Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.05.2001 - 

Suche nach Retter bleibt bislang erfolglos

Deutsche Marchfirst-Filiale stellt Konkursantrag

MÜNCHEN (CW) - Für das Europa- und Deutschland-Geschäft der Internet-Beratungsfirma Marchfirst schlägt offenbar die letzte Stunde. So hat die deutsche Tochtergesellschaft Marchfirst GmbH einen Insolvenzantrag gestellt. Bereits im April dieses Jahres musste die US-amerikanische Mutter Gläubigerschutz beantragen.

Über die Gründe der Pleite in Deutschland gibt es widersprüchliche Informationen. Insidern zufolge habe das amerikanische Mutterunternehmen von seinen europäischen Tochtergesellschaften die Rückzahlung fälliger Kredite verlangt, die angesichts der katastrophalen Zahlen des letzten halben Jahres nicht bedient werden konnten. Notwendige Konsequenz: der Insolvenzantrag.

Nach der offiziellen Lesart der deutschen Marchfirst-Filiale stellt sich der Konkursantrag weit weniger dramatisch dar. Über ihre Presseagentur lassen die Verantwortlichen mitteilen: "Die kapitalmäßigen Verflechtungen der europäischen Gesellschaften mit Marchfirst USA machen es erforderlich, dass die europäischen Firmen nicht als existierende Rechtseinheiten verkauft, sondern aus einem bestehenden Insolvenzverfahren veräußert werden. Trotz bestehender Zahlungsfähigkeit ist dieser bilanztechnische Schritt notwendig." Einen Nachweis bleibt Marchfirst Deutschland jedoch schuldig.

Doch auch bei bestehender Zahlungsfähigkeit scheint es um die Marchfirst GmbH schlecht bestellt. Aufgrund der engen Verknüpfung mit der US-Mutter dürfte diese den Deutschland-Ableger mit in den Konkurs reißen. Seit etwa einem halben Jahr taumelt Marchfirst USA von einer Krise in die nächste. Nachdem Ende letzten Jahres bereits 1550 Mitarbeiter gehen mussten, folgte Anfang April 2001 der nächste große Einschnitt. Die Verantwortlichen setzten weitere 1700 Mitarbeiter auf die Straße und verkauften große Teile des USA-Geschäfts an das Internet-Unternehmen Divine.

Doch die Käufer pickten sich nur die Rosinen aus dem Marchfirst-Kuchen. Am Europa-Geschäft der Internet-Berater aus Chicago waren die Divine-Verantwortlichen nicht interessiert. Die Australien-Filiale wurde gleich dichtgemacht. Ein Rumpfunternehmen dümpelte nach dem Ausverkauf durch Divine noch knappe zwei Wochen auf dem US-Markt. Dann meldeten die US-Manager Konkurs an.

Das Europa-Geschäft sei von der Pleite in den USA nicht betroffen, hieß es damals noch. So werde die Organisation mit 1200 Mitarbeitern in 23 Büros weitergeführt. Man sei allerdings auf der Suche nach einem strategischen Partner, mit dessen Hilfe die Aktivitäten in der Alten Welt fortgesetzt werden könnten. Diese Suche brachte bis heute offenbar kein Ergebnis.

Für die Marchfirst GmbH drängt die Zeit. Mit dem Konkursrichter im Nacken lässt sich schlecht verhandeln. Das dürfte jedoch auch dem potenziellen zukünftigen Partner bewusst sein. Mit jedem weiteren Tag vergrößert sich der Spielraum beim Drücken des Preises. Hinter den Kulissen hat das Feilschen um das deutsche Marchfirst-Geschäft längst begonnen, mutmaßen Insider. Als mögliche Kandidaten sind große Namen wie IBM, Siemens oder Hewlett-Packard im Gespräch.

Leidtragende sind in erster Linie die Mitarbeiter und die Kunden der Marchfirst GmbH. Zwar heißt es aus der hiesigen Niederlassung, dass den 340 Angestellten in den fünf deutschen Büros derzeit keinerlei negative Konsequenzen drohen. Was die Zukunft bringt, liegt jedoch im Dunklen.

Den Kunden wird versichert, dass das Geschäft in Deutschland ordnungsgemäß fortgeführt wird. Kein laufendes Projekt sei gefährdet. Bei der Lufthansa E-Commerce GmbH, die mit Marchfirst zusammenarbeitet, versucht man, Gelassenheit zu verbreiten. Die Marchfirst-Pleite habe keinen Einfluss auf den Internet-Auftritt der Luftfahrtgesellschaft, erklärte Sprecherin Amélie Lorenz.

Doch auch das Scheitern von Einzelprojekten kann die Internet-Präsenz eines Unternehmens empfindlich stören. So finden zurzeit Gespräche zwischen Vertretern des Internet-Beraters und der Lufthansa E-Commerce GmbH über den Fortgang der von Marchfirst betreuten Projekte statt.