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21.07.2000 - 

Zeigt der Frühjahrsflirt mit Qwest Folgen?

Deutsche Telekom geistert durch die Zentralen der US-Carrier

MÜNCHEN (CW) - Das heitere Kandidatenraten um den künftigen US-Partner der Deutschen Telekom setzt sich fort. Nach Cable & Wireless, Global Crossing und Sprint werden jetzt auch die Namen Worldcom, Qwest sowie SBC Communications gehandelt.

Das Gespenst Deutsche Telekom geht um. Glaubt man den wilden Gerüchten, dann geistert Firmenchef Ron Sommer derzeit durch die Zentralen aller namhaften amerikanischen TK-Gesellschaften. Selbst Worldcom, das sich nach der geplatzten Fusion mit Sprint nicht zur uneinnehmbaren Carrier-Festung aufschwingen kann, bleibt den Spekulationen zufolge nicht vor dem deutschen TK-Boss verschont.

Ob Sommer nun wirklich an dem einen oder anderen Ort höchstpersönlich auftauchte, sei dahingestellt. Fest steht aber, dass sich die Führungsetagen einiger US-Netzbetreiber mental mit der Telekom auseinandersetzen müssen. Denn eines ist ebenfalls klar: Sommer braucht dringend ein Standbein in Nordamerika, und nach dem gescheiterten Merger von Worldcom und Sprint werden nicht nur die Karten neu gemischt, sondern es sind auch zwei interessante Player zu haben.

Allerdings ist das mit Sprint so eine Sache. Die Telekom hat aus ihrem Interesse an dem national agierenden US-Carrier nie einen Hehl gemacht. Doch der ziert sich. Sprint-CEO William Esrey gleicht derzeit dem gebrannten Kind, das das Feuer scheut. Ihm liegt nicht nur das Nein der amerikanischen und europäischen Kartellbehörden zur Fusion mit Worldcom im Magen, er hat auch schlechte Erinnerungen an die Deutschen. Gemeinsam mit der Telekom und France Télécom war Sprint Gesellschafter der internationalen TK-Allianz Global One. Diese von Grabenkämpfen geprägte Kooperation wurde jedoch zum Synonym für Pleiten, Pech und Pannen. Die Folge: Sprint und die Telekom stiegen aus.

Kein Wunder also, dass Esrey von Fusionen und Allianzen vorerst die Nase voll hat. "Sprint steht nicht zum Verkauf", ließ er die Presse wissen und fügte noch hinzu: "Wir sprechen mit niemandem und haben auch kein Interesse an Gesprächen." So kategorisch wie das Nein klingt, ist es aber nicht. Sprint wird, da sind sich die Marktbeobachter einig, seinen Weg auf Dauer nicht allein gehen können. Das weiß auch Esrey, der seine ursprüngliche Aussage deshalb später etwas revidierte und die Prüfung möglicher Angebote zusagte.

Hohe Staatsbeteiligung wird zum ProblemfallEine Übernahme seines Unternehmens durch die Deutschen mag ihm aber nicht so recht in den Kopf. Übrigens gilt das nicht nur für Esrey, sondern für die meisten Amerikaner. Sie können sich mit dem Gedanken der Akquisition eines nationalen Carriers durch einen ausländischen nur schwer anfreunden - und wenn dieser noch zu 50 Prozent in Staatsbesitz ist, schon gar nicht. An diesem Knackpunkt werden sich auch die US-Aufsichtsbehörden reiben. Ein Problem, das der Telekom bei ihrer US-Shopping-Tour noch Kopfzerbrechen bereiten wird.

Unwahrscheinlich ist auch ein Merger zwischen den Deutschen und Worldcom. Bernard Ebbers, Chef des US-Carriers, hatte zwar Bemerkungen in diese Richtung gemacht, die aber wohl eher spaßig gemeint waren. Gegen einen solchen Deal sprechen nicht nur kartellrechtliche Bedenken, sondern auch der Marktwert von Worldcom.

Neu im Reigen der Übernahmekandidaten sind unterdessen zwei alte Bekannte der Telekom. Einmal der nationale Carrier Qwest, mit dem Sommer schon im Frühjahr heftig flirtete. Zum anderen der regionale Netzbetreiber SBC Communications, mit dem die Bonner eine Allianz bei der Ersteigerung einer UMTS-Mobilfunklizenz in den Niederlanden geschlossen haben.

SBC als rein regionale Gesellschaft abzustempeln wäre jedoch fatal. Das Unternehmen verfügt durch etliche Zukäufe über 61 Millionen Festnetz- sowie elf Millionen Mobilfunkkunden in 13 Bundesstaaten. Gegen eine Fusion mit SBC spricht allerdings die Tatsache, dass der Carrier keine landesweite Netzinfrastruktur besitzt. Außerdem sind das Gros der Teilnehmer Privatkunden, während die Telekom mehr das Marktsegment der Geschäftskunden bedienen möchte.

Vieles deutet deshalb doch auf ein erfolgreiches Ende des Frühlingsflirts mit Qwest hin. Qwest-Boss Joseph Nacchio machte aus seiner Neigung zur Telekom nie einen Hehl, und auch der Hauptaktionär des Carriers, der US-Investor Philip Anschutz, hat schon eine mögliche Zustimmung signalisiert.

Der Stolperstein US West ist wegGegenüber dem Frühjahr hat sich außerdem noch ein weiteres Vorzeichen positiv verändert. Qwest hat mittlerweile die Integration von US West abgeschlossen. Die Verhandlungen waren damals vor allem an überzogenen Preisforderungen des Juniorpartners US West gescheitert. An dem überwiegend privaten Kundenstamm von US West hatte die Telekom jedoch weniger Interesse, vielmehr an der ausgezeichneten landesweiten Infrastruktur von Qwest. Es ist daher nicht auszuschließen, dass Ron Sommer im Fall eines Zusammenschlusses mit Qwest das Privatkundensegment ausgliedert oder verkauft.