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15.06.1990 - 

Mittelständische Betriebe sollten umdenken

Deutsche SW-Anbieter müssen mehr Kooperationen eingehen

DORTMUND (hv) - Die Software-Entwicklung in Deutschland ist ein mittelständisches Geschäft. Wollen Unternehmen die 90er Jahre gesund überstehen, so müssen sie "revolutionäre Schritte" einleiten: Konkurrenzfähig ist nur, wer sich kooperationsbereit zeigt und seine Kunden nicht länger als "Generalunternehmer" vereinnahmt, so das Ergebnis eines Forums der Dortmunder mbp Software & Systems GmbH.

"Deutsche Software-Anbieter sind im Marketing und Vertrieb nicht aktiv, sie sind reaktiv", moniert Michael Hoffmann, Geschäftsführer bei der Hoesch-Tochter. Neben einer unprofessionellen Vermarktung lägen die Schwächen der Mittelstandsbetriebe in einer zumeist sehr dünnen Kapitaldecke, in der fehlenden internationalen Ausrichtung sowie in einem Management "der ersten Generation", das in vielen Fällen dringend einer personellen Erneuerung bedürfe. Die Folgen der von Hoffmann geschilderten Schwächen sind bereits deutlich sichtbar.

Hardwarehersteller auf dem Softwaremarkt aktiv

So ist inzwischen die "Mergers & Acquisition-Welle" kaum noch aufzuhalten: Großunternehmen wie Cap Gemini oder Computer Associates (CA) haben bereits eine Reihe mittelständischer Unternehmen geschluckt. Gleichzeitig werden immer mehr Hardwarehersteller auf dem Softwaremarkt aktiv - selbst wenn diese bei ihren Entwicklungen bisher nur selten über den Tellerrand der eigenen Hardware-Produktpalette schauen.

Hinzu kommt eine Reihe von Großanwendern, die sich, wie zum Beispiel die Daimler Benz AG mit ihrem Systemhaus, zu Software-Anbietern mit finanz-kräftigem Background mausern. Eine GMD-Studie verdeutlicht die Folgen dieser Entwicklungen: Der Gründungsboom vergangener Jahre ist beendet, aus dem Markt scheiden heute deutlich mehr Unternehmen aus, als neue hinzukommen.

Trotz dieser Fakten, so führt mbp-Chef Hoffmann aus, gibt es Argumente, die für eine mittelständische Software-Entwicklung sprechen. Das Angebot dieser Hersteller ist demnach breit gestreut und von hoher Qualität. Viele Unternehmen seien außerdem außerordentlich innovativ und flexibel. Zudem komme kleineren Unternehmen die lokale Verbundenheit mit mittelständischen Anwendern zugute.

Wie aber lassen sich diese Vorteile in einem vereinigten Europa erhalten? Detlev Hoch, Principal bei der in Düsseldorf ansässigen McKinsey & Company Inc., faßt künftige Erfordernisse zusammen: "Zunächst müssen die Unternehmen eine klare organisatorische Trennung von Produktentwicklung, Projektgeschäft und Dienstleistungsbereich einführen."

Für jede dieser drei Geschäftsarten empfehle sich, so verschiedene Funktionen wie Forschung, Entwicklung und Vertrieb deutlich voneinander zu trennen, und nicht wie bisher in einem hochintegrierten Geschäftssystem zu organisieren. Einzelne Funktionen müßten als selbständig am Markt operierende Einheiten etabliert werden, die nicht nur im Verbund miteinander, sondern auch in Kooperation mit externen Partnern funktionieren.

DV-Fachmann Hoch stellt sich ein kooperatives Netzwerk vor, dessen Zusammenspiel weitgehend über Marktmechanismen wie Preise oder Liefer- und Abnahmevereinbarungen geregelt ist. Mit anderen Worten: Die Unternehmen bieten nur dort an, wo sie wirklich konkurrenzfähig sind.

"Es bleiben noch viele Fragen offen"

Andere Bereiche werden - und an dieser Stelle ist nach Meinung von Hoch eine neue Denkweise gefordert - bereitwillig an kompetente Partner abgegeben. So könne zum Beispiel ein mittelständisches deutsches Softwarehaus mit einer kleinen Gruppe von Entwicklungspartnern eine neue Generation von Anwendungssoftware für einen bestimmten Zielmarkt entwickeln und gleichzeitig ein optimiertes Distributionsnetzwerk aufbauen.

Wie schwierig die Realisierung eines solchen Konzeptes tatsächlich noch ist, schildert Rainer-Johannes Burken, ebenfalls Geschäftsführer bei mbp: "Potentielle Kooperationskandidaten haben sich bisher eher skeptisch und zurückhaltend geäußert. Gerade was die Leitung und Organisation eines solchen kooperativen Netzwerkes angeht, bleiben doch viele Fragen offen. " Trotzdem bleibe das Ziel der Hoesch-Tochter, Entwicklungskooperationen im deutschsprachigen Raum sowie internationale Vermarktungsbündnisse zu schließen.