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Rückzug aus der Provinz verärgert Mitarbeiter

Deutsche IBM schließt elf Filialen

31.10.1997

Der Rückzug aus der Provinz wird vom IBM-Betriebsrat als "Abschied aus der Fläche" und damit auch als Aufgabe wichtiger Kundenbeziehungen interpretiert. Big Blue verliere an Sichtbarkeit und damit wohl auch an Geschäft, lautet der zentrale Einwand.

IBM plant im einzelnen die Schließung von Geschäftsstellen der IBM Informationssysteme GmbH in Augsburg, Friedrichshafen, Kempten, Koblenz, Regensburg, Reutlingen, Rostock und Siegen. Ebenfalls sollen die Betriebsstätten in Erfurt, Ingolstadt und Magdeburg abgewickelt werden.

An Entlassungen denkt das Unternehmen laut Lamberti nicht. Die Mitarbeiter sollen "flexible Arbeitsplätze" erhalten, also von unterwegs oder zu Hause aus arbeiten. Organisatorisch werden sie in verschiedenen Niederlassungstypen angesiedelt. Offenbar geht es der IBM darum, Räumlichkeiten einzusparen beziehungsweise optimal auszunutzen, um die laufenden Kosten zu senken. Die IG-Metaller innerhalb der IBM gehen mit ihrem Arbeitgeber hart ins Gericht. In der Broschüre "Denkanstöße" heißt es: "Die IBM-Geschäftsführung will Niederlassungen schließen, sie wird Mitarbeiter versetzen, auch abschieben, sie will sich aus der Fläche verabschieden. Sie signalisiert unmißverständlich, daß sie von vielen Kunden Abschied nehmen will." Dem Ziel der Gewinnmaximierung und eines höheren Shareholder Value würden Mitarbeiter- und Kundeninteressen geopfert.

Imageverlust könnte die Folge sein

Wolle die IBM Erfolg haben, so die Gewerkschaft, müsse sie ein flächendeckendes Niederlassungskonzept beibehalten, dem Kunden Marktnähe vermitteln und Kontakte von Angesicht zu Angesicht pflegen. Kritisiert wird auch, daß mit Rostock, Erfurt und Magdeburg gleich drei Niederlassungen in den neuen Ländern schließen; IBM werde dadurch Imageprobleme bekommen.

Für IBM-Pressesprecherin Christiane Hinze ist es dagegen offensichtlich, daß der Trend in Vertrieb und Marketing hin zu mobilen Arbeitsplätzen geht. "Gerade die Mitarbeiter im technischen Außendienst sind sowieso fortwährend unterwegs. Sie benutzen moderne Technik, vom Laptop bis zum Handy, und stehen ständig in Kontakt mit ihren Geschäftsstellen." Diese Leute könnten sich nun manchen mühsamen Weg ins Büro sparen, da sie alle wichtigen Informationen elektronisch bekämen und zu Hause oder unterwegs beim Kunden arbeiteten.

Wolfgang Trittin, bei der IG Metall Betreuer der IBM-Arbeitnehmerschaft, hält diese Darstellung für Augenwischerei. Die Entscheidungen hätten insofern Methode, als IBM immer mehr Vertriebs- und Außendienst-Aufgaben an Drittunternehmen abgebe und in der Folge Niederlassungen schließe.

Bereits in der vergangenen Woche hatte es Unruhe in der IBM-Belegschaft gegeben, als die Muttergesellschaft in Armonk ankündigte, man wolle etlichen Mitarbeitern Abfindungsangebote unterbreiten. Dem Unternehmen geht es darum, Personal in weniger rentablen Geschäftsfeldern, etwa dem RS/6000- und dem AS/400-Bereich, abzubauen. Gleichzeitig soll das lukrative Servicegeschäft ausgebaut und die Personaldecke erweitert werden. Kritiker sehen in der Personaloffensive allerdings lediglich den Versuch, ältere, weniger belastungsfähige Mitarbeiter loszuwerden. Wie IBM-Sprecherin Hinze versichert, hat die Ankündigung der US-Zentrale keine Auswirkungen auf die deutsche Filiale.