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17.11.2000 - 

E-Business-Hoffnungen prägen den Börsengang

Deutsche Post: Dienstleister nach dem Mausklick?

MÜNCHEN (gh) - "Deutsche Post World Net" - mit diesem Slogan warb die Deutsche Post AG in den zurückliegenden Wochen für ihren Börsengang. Vor allem das "Net" soll es richten: Als Komplettanbieter von E-Business-Services verspricht man sich Zuwächse im traditionellen Logistikgeschäft. Doch die Positionierung im Zukunftsmarkt E-Logistics birgt auch Risiken.

Die Deutsche Post wird als weltweit aufgestellter Logistikkonzern in jedem Fall zu den Gewinnern des E-Business-Zeitalters gehören. Ein Dienstleister, der im elektronischen Handel quasi nach dem Mausklick ins Spiel kommt. Seit Monaten wurde das Staatsunternehmen nicht müde, mit Hilfe prominenter Namen wie dem Intershop-Gründer und -CEO Stephan Schambach oder zuletzt den Gottschalk-Brüdern diese Botschaft unter die Leute zu bringen. Auch Post-Chef Klaus Zumwinkel fehlte nicht, der seiner Company passend zum Going Public noch den Titel "World Net" verpassen ließ. Wenn am kommenden Montag rund ein Viertel der im Besitz des Bundes befindlichen Anteile an der Börse platziert werden, soll jedenfalls nach Ansicht von Analysten nicht nur ein neuer Stern am "Dax-Himmel" aufgehen; die mehrmals überzeichnete "Aktie Gelb" dürfte auch als vermeintlich sicherer Internet-Wert gehandelt werden.

"Wir wollen die Brücke zwischen Old und New Economy bilden", erhebt Martin Raab, Zentralbereichsleiter E-Business bei der Deutschen Post, im Gespräch mit der CW einen geradezu staatsmännischen Anspruch. Schon aus der Tatsache, dass der gesamte Bereich direkt dem Vorstandsvorsitzenden unterstellt ist, könne man schließen, dass das Thema E-Business bei der Post Chefsache und damit mehr als eine Marketing-Floskel zur besseren Vermarktung des Börsengangs sei. Erste Pläne für einschlägige Aktivitäten, etwa den Marktplatz E-Vita, habe es bereits Ende 1997 gegeben.

Bereits vor Monaten wurden Raab zufolge die vorher getrennten Internet-Geschäftsfelder der Post mit derzeit rund 200 Mitarbeitern in einer E-Business-Holding zusammengefasst, die ab dem 1. Januar 2001 Deutsche Post E-Business GmbH heissen soll. Im Einzelnen handelt es sich dabei um E-Vita, E-Commerce-Services (ECS), Deutsche Post Com GmbH, Signtrust, E-Post-Portal, Business-to-Business-Portale und Deutsche Post Ventures.

Für den Post-Verantwortlichen, der (wie sein Chef Zumwinkel) früher bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig war, stehen im Pflichtenheft seiner Business Unit zwei Kernaufgaben. Man sehe sich zum einen als "Katalysator des alten Geschäfts" - gehe davon aus, dass durch die den Internet-Handel adressierenden Services vor allem das eigene Paket- und Logistikgeschäft "stark wachsen" wird. Intern rechnet man im Zuge von E-Business allein im Pakettransport bis zum Jahr 2005 mit einer Zunahme von 500 Millionen auf dann rund zwei Milliarden auszuliefernde Pakete in Deutschland.

Daneben verstehe man sich als "Inkubator für neue E-Business-Modelle" - mit klar umrissenem Auftrag für besagte Brutkästen: Sie sollen sehr schnell überlebens- und durchsetzungsfähige E-Business-Einheiten kreieren, die mit eigenen Produkten und Lösungen auf den Markt kommen. "Unser primäres Ziel ist es, eine hohe Kapitalrendite und damit einen Wertzuwachs für den Konzern zu schaffen", stellt Raab klar.

Doch der Weg dorthin dürfte für den Ex-McKinsey-Berater und seine Mitstreiter noch lang und steinig sein. Derzeit ist das E-Business-Portfolio des gelben Riesen ebenso breit wie unübersichtlich. Das Spektrum reicht von klassischen Scanning-, EDI- und E-Mail-Services, die unter dem Schlagwort "Unified Messaging" gebündelt angeboten werden, über Trust-Center für Verschlüsselung und digitale Signatur ("Signtrust") bis hin zu integrierten Shop-Lösungen sowie den Betrieb von Portalen und Marktplätzen. Eine Straffung der Geschäftsfelder sowie die Definition klarer Schnittstellen zum Kunden täte Not - ein Problem, dass auch die Post-Schwester Telekom vor ihrem IPO hinlänglich kannte.

Erste Internet-Referenzprojekte wie die Einrichtung eines Shops für den Online-Blumenhändler Blume 2000 samt integrierter Bestell-, Logistik- und Auslieferungsprozesse (in Kooperation mit Sinner Schrader, siehe Seite 72) oder ein Großauftrag der Bundesnotarkammer im Bereich digitale Signatur machen zudem das Kraut noch nicht fett. Viele der Aktivitäten haben in der Tat reinen Startup-Charakter, Einnahmen und vor allem Profitabilität lassen, so ist zu vermuten, noch zu wünschen übrig. "Die E-Business-Holding der Post hat derzeit kaum Kunden", wurde vergangene Woche auf der Systems in München unwidersprochen spekuliert, als das Unternehmen einen weiteren E-Service, nämlich den Versand von Rechnungen über das Web, vorstellte. Nicht ohne Grund sind derzeit jedenfalls keinerlei Angaben zu Umsätzen beziehungsweise Umsatzerwartungen der E-Business-Sparte erhältlich. Auch im Börsenprospekt ist - anders als in der Werbung - so gut wie nichts über die wirtschaftliche Kraft des E-Business-Dienstleisters Deutsche Post zu lesen. Man könne mit Rücksicht auf die strengen Auflagen vor dem Going Public hierzu keine ungeprüften Zahlen herausgeben, heißt es offiziell.

Zudem schlafen auch die klassischen Wettbewerber der Post, also Firmen wie Federal Express, UPS, Dachser, Stinnes oder Kühne und Nagel nicht. Marktforschungsgesellschaften wie IDC prognostizieren in den kommenden Jahren Milliardenumsätze im elektronischen Handel, vor allem im B-to-B-Sektor, und reden damit dem Zukunftsmarkt E-Logistics das Wort. Mit unübersehbaren Folgen: Eine ganze Branche der Old Economy, die "alten" Logistik- und Transportunternehmen, schreibt sich das E-Business auf seine Fahnen. Sei es in Gestalt von Kooperationen mit einschlägigen Anbietern von Supply-Chain-Management-Lösungen (Kühne und Nagel/I2 Technologies), sei es durch die Gründung von Joint Ventures (Dachser/CSC Ploenzke), die eigene E-Logistics-Lösungen entwickeln und vermarkten sollen. Die im Internet-Business durch den Wegfall des Zwischenhandels und oft auch des direkten Vertriebs entstehende Lücke könne zum Großteil nur durch neue Logistik-Dienstleister geschlossen werden, sind sich Fachleute einig - will heißen: auf vermeintliche E-Business-Größen wie die Deutsche Post kommen nach dem viel zitierten Mausklick so "profane" Aufgaben wie die Internet-gestützte Auftragsabwicklung, Lagerhaltung, Distribution, Fakturierung und Inkasso zu. Vor allem aber die Verzahnung mit firmenübergreifenden Lieferketten und/oder virtuellen Marktplätzen. Weit mehr also als die von Post-Konkurrent UPS und anderen Wettbewerbern derzeit unter dem Schlagwort "Tracking und Tracing" angebotene Möglichkeit, per Internet den jeweiligen Standort der in Auftrag gegebenen Paketsendung zu verfolgen.

Viele der Markteilnehmer müssen sich daher trotz zum Teil hoher Investitionen in IT das "E" im neuen Modebegriff "E-Logistics" noch verdienen, heißt es unter Experten. Bei der Deutschen Post (und vielen ihrer Wettbewerber) dürfte in diesem Zusammenhang noch ein anderes Manko hinzukommen. In der weltweiten Logistikbranche war in den vergangenen Jahren ein geradezu dramatischer Konsolidierungsprozess im Gange. Allein die Post hat seit 1998 für knapp sieben Milliarden Euro Firmen hinzugekauft - spektakulärste Deals waren die Übernahmen der Express- beziehungsweise Logistikspezialisten DHL und Danzas. Für die eigene IT der Bonner bedeutet dies eine Menge "interner" Hausaufgaben. Ein Aspekt, dem sogar eingangs erwähnter Verkaufsprospekt zum Börsengang Aufmerksamkeit schenkt. "Der Erfolg der Integration hängt insbesondere davon ab, dass es gelingt, die IT-Systeme der verschiedenen Gesellschaften jeweils auf nationaler Ebene zusammenzuführen und europaweit eine IT-Lösung mit einheitlichen Schnittstellen aufzubauen", heißt es dort sinngemäß unter der Rubrik "Risiken".

E-Business-Vordenker und -Verantwortlicher Raab ficht dies jedoch nicht an. Vor allem der Blick auf die Wettbewerber. Diese würden sich - mit Ausnahme von UPS - im wesentlichen auf das "Web-Enabling ihrer Kernprodukte" konzentrieren. Das mache die Deutsche Post zwar auch, baue jedoch primär auf die "Dotcom-Mentalität" innerhalb der neu geschaffenen E-Business-Sparte. Mehr als Schützenhilfe soll hier Raab zufolge auch der eigene Wagniskapital-Ableger Deutsche Post Ventures leisten, der in den kommenden Jahren 100 Millionen Mark Fondsvolumen zur Verfügung hat, um in Erfolg versprechende Internet-Startups zu investieren. Erste unter Dach und Fach gebrachte Beteiligung ist ein Engagement bei der US-Software-Company Viewlocity; weitere Deals, vor allem in der deutschen Internet-Szene, seien in Vorbereitung. Schon seit gut einem Jahr ist die Post mit 16 Prozent an dem am Neuen Markt gelisteten Internet-Dienstleister GFT Technologies beteiligt - ein Investment, das laut Raab nach dem Motto "Earn and learn" Vorbildcharakter hat. Man wolle, so der Post-Manager, zweierlei: "eine hohe Kapitalrendite der Beteiligung und GFTs Know-how."

Abb: E-Dienstleister: Mit dem Com-Portal positioniert sich die Post beispielsweise im "Unified Messaging". Quelle: Deutsche Post AG