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Softwareaufwendungen übersteigen Hardwareproduktion


23.03.1990 - 

Deutsche DV-Industrie gerät zunehmend unter Importdruck

FRANKFURT (ciw) - Kein einheitliches Bild zeigte die Branche im Jahr 1989: Einerseits lag das Wachstum mit sieben Prozent erheblich über dem gesamtwirtschaftlichen Wert, auf der anderen Seite schlug ein - hauptsächlich durch die Datenverarbeitung generiertes - Außenhandelsdefizit von 5,7 Milliarden Mark zu Buche.

Zu diesem Ergebnis kommt die alljährliche Untersuchung des Bundesverbandes Büro- und Informationstechnik (BVB).

"Wir bewegen uns in einem gespaltenen Markt, in dem sich die Wachstumsfelder dramatisch verlagern", kommentierte der stellvertretende BVB-Vorstandsvorsitzende Rudi Häussler die aktuelle Entwicklung. Der Einschätzung des Verbandes zufolge verzeichnet die büro-, kommunikations- und informationstechnische Branche (ohne Software und Service) ein Wachstum von knapp sieben Prozent auf 38 Milliarden Mark Hardware-Inlands-Marktvolumen. Diese Summe ergibt sich aus der inländischen Hardwareproduktion im Wert von 32,2 Milliarden zuzüglich der Hardwareimporte von 26,6 Milliarden und abzüglich der Exporte in Höhe von 20,8 Milliarden.

Durch die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Ein- und Ausfuhr kommt das Außenhandelsdefizit von 5,7 Milliarden Mark zustande.

Die Daten der ersten drei Quartale stammen vom Statistischen Bundesamt, das voraussichtliche Ergebnis des vierten Quartals wurde vom BVB ausgehend von Mitgliederbefragungen hochgerechnet.

Noch stärker als bei der Hardware soll die Inlandsmarktversorgung mit Software und Dienstleistungen wachsen. Der BVB stützt sich auf die Ergebnisse der Infratest-Studie "Der Deutsche Softwaremarkt 1988", in der die Aufwendungen für Individual- und Standardsoftware für 1988 mit 32 Milliarden Mark beziffert worden waren und geht wie Infratest von einer zehnprozentigen Volumensteigerung auf 35 Milliarden Mark aus.

Mit diesem Wert übersteigen die Aufwendungen für Software erstmals die Inlandsproduktion an Hardware, die im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 32,2 Milliarden Mark zurückgegangen ist.

Für das Marktsegment Büromaschinen rechnet der BVB mit einem Wachstum des Inlandsangebotes von 11,2 Prozent auf insgesamt zwei Milliarden Mark. Die Produktion im Inland stieg allerdings lediglich um ein Prozent auf 2,1 Milliarden Mark. In absoluten Zahlen war das Außenhandelsergebnis mit jeweils drei Milliarden Mark für Import und Export zwar ausgeglichen, die Importe nahmen jedoch um 24 Prozent zu - die Exporte hingegen nur um 15 Prozent.

Von einem starken Importdruck war hingegen im vergangenen Jahr der Markt der Informationstechnik geprägt. Die Importe übertrafen mit einer Steigerungsrate von 25 Prozent die Exporte (plus 15,3 Prozent) bei weitem.

Im Außenhandel sorgt die DV vor allem für Defizite

Dieser Importüberschuß habe - so der BVB - für das um voraussichtlich 9,3 Prozent auf 23,6 Milliarden Mark erhöhte Inlandsangebot gesorgt. "Somit verzeichnete der Handel zwar ein ungewöhnlich gutes Außenhandelsgeschäft, zugleich erwirtschaftete die Datenverarbeitung quasi im Alleingang das gesamte Außenhandelsdefizit der Branche", erläuterte Häussler. Der Produktionswert fiel nach Einschätzung des Verbandes im Gesamtjahr 1989 um etwa 3,2 Prozent auf 16,5 Milliarden Mark.

Nur die Kommunikationstechnik verzeichnete ein lebhaftes Außenhandelsgeschäft bei unveränderter Produktion und Versorgung im Inland. Zwar wuchsen auch hier in den ersten drei Quartalen die Importe mit einem Plus von 26,3 Prozent schneller als die Ausfuhren mit 9,8 Prozent. Aber noch liegen die Exporte mit 3,7 Milliarden um 1,3 Milliarden höher als die Einfuhren.

"Im Jahr 1990 werden sich die Trends, die wir für 1989 festgestellt haben, weiter fortsetzen", prognostizierte Häussler. Das gelte vor allem für das hohe Anßenhandelsdefizit.

Die Anwendungen für Software und Dienstleistungen steigen nach Auffassung des BVB auch im nächsten Jahr mit zweistelligen Raten. Häussler wies darauf hin, daß sein Verband bei der nächsten Untersuchung die Zahlen aus diesem Geschäft exakt erheben wolle, damit man nicht mehr auf Schätzungen angewiesen sei.

Außerdem erwartet er durch die Währungs- und Wirtschaftsunion mit der DDR "positive Signale" für das Jahr 1990. Das Marktgeschehen dort werde von einem erheblichen Bedarf bestimmt.

Außerdem dürfe man die Brückenkopffunktion, die die DDR für das Geschäft mit den Staaten des RGW einnehme, nicht unterschätzen.