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19.06.1998 - 

Vom Umgang mit geistigem Kapital

Deutsche Firmen behaupten: Wissen benötigt Management

Wissen ist ein Produktionsfaktor, der mehr als 60 Prozent zur Wertschöpfung im Unternehmen beiträgt, schätzen drei Viertel der vom Fraunhofer-Institut Arbeitswirtschaft befragten Unternehmen. Rund 96 Prozent halten deshalb ein geordnetes Wissens-Management für wichtig oder sehr wichtig.

Darüber hinaus gibt die Mehrheit (62 Prozent) an, mit Wissens-Management lasse sich die Qualität der Produkte verbessern, die Kundennähe sowie die Innovationsfähigkeit steigern. Nach Einschätzung der Befragten ließe sich sogar die Produktivität um durchschnittlich 25 Prozent erhöhen, wenn das gesamte im Unternehmen vorhandene Wissen verfügbar wäre.

Um so erstaunlicher scheint es, daß Nutzung und Verteilung von Wissen in den meisten Unternehmen im argen liegen. So halten nur 20 Prozent der Befragten den Gebrauch vorhandenen Wissens in ihrem Unternehmen für gut oder sehr gut. Diese Einschätzung zeigt sich unabhängig von der Branche, der Unternehmensgröße, der Organisationsform, der Dauer der Betriebszugehörigkeit und der Position des Befragten. Bestätigt wird die Mißachtung von Wissensressourcen durch die Beurteilung des Wissenstranfers zwischen den Kollegen. Lediglich 23 Prozent bewerteten ihn als gut oder sehr gut. Dabei geben 60 Prozent der Unternehmen an, den Wissensbedarf der Mitarbeiter zu ermitteln.

Allerdings beschränken sich die Erhebungen meist auf Gespräche mit Vorgesetzten. Lediglich 20 Prozent gehen systematisch vor: mit Hilfe von Bedarfsanalysen, internen Projekten oder moderierten Workshops.

Die Weitergabe von Informationen erfolgt nur, wenn das Umfeld eine Vertrauensbasis bietet. Vielleicht bieten deshalb Kantine, Gang und Dienstreise den klassischen und, wie diverse Untersuchungen zeigen, einen wichtigen Rahmen für den Informationsaustausch. Doch insbesondere mit Hilfe von Internet und Intranet läßt sich diese Basis professionell erweitern.

Zahlreiche Unternehmen implementieren etwa sogenannte Project Yellow Pages im hauseigenen Netz. Gespeichert werden hier neben einer Kurzbeschreibung der Projekte auch die jeweiligen Teammitglieder und wie diese erreichbar sind. Die Variante Expert Yellow Pages enthält neben Name und Erreichbarkeit auch ein Qualifikationsprofil der Mitarbeiter.

Informationstechnologie stößt allerdings immer noch schnell an ihre Grenzen. So wird die Bedeutung von Expertensystemen, die Auswertung von operativen Daten sowie Dokumenten-Management-Systemen gering eingeschätzt.

Der Aufbau von neuem Wissen erfolgt hauptsächlich über Kunden(-Datenbanken). Die Pharma- und Chemie-Industrie zieht zusätzlich Konkurrenzanalysen hinzu. Eine häufige Methode ist der Einsatz sogenannter Wettbewerbermatrizen. Diese stellen strukturiert Wissensgebiete dar und erleichtern das Erkennen von hausinternen Defiziten. Informationen aus weiteren Quellen wie Fachzeitschriften, Konferenzbeiträge oder informelle Gespräche lassen sich schnell in ein solches Raster einordnen. Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen insbesondere Universitäten rangieren bei der Wissensbeschaffung übrigens an letzter Stelle.

IAO-Forschung

In der Studie "Wissens-Management heute. Daten, Fakten, Trends" stellen Hans-Jörg Bullinger, Kai Wörner und Juan Prieto vom Fraunhofer-Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) die Ergebnisse einer Befragung von 311 deutschen Unternehmen vor. Die Auswertung gliedert sich in Wissensziele, -identifikation, -erwerb, -entwicklung, -(ver)teilung, -bewahrung, -nutzung und Wissensbewertung. Näheres zu dem Bericht erfahren Interessenten unter der E-Mail-Adresse juan.prietoiao.fhg.de.

Abb: Noch immer ist das Telefon das Kommunikationsmittel zur Informationsbeschaffung. Quelle: IAO, Stuttgart