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16.10.1998 - 

Thema der Woche Call-by-Call, Preselection und Least Cost Routing:

Deutsche Firmen schöpfen die Mittel des TK-Wettbewerbs aus

Strenggenommen herrschte in Deutschland in Sachen Sprachkommunikation bis Anfang 1998 eine Zweiklassengesellschaft. Zu den Privilegierten zählten die Großunternehmen. Sie konnten aufgrund der Corporate-Network-Regelung (siehe Glossar) seit 1993 ihren Sprachverkehr mehr oder weniger frei in eigener Regie, mit Hilfe der Telekom oder wahlweise mit alternativen Anbietern betreiben. Die Großkunden profitierten so von einem Wettbewerbsszenario, das ihnen früher als anderen Betrieben erlaubte, Einfluß auf die Kommunikationskosten zu nehmen.

Mittelständischen oder kleinen Firmen waren hingegen die Hände gebunden. Für sie stand der Betrieb eines Corporate Network nie zur Debatte, Druckmittel auf den standardmäßigen Netzbetreiber, die Deutsche Telekom, gab es kaum. Doch seit Beginn des Jahres haben sich die Vorzeichen geändert. Mit den Verfahren Call-by-Call, Preselection und Least Cost Routing existieren nun auch für Betriebe dieser Größenordnung Mittel, den Carrier selbst zu wählen und somit in die Entwicklung der Telefonkosten einzugreifen.

Die deutschen TK-Manager scheinen jedenfalls fest entschlossen, dieses neue Wettbewerbspotential auszuschöpfen. Mehr als die Hälfte der befragten 518 Firmen gab an, mindestens eine der drei genannten Einwahlmethoden anzuwenden. Auch wenn der Anteil der Traditionalisten, die weiter ausschließlich die Dienste der Telekom nutzen, hoch ausfällt, ist eines nicht von der Hand zu weisen: Beim professionellen deutschen TK-Anwender herrscht Aufbruchsstimmung in den Wettbewerb (siehe Grafik).

Die Art und Weise, wie sich die Firmen in den liberalisierten TK-Markt vortasten, fällt jedoch ganz unterschiedlich aus. Spitzenreiter unter den im Telekommunikationsgesetz (TKG) festgeschriebenen Dial-in-Techniken ist das Call-by-Call-Verfahren, bei dem der Anbieter vor jedem Gespräch individuell durch Vorwahl einer Kennziffer bestimmt wird. Die meisten der interviewten Unternehmen sehen darin zunächst das probateste Mittel, die Gestaltungsfreiheit des Wettbewerbs auszukosten.

Call-by-Call erfüllt für seine Anwender dabei im wesentlichen drei Zwecke. Erstens hilft es Kosten sparen, zweitens bietet es die Chance zu experimentieren, und drittens sichert es die absolute Wahlfreiheit. Wie sehr die befragten Firmen diese drei Wettbewerbskriterien schätzen, belegt die Umfrage. Nahezu alle beanspruchen die Dienste von mindestens zwei oder sogar noch mehr Anbietern, um gezielt die Telefonkosten zu drosseln.

Unangefochtene Nummer eins unter den Call-by-Call-Providern ist Mobilcom. Die CW-Studie ermittelte für den Senkrechtstarter einen Marktanteil von knapp 60 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgt an zweiter Stelle Mannesmann Arcor mit 27 Prozent. Rang drei teilen sich fast gleichauf Tele 2, Talkline und Teldafax. Dieses Ergebnis läßt zwei Schlüsse zu: Zum einen haben sich für Mobilcom und Arcor der Frühstart und das geschickte Marketing gelohnt. Zum anderen profitieren Service-Provider wie Mobilcom oder Talkline von ihren Erfahrungen im Mobilfunkgeschäft.

Der Run auf Call-by-Call dokumentiert außerdem einen weiteren Vorteil des Verfahrens. Es gibt Firmen die Möglichkeit, verschiedene Provider ohne feste Bindung zu testen. Je nach Zufriedenheit kann auf diese Weise eine Vorauswahl für einen späteren Preselection-Partner (siehe Glossar) getroffen werden.

Stichwort Zufriedenheit: Im großen und ganzen erteilen die Kunden ihren Call-by-Call-Anbietern gute Noten. Mit einem Wert von 1,7 rangiert die Sprachqualität dabei auf einer Skala von 1 bis 6 an erster Stelle, gefolgt von den Anmeldemodalitäten (1,9), der Rechnungsstellung (2,0) und der Erreichbarkeit (2,4). Erstaunlich, daß die Anmeldung, die bei einigen Carriern Pflicht ist, von den Kunden in diesem Maß toleriert wird. Nachholbedarf besteht hingegen bei der Verfügbarkeit, wo die Provider mit der Note 2,4 mit einem blauen Auge davonkamen. Hier erhalten sie - äußerst kulant - die Quittung für das Chaos Anfang des Jahres, als mangelnde Netzkapazitäten das Telefonieren oft zum Geduldsspiel machten.

Geduld benötigen die Betriebe auch, um im Tarifdschungel den Überblick zu wahren. Anwender der Call-by-Call-Technik müssen viel Liebe zum Detail mitbringen, wollen sie stets den günstigsten Tarif für die variierenden Zeit- und Entfernungszonen entdecken. In der Regel ist Call-by-Call daher eine Domäne kleiner Firmen mit bis zu maximal 50 Mitarbeitern. Größere Unternehmen nutzen diese Methode nur ergänzend.

Um an Tarifinformationen zu kommen, greifen die für die Telekommunikation verantwortlichen Preisfüchse in den Betrieben auf verschiedene Medien zurück. Der Umfrage zufolge beziehen die meisten ihr Gebühren-Know-how aus dem Internet sowie Computerfachzeitschriften und bewerten diese Bezugsquellen auch entsprechend gut (beide 2,1). Akzeptabel ist auch noch die Tagespresse (2,8), während die Konsumenten den Service-Providern (3,0) sowie CD-ROMs (4,2) als Bezugsquellen für Infos schlechte Zensuren ausstellen.

Vermutlich wegen der mühsamen Tarifsuche, mittlerweile aber auch auf Grundlage ausreichender Provider-Kenntnis, plant ein Drittel der Call-by-Call-Nutzer, relativ kurzfristig auf Preselection umzusteigen. Dieses Verfahren bedeutet den bequemeren Weg, aus dem TK-Wettbewerb Kapital zu schlagen, weil sämtliche Telefonate automatisch über einen Netzbetreiber abgewickelt werden. Auch alle bei der Telekom verbliebenen Kunden sind als Preselection-Anwender zu betrachten.

Für die feste Bindung an einen neuen Provider haben sich rund 17 Prozent der befragten Unternehmen entschieden. Sie kehrten der Telekom den Rücken, wollen den Sprachdienst aber weiter aus einer Hand. Auffällig ist dabei, daß für Preselection-Verträge eigene Marktgesetze gelten. Während Mobilcom in Sachen Call-by-Call die Nase klar vorn hat, landen die Norddeutschen bei der Preselection unter ferner liefen. In diesem Fall schenken die Unternehmen - vornehmlich im Bereich von 50 bis 500 Mitarbeitern - am häufigsten Mannesmann Arcor das Vertrauen. Hier könnte sich ein Trend abzeichnen, daß Preselection-Kunden, also hauptsächlich der Mittelstand, eher auf große Netzbetreiber bauen.

Haben die Kunden erst einmal gewechselt, halten sie ihrem Preselection-Partner die Treue, ähnlich wie andere der Telekom. Drei Viertel sind mit ihrem Provider zufrieden (siehe Bewertungsskala), einige sammeln noch Erfahrungen, und nur vier Unternehmen kehrten wieder zur Telekom zurück. Rund 30 Prozent der Preselection-Nutzer unterschrieben gleich zu Beginn des freien Wettbewerbs Anfang 1998 einen Vertrag. Ein zweiter Boom war nach der CeBIT und im April festzustellen, als Otelo an den Start ging. Unterdessen sind die Anmeldungszahlen relativ konstant. Ein Drittel der Verträge ist auf zwölf Monate befristet, 16 Prozent der Kunden binden sich gar nur für drei Monate.

Jeder Bindung sowie der persönlichen Jagd nach dem günstigsten Tarif gehen die Nutzer des Least Cost Routing (LCR) aus dem Weg. Bei dieser dritten Einwahlmethode suchen Maschinen, in der Regel die TK-Anlage oder eine vorgeschaltete Box (Router), für jedes Telefonat automatisch den günstigsten Provider aus. Rund ein Viertel der Unternehmen, die auf alternative Carrier setzen, haben solche Technik im Einsatz.

Den Löwenanteil dieser Gruppe bilden Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten. Die Erklärung liegt auf der Hand: In der Regel stehen dort TK-Anlagen, die über LCR-Funktionalität verfügen. Kleinere Firmen lassen hingegen vorgeschaltete Router, die je nach Leistungsfähigkeit im Preis variieren, die Einwählarbeit verrichten. Ein Drittel aller LCR-Nutzer mußte, so die Studie, ihre Anlagen durch zusätzliche Installation von Hard- und Software für den Wettbewerb rüsten. Für die Pflege der Tarifinformationen in den Systemen sorgen hauptsächlich Mitarbeiter im Haus oder die Hersteller der TK-Anlagen. Ansonsten werden die Daten über Online-Updates oder externe Dienstleister eingespeist.

Bleibt schließlich noch der Blick auf die Schar der eingangs zitierten Corporate-Network-Betreiber, die rund ein Zehntel aller an der Studie beteiligten Unternehmen ausmacht. Selbst diese Klientel, die schon vor 1998 den Carrier frei wählen konnte, zieht aus der Liberalisierung zum 1. Januar 1998 zusätzlich Nutzen. Knapp die Hälfte dieses Lagers gab an, durch weiter gesunkene Tarife, mehr Bandbreite und neue Anwendungen zu profitieren. Kaum Auswirkung hat der modifizierte Wettbewerb jedoch auf den Betrieb der Corporate Networks. Nur jeweils zwei Unternehmen wollen ihr eigenes Netz aufgeben oder komplett outsourcen.