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15.10.2004

Deutsche Firmen bilden zu wenig weiter

In deutschen Unternehmen steht das Thema Weiterbildung hoch im Kurs - allerdings nur theoretisch. Bei der Umsetzung bilden die Deutschen im europäischen Vergleich das Schlusslicht.

Der Untersuchung "Skills Survey" zufolge, in der das Marktforschungsinstitut Forrester im Auftrag von IBM 255 europäische Firmen befragte, sehen über 90 Prozent der Unternehmen Weiterbildung als einen entscheidenden Faktor für ihre Wettbewerbsfähigkeit an. Allerdings haben nur zwei von drei Firmen ein formales Weiterbildungsprogramm etabliert, und lediglich 50 Prozent der Unternehmen setzen in diesem Zusammenhang E-Learning-Kurse ein.

Wie sehr Anspruch und Wirklichkeit auseinander klaffen, zeigen vor allem die Ergebnisse aus Deutschland: Zwar gaben 76 Prozent der hiesigen Unternehmen an, dass Weiterbildung entscheidend zu ihrer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit beitrage, bei der Umsetzung sieht es jedoch ganz anders aus. Trotz aller theoretischen Wertschätzung von Weiterbildungsmaßnahmen besitzen gerade mal 36 Prozent der Befragten ein offizielles Programm, nach dem die Fähigkeiten der Mitarbeiter erkannt, entwickelt und gefördert werden.

Auch beim E-Learning belegt Deutschland hinter den anderen europäischen Staaten den letzten Platz. Nur 36 Prozent haben der Studie zufolge ein E-Learning-Programm etabliert - im Gegensatz zu 61 Prozent in Frankreich und 57 Prozent in Italien. "In Deutschland stehen wir den neuen Lernformen besonders distanziert gegenüber. Dabei werden diese den Anforderungen unserer zunehmend mobilen, dynamischen Arbeitswelt und der rasanten technologischen Entwicklung gerecht", kommentiert Matthias Landmesser, Leiter der Personalentwicklung der IBM Deutschland GmbH.

Großbritannien ist Vorreiter in der Mitarbeiterweiterbildung

Das Thema Weiterbildung spielt bei den Franzosen eine untergeordnete Rolle: Nur 35 Prozent der Firmen sind der Meinung, dass sie durch Mitarbeiterschulungen innovativer und wettbewerbsfähiger werden. Am fortschrittlichsten in Sachen Training ist offenbar Großbritannien: 87 Prozent der befragten Firmen gaben an, ein spezielles Fortbildungsprogramm zu besitzen. An zweiter Stelle folgen die skandinavischen Länder mit 79 Prozent.

Die europäischen Firmen geben in vielerlei Hinsicht ein zwiespältiges Bild ab, was das Thema Weiterbildung anbelangt. So haben entsprechende Programme in der Regel keinen großen finanziellen Spielraum: Denn obwohl sich die meisten EU-Arbeitgeber darin einig sind, dass Qualifizierung wichtig ist, geben sie im Durchschnitt nur 0,05 Prozent ihres Umsatzes dafür aus. Auch der Qualität der Schulungen stehen die europäischen Unternehmen mehrheitlich skeptisch gegenüber: Nur ein Viertel der Befragten beurteilte laut Forrester die Weiterbildungsprogramme, die Fähigkeiten wie Zusammenarbeit und Veränderungskompetenz schulen, als wirksam.

Motiviert Weiterbildung zum Jobwechsel?

Nicht wenige Firmen befürchten zudem, dass Weiterbildung die Gefahr erhöht, Mitarbeiter an die Konkurrenz zu verlieren. Mit anderen Worten: Je gebildeter der Angestellte, desto höher das Risiko, dass er sich nach einem anderen Job umsieht oder abgeworben wird. Am ängstlichsten sind in dieser Hinsicht die Deutschen: 62 Prozent der hiesigen Firmen hegen derartige Befürchtungen, in Italien sind es 60 Prozent, in Großbritannien 27 Prozent, in Spanien 23 Prozent und in Skandinavien 15 Prozent.

Am wenigsten Bedenken haben die Franzosen, wo lediglich neun Prozent der Firmen ein gewisses Risiko darin sehen, dass gut qualifizierte Mitarbeiter das Unternehmen verlassen könnten. (ka)

Abb: Weiterbildung in Europa

Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander: Firmen mit einem Weiterbildungskonzept sehen dies nicht unbedingt als Wettbewerbsvorteil. Quelle: Forrester