verfahren können die Informationsbedürfnisse und Aufgaben in einzelnen Anwendungsbereichen nur eingeschränkt abgedeckt werden. Sie unterstützen nicht die eng miteinander verzahnten Aktivitäten auf dem Weg von der Planung über die Bauausführung bis zur Dokumentation hin. Dieses Prinzip soll mit dem neuen Bauinformationssystem (BI) verwirklicht werden, das die aufgabenspezifischen Vorgänger zu einem einheitlichen Gesamtsystem zusammenführt.

Diesem Projekt gingen bereits 1984 erste Überlegungen im DV-Arbeitskreis des Baudienstes voran. Seinerzeit wurden parallel drei Softwaresysteme eingesetzt: "Bauabrechnung" (bis zum Leistungsverzeichnis hin), "Veranschlagung" und "Bauprogramm". Dadurch lernten die Fachbereiche die Hauptprobleme aller Insellösungen kennen, insbesondere die hohen Belastungen durch die Mehrfachverwaltung und die ungleiche Aktualität der Datenbestände. Das Projekt "BI 88" sollte helfen, diese Mängel zu beheben. Allerdings verzögerte sich der Start um mehrere Jahre.

Zunächst waren strategische Entscheidungen über die Grundsysteme der Deutschen Bundesbahn erforderlich, insbesondere zur Frage der Datenbank und Programmiersprache. Ende 1986 entschied sie sich für die Produkte "Adabas" und "Natural". Außerdem wurde erkannt, daß sich die Aufgabenstellungen bei diesem komplexen Vorhaben nur mit den Methoden des Software-Engineerings beschreiben ließen. Die dafür benötigte Informations- und Strukturanalyse wurde 1988 abgeschlossen, so daß 1989 mit der Projektplanung begonnen werden konnte.

Nach Abschluß der Software-Arbeiten konnte Ende l990 das erste Teilsystem zur Anwendung freigegeben werden (Bauprogramm). Alle anderen Programme stehen in der Testphase und sollen noch im Sommer 1991 zum Einsatz kommen. Die Benutzer können mit ihren alten Systemen noch solange weiterarbeiten, bis ihre Datenbestände ins neue System übernommen sind. Diese Phase wird 1991 abgeschlossen. Die bundesbahnweite Nutzung einschließlich geplanter Erweiterungen wird im vollen Umfang 1994 erreicht sein.

Auf dem Softwaremarkt gibt es keine Standardpakete für die technischen und administrativen Bedürfnisse der Bundesbahn. Daher entschied die DB, beim Bauinformationssystem ausschließlich Individual-Programme auf der Basis von Adabas und Natural einzusetzen. Die Programmentwicklung liegt in den Händen der Software AG, Darmstadt. Als Grundlage konnte das Unternehmen auf die Standardteile eines Systems für die Verwaltung der Strekkendaten und Liegenschaften zurückgreifen, das es bereits vorher für die Bundesbahn entwickelt hatte. Aus dieser Vorgängerlösung stammen auch die Standards für die Benutzeroberfläche. Dem Anwender stehen sämtliche für seine Tätigkeit erforderlichen Funktionen am Bildschirm zur Verfügung.

Das System umfaßt rund 150 Bildschirmmasken, 400 Elementarfunktionen, 110 Informationsobjekte und 800 Datenelemente. Während der Systementwicklung veränderten sich in einzelnen Teilen die Ausgangsforderungen, zum Beispiel durch Ergänzungen im DB-Kontenrahmen. Auch kamen neue Funktionen, Bildschirmmasken und zahlreiche Änderungen ins Spiel. Zusammengenommen hatten diese Neuanforderungen derart großes Gewicht, daß die Softwarekosten schließlich den Voranschlag um rund 40 Prozent überschritten. In der Projektplanung von 1989 war auch der Testaufwand unterschätzt worden. Der hohe Anteil von komplexen Funktionen führte dazu, daß für die Programmtests der gleiche Zeitaufwand wie für die Programmentwicklung benötigt wurde.

Die Programme und Datenbestände werden mit einem IBM-

Großrechner, der unter dem Betriebssystem MVS/XA arbeitet, im zentralen Produktionsrechenzentrum der Bundesbahn in Köln vorgehalten. Für das Kernstück des Systems, die zentrale Datenbank mit rund 100 fachlichen Dateien, wird nach dem Endausbau eine Speicherkapazität von voraussichtlich 60 Gigabytes benötigt. Damit wird die Bundesbahn weltweit eine der größten Adabas-Datenbanken unterhalten. Im Endausbau verfügt das System über 600 Datenendgeräte, die von etwa 7000 Anwendern genutzt werden.

Die DB-Zentrale setzt das Bauinformationssystem vornehmlich für die Disposition des Budgets der bundesweit erfaßten Baumaßnahmen ein (Bauprogramme). Eine detaillierte Aufschlüsselung dieser Information erfolgt bei den zehn Direktionen. Sie erstellen mit dem System Kostenanschläge für die Maßnahmen und Bauvorhaben mit den wichtigsten Einzelpositionen. Weitere Anwendungen sind die Erstellung von Leistungsverzeichnissen (verfeinerte Kostenanschläge mit Angabe der von den Bauunternehmen zu erbringenden Einzelleistungen), das Ausschreibungsverfahren, die Prüfung der Angebote, die Bauablaufverfolgung (in Hinblick auf Mengen, Leistungen und Zeitverbrauch), die Bauabrechnung und die Abschlußdokumentation.

Ein Teil dieser Funktionen wird an regionale Stellen innerhalb der Direktionsbreiche delegiert, die ebenfalls zu den Systemanwendern zählen. Hinzu kommen Planungs- und Ingenieurbüros, die für die Bundesbahn Planungsaufgaben wahrnehmen (Anschlüsse im Datex-P-Netz).

Die Aufbaustruktur des Bauinformationssystems setzt sich aus funktionellen Bausteinen zusammen, die sich aus den abgeschlossenen Aufgabengebieten ergeben: Bauprogramm, Arbeitsplan, Einsatzsteuerung der Planungs- und Überwachungskapazitäten, Vorhabenführung, Baukostenplanung, Ausschreibung, Nachrechnen/Preisspiegel/Vergabe, Bauablaufverfolgung, Bauabrechnung und Abschlußdokumentation. Diese Teilsysteme sind über die gemeinsame Datenbasis miteinander verknüpft. Die Integration ermöglicht es den Benutzern sowohl im eigenen Arbeitsgebiet als auch bei übergreifenden Anwendungen auf einmalig verwaltete Datenbestände zurückgreifen.

Das System macht allen Fachbereichen die gleiche Funktionalität zugänglich. Aufgrund der unterschiedlichen Informations- und Verarbeitungsbedürfnisse, die sich in den Verwaltungsebenen und Fachbereichen stellen, sieht das System verschiedene Zugriffs- und Verdichtungsebenen vor: Projekte, Teilprojekte und Verträge. Ein Sicherheitssystem schützt vertrauliche Daten vor unautorisierten Zugriffen.

In Kürze auch eine personenbezogene Lösung

In der gegenwärtigen Konzeption ist das Bauinformationssystem objekt- und kostenorientiert ausgelegt. Bald gibt es eine personenbezogene Lösung, für die in Kürze die Verfahrensplanung beginnt. Dieser Baustein heißt "Einsatzsteuerung der Planungs- und Überwachungskapazitäten". Er wird auf der Grundlage der Planungen für das Bauprogramm Informationen über die erforderlichen Personalkapazitäten liefern. Zu den Hauptfunktionen gehört der Soll/Ist-Vergleich für abgewickelte Bauvorhaben. Mit Hilfe dieses Vergleichs werden Statistiken erstellt, die den künftigen Bedarf signalisieren .

Die Betrachtungen der Personalkapazitäten schließen auch die Aktivitäten von Architektur- und Ingenieurbüros ein, so daß sie umfassende Aussagen für gezielte Objekte oder projektübergreifende Vorhaben vermitteln. Eine erhebliche Erweiterung steht auch im Hinblick auf den Benutzerkreis in Aussicht. Die Nutzung des Bauinformationssystems durch die Deutsche Reichsbahn ist bereits vereinbart.