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04.12.1974 - 

Französisch-schweizerische Bankgruppe läßt weiterdateln:

Deutsche Datel verkauft

DARMSTADT - Das große Rätselraten um die Zukunft der deutschen Datel - Gesellschaft für Datenfernverarbeitung mbH (Gründungsjahr 1970) hat ein Ende. Im Datel-Hochhaus wurden "bei trockener Luft und notdürfitem Imbiß" - so Datel-Geschäftsführer Dr. Bernhard Friedmann - in der Nacht vom 27. zum 28. November um 02:30 notariell beurkundete Vorverträge unterschrieben, die den Bestand der Firma und ein Weiterführen der bisherigen technologischen Konzeption sicherstellen.

Neuer Mehrheits-Gesellschafter ist die französische GSI (Générale de Service Informatique), die heute in Frankreich, in der Schweiz, in Italien und in Belgien, demnächst auch in England, jährlich ausschließlich im Service-Rechenzentrumbetrieb 145 Millionen FF umsetzt. 52 Prozent der GSI gehören dem größten französischen Elektrokonzern CGE, der auch Partner in der CII ist. CGE gehört zwei französischen Großbanken.

Ebenfalls Bankkreise, und zwar das größte eidgenössische Kreditinstitut, der Schweizer Bank-Verein, stehen hinter der Indelec Schweizerische Gesellschaft für elektrische Industrie, die den Rest der 90 Prozent ans Ausland verkauften Datel-Anteile übernahm. Die Deutsche Bundespost und die Siemens AG behalfen künftig fünf Prozent Anteile. AEG-Telefunken stieg voll aus.

Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben, - er muß noch errechnet werden. Es wird sich jedoch nur um einen minimalen "symbolischen Preis" handeln denn Voraussetzung für das zum 31.12. rechtskräftige Geschäft ist, daß die Altgesellschafter die Firma schuldenfrei machen und zudem für Risiken, die in der Vergangenheit begründet sind, im Obligo verbleiben. Der in der Wirtschaftspresse genannte Betrag von 100 Millionen Mark, der von der Bundespost, von Siemens und AEG nachgeschossen werden muß, wird von Friedmann zwar nicht bestritten, "jedoch handelt es sich nicht um Verluste, sondern um Gegenbeträge, für die die Datel zum Teil auch Leistungen für die Gesellschafter erbrachte". Für das nicht-bilanzierungsfähige Software-Know-how werden die Alt-Gesellschafter bis zum Jahre 1980 "Provisionen" aus dem Verkauf der Datel-Programmpakete erhalten.

Wie Friedmann betont, soll das Rechner-Verbund-Konzept, in das bereits erhebliche Vorinvestitionen gesteckt wurden, "konsequent durchgeführt werden, - und zwar auf europäischer Basis". Von GSI-Managern soll es geheißen haben. "So etwas gibt es in 20 Jahren nicht einmal, daß zwei Firmen ein so einheitliches Langfristkonzept haben."

In der letzten Woche mehrten sich die Gerüchte über das "Ende der Datel". Nachdem bekannt wurde, daß Heinz Nixdorfs Rückzieher aus der Datei zum "Billigst-Schlußverkauf" führen würde, verging kein Tag, an dem sich nicht ernsthafte und dubiose Bewerber um die dahinsiechende Braut bemüh-Datel-Geschäftsführer Dr. Bernhard Friedmann: "Im großen und ganzen wird sich nichts ändern." ten. Die Schweizerische AC-Service-Gruppe, Tochter der amerikanischen University Computer Company wollte das reine Batch-Geschäft (etwa 30 Millionen Mark Umsatz) erwerben, die schwedische Datema-Gruppe, Frankfurt, soll sich um die Übernahme des Time-Sharing-Kundenkreises (etwa drei Millionen Mark Umsatz) bemüht haben.

Datel-Geschäftsführer Dr. Bernhard Friedmann, 42 (1965 Postrat, 1967 Oberpostrat, 1969 Oberpostdirektor, seit 1970 Datel-Chef) wird voraussichtlich Mitte nächsten Jahres ins Bundespostministerium zurückgehen.

Der offizielle DATEL-Text

Die im Herbst begonnene Umstrukturierung des Gesellschafter-Kreises der Deutschen DATEL-Gesellschaft für Datenfernverarbeitung mbH in Darmstadt führte heute zum Abschluß eines Vorvertrages zwischen den derzeitigen Gesellschaftern Deutsche Bundespost (50%), Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG-Telefunken/Olympia Werke AG (25%) und Siemens AG (25%) sowie Générale de Service lnformatique Europe (GSI), Brüssel, und der INDELEC Schweizerische Gesellschaft für elektrische Industrie, Basel, die mit Wirkung vom 1. 1. 1975 90% der Geschäftsanteile der DATEL erwerben. Die Deutsche Bundespost und Siemens bleiben mit je 5% Anteilseigner.

GSI ist seit längerer Zeit in Europa auf dem Gebiet der EDV-Dienstleistungen tätig; INDELEC ist eine Tochter-Gesellschaft des Schweizerischen Bankvereins. GSI wird die Mehrheit am Stammkapital der DATEL halten.

Diese Vereinbarung beruht auf der Übereinstimmung der unternehmerischen Konzepte bezüglich der Entwicklung und der Aktivitäten im Service-Bereich. Beide Gesellschaften, GSI und DATEL, betreiben das EDV-Dienstleistungsgeschäft mit einer Vielzahl von Kunden und verfügen über große Erfahrungen auf diesem Tätigkeitsgebiet - DATEL in der Bundesrepublik Deutschland mit West-Berlin, GSI in Frankreich, in Italien und in der Schweiz.

Die Unternehmenspolitik von GSI sieht verstärkte Aktivitäten in Europa vor. Die DATEL wird dafür Basis der GSI-Gruppe in der Bundesrepublik Deutschland mit West-Berlin sein. In diesem Sinne ist es die Absicht aller Gesellschafter, die Arbeit der DATEL fortzusetzen, die sechs Geschäftsstellen weiter zu betreiben und den DATEL-Kunden den bewährten Service zu bieten. Die DATEL wird Timesharing in Verbindung mit der auf Europa ausgerichteten Datenfernverarbeitung weiterentwickeln und darüber hinaus die Arbeiten auf dem Gebiet des Rechnerverbunds fortführen.

Die Deutsche Bundespost und die Siemens AG haben überdies ein Optionsrecht auf den Erwerb weiterer Geschäftsanteile.

Darmstadt, den 28. November 1974