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18.05.1984 - 

Meerbuscher DFÜ-Anbieter will nach Absatzschlappen nur noch Wartungsgeschäft betreiben:

Deutsche Eurotech stellt Systemvertrieb ein

18.05.1984

MEERBUSCH - Die bundesrepublikanische DV-Szene ist um ein trauriges Kapitel reicher: Wachsende Verluste, gravierende Managementfehler sowie eine mißlungene Produktpolitik zwangen jetzt die Deutsche Eurotech GmbH zur Aufgabe ihrer Vertriebsaktivitäten. Nach dem Weggang des gesamten Managements befindet sich nun auch ein Großteil der Belegschaft des ehemals renommierten Meerbuscher Anbieters von Datenfernverarbeitungs-Equipment in Auflösung. Von knapp 60 Mitarbeitern wurden bereits 25 entlassen: der Rest trägt sich dem Vernehmen nach derzeit mit Abwanderungsgedanken.

Obwohl Neu-Geschäftsführer Khushroo Contractor, ein gebürtiger Inder, mit Verve verkündet, er wolle sich fortan auf das immer attraktiver werdende Miet- und Wartungsgeschäft konzentrieren, hält sich in der Branche das Gerücht, die Eurotech-Mutter, der britische Telefon-Multi Cable & Wireless, befinde sich schon auf der Suche nach einem geeigneten Übernahmepartner für ihre kränkelnde Tochter. Gekündigte wie verbliebene Mitarbeiter des Meerbuscher DFÜ-Lieferanten sind über diese Entwicklung erschüttert und erbost: "Das ist eine ganz große Sauerei, was man hier mit uns macht", echauffiert sich ein Vertriebsbeauftragter, der erst seit einigen Monaten im Unternehmen ist und jetzt seinen Hut nehmen mußte.

Derart harte Kritik scheint aus Sicht der Eurotech-Angestellten durchaus berechtigt. So hatte Geschäftsführer Alfred-Josef Draskovits bei seinem Eintritt vor etwa einem halben Jahr auf der "Systems '83" gegenüber Presseleuten und der Belegschaft vollmundig erklärt, er wolle die GmbH verstärkt auf Expansion trimmen und die Mitarbeiterzahl von 60 auf 400 Leute aufstocken. Doch das Engagement des Österreichers wurde schon bald gebremst. Das Systemgeschäft lief nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte, und das Unternehmen schlitterte immer weiter in die Krise. Zur Hannover-Messe nahm Draskovits schon etwas den Fuß vom Gas und erklärte, bis Ende 1984 wolle er rund 100 Mitarbeiter auf seinen Gehaltslisten stehen haben. Kurz darauf stellte er noch zwei Niederlassungsleiter ein, die zum 1. Juli ihren Dienst antreten sollten. Dazu wird es jetzt nicht mehr kommen. Der Eurotech-Geschäftsführer warf am 7. Mai nach siebenmonatigem Gastspiel das Handtuch - der Systemvertrieb wird eingestellt.

Da der Ex-Racal-Vertriebschef Eurotech-Angaben zufolge mit unbekanntem Ziel abgereist ist, übernimmt Nachfolger Contractor die Erklärung für dessen Weggang: "Draskovits war mit den neuen unternehmerischen Zielen nicht einverstanden, er kam aus dem Vertrieb und sah seine Aufgabe im Produktgeschäft." Für den Mißerfolg der GmbH könne er ihn keineswegs verantwortlich machen, da der Markt für die Deutsche Eurotech hierzulande besonders schwierig sei.

In einem Brief an alle Angestellten vom 4. Mai erklärte Contractor jedoch wesentlich präziser, warum es zu einer Kurskorrektur der bisherigen Absatzstrategien kam: "Die Firma hat unter angespannten wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelitten, die zu erheblichen Verlusten im abgelaufenen sowie im derzeitigen Finanzjahr geführt haben. Dies hat zu einer Neueinschätzung unserer Handelsziele geführt, mit dem Resultat, daß der Vertriebsteil unseres Geschäftes äußerst beschnitten werden mußte und besondere Betonung auf das Vermietungs- und Wartungsgeschäft gelegt werden soll."

Mit der Einstellung sämtlicher Vertriebsaktivitäten setzt die Cable & Wireless Limited jetzt einen Schlußstrich unter die jahrelange Produktodyssee ihrer deutschen Tochter, die mit der Übernahme der Onyx-Mercator-Systeme nach dem Zusammenbruch der HPR Computer GmbH im Sommer letzten Jahres ihren Höhepunkt erlebte (siehe CW Nr. 34 vom 19. August 1983 "HPR-Übernahme: Schweres Erbe für Eurotech"). Als sich das damalige Meerbuscher Management unter Führung von Geschäftsführer Walter Siebert auf Drängen der Briten in die Position eines Nachlaßverwalters für die HPR-Bürocomputer begab, war die Deutsche Eurotech ein zwar nicht übermäßig florierendes, aber immerhin gesundes Unternehmen. Die Cable & Wireless-Manager wollten sich mit Onyx-Mercator-Systemen neben ihren Communications-Produkten (Modems, Multiplexer) und dem Terminal-Vertrieb ein drittes Bein im deutschen Markt schaffen. Nach den Schwierigkeiten, die bereits die HPR Computer GmbH mit den Office-Rechnern hatte, erwies sich die Übernahme des Equipments schon bald als folgenschwerer Fehler. Wie aus Eurotech-Kreisen zu erfahren ist, sind die Rechner auch bei den Rheinländern nie richtig zum Laufen gekommen.

Die größte Dummheit beim HPR-Deal schreiben jedoch Eurotech-Insider Geschäftsführer Draskovits zu. Während sich Vorgänger Siebert mit der Bezahlung der Rechner noch Zeit ließ, weil die Geräte nach Aussagen des damaligen Vertriebschefs Klaus-Dieter Rausch nicht den zugesagten Bedingungen entsprachen, habe der Österreicher gleich bei seinem Dienstantritt die komplette Summe an die HPR-Eigner gezahlt. "Die HPR-Leute schlugen sich vor Freude auf die Schenkel und sind vor Lachen fast vom Stuhl gefallen als das Geld endlich kam", symbolisiert ein Eingeweihter den Schnitzer des Eurotech-Leaders. Doch damit nicht genug: Draskovits habe sich vom europäischen Onyx-Mercator-Management noch dazu überreden lassen, sagen Insider, sein Depot mit immer noch mehr Systemen aufzufallen.

Obgleich Eurotech-Mitarbeiter versichern, daß die Lagerhallen voll mit Rechnern des amerikanischen Herstellers stehen, spricht Debutant Contractor von "erheblichen Mengen", die bereits verkauft seien. Zuversichtlich ist er auch, die restlichen Maschinen im Markt unterzubringen. Daß dieses Vorhaben jedoch in der jetzigen Situation weitaus schwieriger ist als es sich der Inder vorstellt, bestätigen die unfreiwillig ausscheidenden Vertriebsleute. Inzwischen seien bereits zahlreiche Kunden von ihren Aufträgen zurückgetreten, weil sie befürchteten, die Wartungsfrage könne ungeklärt bleiben. Aus der Hamburger Eurotech-Geschäftsstelle wird berichtet, daß ein Großkunde von einem Vertrag in Millionenhöhe Abstand genommen habe nachdem die Auflösung des Vertriebs bekannt wurde.

Geschäftsführer Contractor macht indes weiterhin in Optimismus: "Wir werden zusätzliche Manpower einstellen und unsere Wartungsaktivitäten ausbauen." Die Konzernmutter würde sich seit mehr als zwei Jahren erfolgreich im Servicegeschäft engagieren, wobei die bisherigen Erfahrungen gezeigt hätten, daß auf diesem Gebiet auch in Deutschland eine Marktlücke klaffe. Auch ein Brief der Cable & Wireless-Führung an die Eurotech-Mitarbeiter vorn 9. Mai 1983 zielt in die gleiche Richtung. Originaltext: "Die Tatsache, daß die Beschäftigten der technischen Abteilung zum größten Teil von Kündigungen verschont wurden, spiegelt unsere Zuversicht wider, daß auf diesen Gebieten (Miet- und Serviceverträge) und möglicherweise auch bei der Wartung von Anlagen anderer Hersteller eine Expansion möglich ist.

Weitere Entlassungen geplant

Die motivierenden Äußerungen der Briten könnten sich für ein Teil der rund 30 verbliebenen Eurotech-Angestellten jedoch schon bald als Farce erweisen. Wie ein Mitarbeiter aus der Meerbuscher Unternehmenszentrale erzählt, sei er per Zufall an einem Kopiergerät auf (...) gestoßen, die Untersuchungsergebnisse einer Unternehmensberatung enthielten. Darin sei zu lesen, daß es sinnvoll sei, die restliche Belegschaft noch weiter, auf knapp 20 Leute, zu reduzieren.

Als Auffangbecken für gekündigte Mitarbeiter bot sich inzwischen die IMK GmbH in Kaarst an, ein Unternehmen, das von Ex-Eurotech-Geschäftsführer Siebert gegründet wurde und sich im gleichen Markt wie die Meerbuscher bewegt. Siebert befindet sich derzeit nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit den Londoner Cable & Wireless-Managern bezüglich der Übernahme des verbliebenen Eurotech Equipments. Dabei hätten sich die Briten laut IMK-Vertriebschef Klaus-Dieter Rausch in widersprüchliche Aussagen verwickelt. Einerseits seien sie bestrebt, lediglich die Lagerbestände zu veräußern, andererseits ließen sie durchblicken, daß sie auch daran interessiert seien, die gesamte Eurotech zu verkaufen. Rausch nimmt deshalb an, daß die Briten beabsichtigen, mit den verbliebenen Wartungstechnikern zunächst die Stellung zu halten, um den Serviceverpflichtungen nachzukommen, bis sich ein potentieller Käufer gefunden habe. Ärgert sich Geschäftsführer Contractor über derartige Spekulationen: "Es wurde noch kein Gedanke daran verschwendet, das Unternehmen zu veräußern - wir machen tatkräftig weiter."