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10.12.1993

Deutsche EDI Gesellschaft als Kontrollinstanz umstritten EDI: An branchenspezifischen Subsets fuehrt kein Weg vorbei

STUTTGART (pg) - Die Weichen sind beim Electronic Data Interchange (EDI) jetzt wohl endgueltig in Richtung Edifact gestellt. Dieses Fazit laesst sich nach dem "4. Deutschen Kongress fuer elektronischen Datenaustausch" ziehen. In Stuttgart nahm die Diskussion um die branchenspezifische Definition der Edifact-Nachrichten zwar einen breiten Raum ein, war im Gegensatz zur Vergangenheit aber von Sachlichkeit gekennzeichnet.

Die Unkenrufe, die noch vor kurzem ein Scheitern des weltweit gueltigen EDI-Regelwerkes Edifact an Branchenstandards sowie industriespezifischen Subsets - das sind Untermengen der Nachrichtentypen - prophezeiten, sind weitgehend verstummt. Das Ja zu Edifact fiel in Stuttgart auch deshalb so klar aus, weil sich die Automobilindustrie, die bislang eher als Bremsklotz galt, eindeutig zu der OSI-Norm bekannte. "Wir brauchen eine Branchenausrichtung, aber reine Branchenstandards wie VDA oder Odette fuehren in ihrer Urform in die Sackgasse", erklaerte Hans- Juergen Bartels, Leiter Geschaeftsprozesse Produktentstehung und EDI-Koordination bei der Volkswagen AG, den eingetretenen Sinneswandel der deutschen und europaeischen Fahrzeughersteller.

Der Entschluss, die Ampel fuer Edifact auf Gruen zu stellen, wurde dem VW-Manager zufolge 1991 auf Druck des VDA (Verband der Automobilindustrie) durch die europaeische Organisation der Autoproduzenten Odette gefasst. Die Vereinigung ist derzeit dabei, die Odette-Nachrichten in Edifact-Subsets zu migrieren und wird im Herbst naechsten Jahres 19 solcher Message-Typen vorlegen.

An einer EDI-Zukunft auf Basis von Edifact-Subsets zweifeln die Fachleute jetzt also kaum mehr. "Es steht ein Quantensprung von Branchenstandards zu Edifact-Subsets bevor", aeusserte Peter Melcher, Geschaeftsfuehrer der Unternehmensberatung KPMG sowie aktiv am Entwicklungsprozess von Edifact-Messages fuer die Konsumgueterwirtschaft beteiligt, seine Ueberzeugung ueber die kuenftige Marschrichtung. Nach Ansicht des Consultant ist es jedoch unvermeidbar, dass diese Subsets in ihrer Struktur branchenorientiert sind.

Unterschied zwischen den Subsets faellt gering aus

Einen gewaltigen Fortschritt, gemessen an den herkoemmlichen EDI- Loesungen wie VDA oder Sedas, sieht auch Hans Strueber, Chefberater der IBM Informationssysteme GmbH, in den Edifact-Subsets. Der organisatorische sowie informationstechnische Aufwand bei der Einfuehrung und Abwicklung von EDI in Unternehmen wird, so Strueber, auf Edifact-Basis wesentlich geringer als bei Branchenstandards, die nicht der Edifact-Syntax gehorchen.

Nicht so positiv blickt dagegen Karl-Adolf Hoewel, im Direktionsbereich Grundsatzstrategien der Datev fuer Kommunikationsfragen zustaendig, in die Edifact-Zukunft. Hoewel raeumt zwar grundsaetzlich die Notwendigkeit einer Branchenausrichtung der Subsets ein, kritisiert aber die zwischen den Wirtschaftszweigen divergierende semantische Interpretation der einzelnen Subset-Elemente.

Nach Meinung des Experten, der drei Subsets auf ihre Struktur hin verglichen hat, waeren diese Unterschiede bei der Belegung allgemein genutzter Datenfelder in einer EDI-Nachricht wie zum Beispiel dem Datum nicht zwingend noetig.

"Eine Abweichung von der Edifact-Syntax ist auch nicht schlimmer als zwei Subsets, die denselben Sachverhalt abdecken, unterschiedlich zu verschluesseln", brachte Hoewel seine Kritik auf den Punkt.

Das Argument, die meisten EDI-Anwendungen wuerden sich ohnedies innerhalb ein und derselben Branche bewegen, mag der Stratege, dessen DV-Organisation fuer Steuerberater kaum in ein branchenspezifisches Subset-Korsett zu zwingen ist, nicht gelten lassen. Hoewel fordert deshalb wie zahlreiche andere Fachleute auch die Einrichtung einer Institution, die nicht nur die entwickelten Subsets registriert, sondern auch fuer deren Vereinheitlichung sorgt.

Unterschiedliche Ansichten bestehen in EDI-Kreisen allerdings darueber, ob, und wenn ja, welche Organisation diese Aufgaben ueberhaupt leisten koennte.

Die Mitte des Jahres gegruendete "Deutsche EDI Gesellschaft" (Dedig) wuerde diese Funktion wohl ausueben, geniesst aber nur zum Teil das Vertrauen der EDI-Klientel. "Die Dedig kann diese Aufgabe aus Sicht der Automobilindustrie nicht uebernehmen", meinte zum Beispiel Bartels. Er begruendete seine Aussage damit, dass die Berliner als branchenuebergreifendes Organ nicht ueber das Know-how verfuegen, um die Belange der Autobranche zu beurteilen.

Otto Bernd Kirchner, Geschaeftsfuehrer der Dedig, raeumte grundsaetzlich die Bereitschaft seiner Organisation ein, Subsets zu verwalten und gegen Gebuehr auch auf ihre Syntaxkonformitaet zu pruefen. Allerdings, so Kirchner, sei bisher die Neigung der Branchen, ihre Nachrichtenentwicklungen zu melden und von der Dedig kontrollieren zu lassen, sehr gering gewesen. Bislang habe die Gesellschaft lediglich vier Subsets auf Herz und Nieren gecheckt, die alle in ihrer ersten Ausfuehrung nicht einwandfrei der Edifact-Syntax entsprachen.

Subset-Datenbank kann Redundanzen vermeiden

Eine Registrierung auf nationaler Ebene beim DIN oder der Dedig haelt dagegen Hans Roden, bei der EG-Kommission fuer Tedis - ein Projekt zur Foerderung von EDI in der EG - taetig, fuer nutzlos, weil die meisten Geschaeftsprozesse auf internationaler Ebene ablaufen. Roden wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Bruesseler Eurokraten die Schaffung eines internationalen Anwenderforums planen, das bei der Offenlegung der Subsets helfen und zur Eindaemmung des Wildwuchses solcher Nachrichten beitragen koennte. Voraussetzung fuer eine solche Initiative sei allerdings die Bereitschaft der Industrie, sich daran zu beteiligen.

Waehrend das eine Lager auf eine koordinierende Organisation hofft, setzt das andere, das wurde auf dem Kongress deutlich, auf die Selbstheilungskraefte des Marktes. Mehr Konsens bestand unter den Tagungsteilnehmern jedoch darueber, die Zahl der Subsets so gering wie moeglich zu halten. Chefberater Strueber haelt auch deshalb eine Registrierungsstelle fuer vorteilhaft, weil bereits bestehende Nachrichtentypen dort von Entwicklern eingesehen und so die Bildung eines neuen Subsets unter Umstaenden verhindert werden koennte.

Natuerlich wurde in Stuttgart auch die Frage nach einem Super- Subset diskutiert, der die wesentlichen Elemente aller Branchen zwingend beinhalten und vorschreiben wuerde. Diesen kleinsten gemeinsamen Nenner aller Wirtschaftszweige halten einige EDI- Experten fuer moeglich, die meisten aber fuer ueberfluessig. Selbst Datev-Stratege Hoewel glaubt nicht, dass es jemals einen sogenannten Super-Subset geben wird, hofft aber wenigstens auf eine Grundmenge, die bei der Entwicklung fuer alle Subsets bindend ist.

In der Schwabenmetropole wurde allerdings auch deutlich, dass die Diskussion um die technische Definition der Subsets zwar Bezug zur Praxis hat, ihre Nutzung aber leider weitgehend noch Theorie ist. Die meisten Projekte in der Konsumgueterwirtschaft beruhen nach wie vor auf dem Branchenstandard Sedas, wussten die Berater Strueber und Melcher aus ihrer Erfahrung zu berichten. Eine Migration zu Eancom, dem Edifact-Subsets des Handels, findet gegenwaertig kaum statt.

EDI-Software weist jetzt mehr Funktionalitaet auf

Die Hersteller von EDI-Produkten sind eigenen Angaben zufolge der Marktsituation jedenfalls gewachsen. Ein Wechsel von den Branchenstandards in Edifact-Formate sei durch die am Markt erhaeltlichen Konverter in der Regel abgedeckt. Auf der den Kongress begleitenden Ausstellung wurden Produkte dieser Art mit erweiterter Funktionalitaet und erstmals unter Windows gezeigt. In Stuttgart stellte ferner das DIN mit "Edifix" ein Tool zum Generieren von Subsets vor. Die Normdatenbank der Berliner wird kuenftig nur noch ueber dieses Werkzeug ausgeliefert. Bleibt zu hoffen, dass auch der Wunsch von DV-Planer Hoewel in Erfuellung geht: "Es waere traumhaft, wenn man Edifact-Auswertungssoftware im PC- Laden kaufen koennte."