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12.01.1996 - 

Outsourcing/Rahmenbedingungen reduzieren die Wirksamkeit einer anderen IT-Strategie

Deutsche Firmen sind skeptisch gegenueber Auslagerung ihrer DV

Im Laufe der Zeit stellte sich fuer die US-amerikanische Pioniernutzer dieser neuen Art der Leiharbeit heraus, dass nicht die reine Verringerung der Fixkosten der gewinnbringende Faktor war. Vielmehr erwies sich die Steigerung der Wettbewerbsfaehigkeit durch die staerkere Ausrichtung auf die Kernkompetenzen des Unternehmens und den Zugriff auf Experten fuer IT-Projekte, ohne all diese im eigenen Unternehmen beschaeftigen zu muessen, als besonderer Vorteil.

Jedoch geht das Wachstum in Europa von einer sehr niedrigen Ausgangsposition aus. Die Gartner Group schaetzt in einer Studie, dass nur zwischen fuenf und sieben Prozent der DV-Ausgaben in den Unternehmen an Outsourcer wanderten.

Die europaeischen IT-Outsourcing-Aktivitaeten fussen im wesentlichen auf nur vier Marktsegmenten: Produktion, oeffentliche Verwaltung, Infrastrukturanbieter und Finanzdienstleister. Diese werden auch bis 1999 noch mehr als 50 Prozent des Umsatzes machen.

Allerdings ist bereits ein starkes Wachstum in den Branchen Energiewirtschaft und Handel abzusehen. Die Messung des Marktwachstums gestaltet sich auch deshalb besonders schwierig, weil in dem noch kleinen europaeischen Markt ein Grossabschluss wie beispielsweise bei British Aerospace die Gesamtergebnisse sehr stark verschiebt.

Die Gruende fuer das Hinterherhinken der Europaeer hinter dem US-Markt sind in den unterschiedlichsten Bereichen zu suchen. Zum einen ist der Grad an DV-Marktdurchdringung immer noch geringer als in den USA, zum anderen setzen strengere Arbeitsschutzgesetze den Moeglichkeiten zu Entlassungen viel engere Grenzen, so dass die Vorteile des IT-Outsourcing erst mit Verzoegerung greifen. Ein weiterer Grund ist eine insgesamt geringere Mobilitaet der eingesetzten Fachleute, die nicht bereit sind, fuer ihren Beruf haeufig den Wohnort zu wechseln.

Eine Studie der Computer Sciences Corp. (CSC) aus dem Jahr 1994 ergab, dass sich dennoch rund 72 Prozent der befragten europaeischen Unternehmen fuer IT-Outsourcing interessieren, bereits Teile ihrer DV-Abteilungen ausgelagert haben oder dies planen. Die Outsourcing-Bereiche mit dem schnellsten Wachstum sind dabei Anwendungsentwicklung, Rechenzentrums-Management sowie Telekommunikation und Netzwerke.

Die Groessenschaetzungen des europaeischen Outsourcing-Markts sind auch deshalb schwer, weil sie in hohem Masse von der Definition und der Art der ein- beziehungsweise ausgeschlossenen Dienste abhaengen. Am Umsatz gemessen ist Grossbritannien der groesste Markt in diesem Bereich. Eine weite Verbreitung des Outsourcing gibt es auch in Skandinavien und den Niederlanden, obgleich die dort erzielbaren Umsaetze wegen der kleinen nationalen IT-Maerkte sehr begrenzt sind und deshalb nur geringe Auswirkungen auf den europaeischen Gesamtumsatz haben.

Outsourcing widerspricht europaeischer Mentalitaet

In Italien und Deutschland ist der Widerstand gegen Outsourcing wohl zum grossen Teil eine Mentalitaetssache. Die Entscheidung, wichtige DV-Angelegenheiten und Unternehmensinterna nach aussen zu geben, gehoert noch nicht zu den selbstverstaendlichen Dingen. Eine Veraenderung ist aber deutlich spuerbar und so ist mit der sukzessiven Erschliessung von zwei grossen Maerkten zu rechnen. Weitere potentielle Wachstumsmaerkte sind Spanien, Portugal und Osteuropa.

Das erwartete durchschnittliche Wachstum in Europa wird sich in den kommenden Jahren bei 16 Prozent bewegen, wobei es durchaus Ausreisser wie Italien und Spanien mit ueber 20 Prozent geben wird.

Zum erwarteten Wachstum des Outsourcing-Markts in Deutschland und den Nachbarlaendern werden einige Faktoren wesentlich beitragen: Die generelle Verlangsamung der Rezession, die Privatisierung einiger staatlicher Aufgaben und eine staerkere Ausrichtung auf die Kernkompetenzen werden den Druck auf die Ressourcen der Unternehmen erhoehen und damit das Thema Outsourcing in den Vorstandsetagen gesellschaftsfaehig machen.

Die Anbieter von IT-Outsourcing lassen sich grob in vier Kategorien einteilen:

- grosse internationale Hardwarehersteller wie IBM, DEC und die CFM Gruppe von ICL;

- grosse internationale Outsourcing-Anbieter wie EDS und CSC;

- europaweite Outsourcing-Anbieter wie Cap Gemini Sogeti sowie

- im nationalen Rahmen taetige Outsourcing-Anbieter, beispielsweise FI Group und IT Net.

Mit den steigenden weltweiten Marktanteilen internationaler Anbieter wie CSC, EDS und IBM wird das Angebot an Outsourcing-Leistungen weltweit zunehmend aehnlicher. Dennoch muessen sich am Outsourcing interessierte Unternehmen entscheiden, ob sie einen Systemanbieter oder ein Outsourcing-Unternehmen bevorzugen, und dazu deren Staerken und Schwaechen fuer den geplanten Einsatz abwaegen.

Die Wahl eines etablierten Hardware-Anbieters fuer Outsourcing hat in der Regel den Vorteil, dass diesem die Art der IT-Nutzung und Verbesserungsmoeglichkeiten beim Kunden bekannt sind, um die vorhandene IT-Investitionen optimal zu nutzen. So ist die Unterstuetzung bei Systemintegration, Wartung und anderen Dienstleistungen quasi ad hoc moeglich.

Die Tatsache, dass die Systemhersteller erst so spaet in diesen Markt eingetreten sind, laesst allerdings erkennen, dass sie im Outsourcing zunaechst keinen strategischen Markt sahen. Das kann wiederum zur Folge haben, dass ihre Faehigkeiten zur Integration heterogener Umgebungen nicht optimal ausgepraegt sind. So bieten die Systemhersteller in 80 Prozent aller Ausschreibungen mit, erhalten aber nur einen vergleichsweise geringen Anteil der Auftraege. Gruende dafuer sind:

- Kunden vermeiden das Outsourcing an einen Systemhersteller, weil sie oft gerade diesen als Teil der eigenen IT-Probleme ansehen.

- Den Systemherstellern werden geringere Faehigkeiten als den unabhaengigen Anbietern unterstellt.

- Kunden vermuten, dass die Systemhersteller das Outsourcing als Hebel nutzen, um ihren Produktumsatz zu steigern.

Folge: Die Hersteller muessen Outsourcing als integralen Bestandteil ihres Serviceangebots betrachten und als Subunternehmen oder Profitcenter betreiben, um so eine Basis fuer die Entwicklung eines eigenstaendigen Geschaefts zu bilden und dem Kunden gegenueber neutraler auftreten zu koennen. Um eine Flaechendeckung in Europa zu erreichen, wird es in vielen Faellen sinnvoll sein, Partnerschaften mit nationalen Outsourcern einzugehen oder sie durch Akquisitionen hinzuzugewinnen.

Statt eines Systemherstellers kann sich ein interessiertes Unternehmen ebenso an einen Outsourcing-Anbieter wenden, der auf diesen Sektor spezialisiert ist. Wichtig ist in diesem Falle aber besonders die Ueberpruefung der finanziellen Stabilitaet, der Breite der Angebotspalette, der geografischen Verteilung, der Zahl und Art der Referenzkunden sowie der Faehigkeit, auch mit Systemherstellern zusammenzuarbeiten und Personal einzusetzen, das ueber die konkret benoetigten Faehigkeiten verfuegt.

Dazu als Ergaenzung eine kurze Checkliste der benoetigten Faehigkeiten eines Outsourcing-Anbieters, der den Kundenauftrag fuer sich gewinnen will:

1. Er bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Services an, die nicht nur das bestehende Geschaeft foerdern, sondern Wege in neue Geschaefte oeffnen.

2. Seine Loesungen sind an Standards orientiert und auf die Belange eines spezifischen Kunden abgestimmt.

3. Er kann Computereinsatz und Kommunikation zusammenfuehren.

4. Er bietet Netzwerk-Management und -betrieb in herausragender Form fuer unterschiedliche Produkte, Dienste und Plattformen an.

5. Er unterstuetzt eine globale Infrastruktur mit starker nationaler Praesenz.

6. Er liefert funktionsfaehige End-to-end-Loesungen in weltweiten Netzen und uebernimmt die gesamte Koordination.

7. Er muss den Kunden bei den geplanten Veraenderungen ab dem Zeitpunkt sicher unterstuetzen, an dem die Entscheidung zur Restrukturierung gefallen ist.

Kurz & buendig Wie so oft bei neuen Geschaeftsfeldern hinkt Europa den USA-Trends um einige Jahre hinterher. Ein Beispiel dafuer ist der Bereich Auslagerung von IT-Leistungen. Dabei ist es leider weniger eine Frage der prinzipiellen Eignung von Outsourcing-Konzepten als vielmehr eine mentalitaetsbedingte nationale Zu- oder Abneigung, wichtige IT-Aufgaben oder -Dienste ausser Haus zu geben. In den angelsaechsischen Laendern ist man diesen Dingen gegenueber offensichtlich aufgeschlossener als beispielsweise in Deutschland oder Italien. Ausser den aktuellen Entwicklungen zeigt dieser Beitrag anhand einer Checkliste auf, welche Voraussetzungen ein erfolgreicher Anbieter erfuellen muss.

*Frank Sempert ist Geschaeftsfuehrer der Unternehmensberatung Gartner Group in Frankfurt.