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11.03.1988 - 

Personalberater locken mit High-Tech-Szene am Südpazifik:

Deutsche DVer sind in Neuseeland gefragt

WELLINGTON - Bundesdeutsche DV-Profis sind nicht nur hierzulande hart umworben. Personalberater aus einem fernen Kontinent haben sie ebenfalls im Visier: Neuseeländische Agenturen versuchen nämlich, mit guten Angeboten DV-Mitarbeiter in ihr Land zu locken. Personalberater Robin Harris aus Wellington beschreibt, was DVer, die der Bundesrepublik den Rücken kehren, auf der entgegengesetzten Halbkugel erwartet.

Die Angebote sind vielfältig: Bundesdeutsche DV-Auswanderer werden von der neuseeländischen Regierung mit Freuden aufgenommen und in ihren Bemühungen, sich einzuleben, unterstützt. Die Rechnerausstattungen in den Unternehmen sind den eingewanderten DV-Profis indes reicht fremd. Eine dominierende Rolle spielen US-Anbieter wie IBM, DEC, Wang und Hewlett-Packard. Europäische Hersteller dagegen sind - bis auf die Ausnahme von Nixdorf kaum vertreten. Die meisten Anwendungen spielen sich im Bereich Banken und Versicherungen ab; der Wissenschafts- und Ausbildungsbereich ist informationstechnisch noch nicht auf dem neuesten Stand. Aber nicht nur von der Regierung werden die bundesdeutschen DVer willkommen geheißen, auch in den Betrieben selber nimmt man sie mit offenen Armen auf. Die Deutschen haben hierzulande einen guten Ruf. Zum einen wird ihre technische Kompetenz bewundert, zum anderen mögen die Neuseeländer ihre umgängliche Art.

Die Unternehmen wünschen sich von ihren neuen Mitarbeitern, daß sie zumindest zwei Jahre Praxiserfahrung aufweisen können - fünf bis sieben Jahre wären ideal. Newcomer dagegen müssen bei der Jobsuche mit hiesigen Universitätsabgängern in Konkurrenzkampf treten. Daß die bundesdeutschen DV-Profis zunächst einmal einen weniger verantwortungsvollen Posten als in der Heimat annehmen müssen, liegt an den mangelnden Sprachkenntnissen. Bei höheren Positionen wie Projektleiter und DV-Manager kommen allerdings noch andere Gründe hinzu. Die Arbeitgeber sind nämlich nicht bereit, Neuankömmlinge sofort mit Management-Aufgaben zu betrauen. Erst einmal müssen die "DV-Gastarbeiter" beweisen, daß sie sich in ihrem neuen Heimatland auch wirklich für längere Zeit niederlassen wollen.

Die Unternehmen sind auch daran interessiert, die jeweiligen Ehefrauen kennenzulernen. Für die berufliche Zukunft des Mannes ist es wichtig, daß auch seine Partnerin sich gut eingelebt hat. Eine große Anzahl der DV-Managernent-Positionen wird inzwischen von Ausländern bekleidet, die in der Regel fünf oder sechs Jahre im Lande sind.

Im Gegensatz zu anderen Ländern hat sich in Neuseeland - zumindest im Berufsleben - die Emanzipation bereits weitgehend durchgesetzt: Ein großer Anteil der leitenden Funktionen ist von Frauen besetzt. Viele Firmen geben weiblichen Arbeitnehmerinnen selbst dann einen verantwortungsvollen Job, wenn diese aufgrund familiärer Verpflichtungen für längere Zeit nicht "fulltime" arbeiten können.

Auf keinen Fall darf man den Aufenthalt in Neuseeland mit dem in einem Entwicklungsland der Dritten Welt vergleichen. Dort erhalten die Mitarbeiter einen Zeitvertrag und kassieren Vergünstigungen für die zum Teil unbefriedigende Lebensqualität. Unsere Regierung und unsere Betriebe wünschen sich Mitarbeiter, die "hereinschnuppern" und dann für eine lange Zeit oder sogar für immer bleiben. Das Land hat schließlich für geplagte bundesdeutsche DV-Profis eine Menge zu bieten: weniger Streß als zu Hause, weniger Umweltverschmutzung und teamfähige Kollegen. Auch ist unsere DV-Welt technisch so "uptodate", daß für Datenverarbeiter, die wieder nach Hause zurückkehren wollen, nicht die Gefahr besteht, während ihres Auslandsaufenthaltes ins Hintertreffen geraten zu sein. Alles in allem: ein idealer Platz zum Leben und zum Arbeiten.

Informationen: Robin Harris, c/o Ernst & Whinney, P.O.Box 2194, Wellington, New Zealand.