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Ron Sommer auf der Suche nach neuen Partnern

Deutsche Telekom schließt das traurige Kapitel Global One

04.02.2000
BONN (CW) - Das peinliche Gerangel um Global One ist vorbei. Nach Jahren des Zwists sowie Pleiten, Pech und Pannen hat sich nun France Télécom die alleinigen Rechte an dem internationalen TK-Joint-Venture gesichert. Die Ex-Partner Telekom und Sprint werden ausbezahlt.

Die unter der Ägide von Helmut Kohl und Francois Mitterrand politisch verordnete Zwangsehe zwischen der Deutschen Telekom und France Télécom ist geschieden. Knapp vier Jahre nach der Gründung von Global One ging das einst als Musterbeispiel deutsch-französischer Freundschaft gefeierte Bündnis nun endgültig in die Brüche. Die Allianz, zu der sich 1996 auch noch der US-Carrier Sprint gesellte, war von permanenten Meinungsverschiedenheiten der drei Gesellschafter sowie netztechnischen Koordinationsproblemen gekennzeichnet. Die Folge: Ständige Wechsel im Management, herbe Verluste sowie häufig unzufriedene Kunden.

Dass die Chemie zwischen Telekom-Chef Ron Sommer und seinem französischen Pendant Michel Bon nicht stimmte, war schon bald ersichtlich. Die Abstimmungsprozesse zwischen den beiden Konzernen liefen zäh. Aus Sicht Sommers erwies sich Bon vor allem bei den Plänen der Telekom, sich international besser aufzustellen, als Klotz am Bein. Die Kritik des Telekom-Chefs an der zweiprozentigen Überkreuzbeteiligung der beiden Konzerne wurde immer lauter.

Doch während all die Jahre mehr oder weniger diplomatisch versucht wurde, die Risse in Global One zu kitten, war das Tischtuch zwischen den Deutschen und Franzosen vergangenes Jahr endgültig zerschnitten. Der Versuch der Bonner, sich mit Telecom Italia zu verbünden, stieß Bon sauer auf. Dieser Alleingang Sommers führte zu einem knapp einjährigen Rosenkrieg zwischen Paris und Bonn, an dessen Ende nun die Trennung der ungeliebten Partner steht.

Forciert wurde die Auflösung der Zweckgemeinschaft ferner durch den Dritten im Bunde, den US-Kompagnon Sprint. Seit der Netzbetreiber seine Absicht kundtat, mit MCI-Worldcom zu fusionieren, war das ohnehin nicht mehr sehr große Interesse der Amerikaner an Global One völlig erloschen. Die Unstimmigkeiten reichten sogar so weit, dass Sprint 1999 dem Haushalt des Joint Ventures nicht zustimmte. Damit lag die Handlungsfähigkeit des Gemeinschaftsunternehmens weitgehend auf Eis, eine Änderung der Gesellschafterstruktur war unausweichlich.

Nach zähen Verhandlungen hat das Trio nun eine Lösung gefunden, die einvernehmlich als Happy End darstellt wird. France Télécom zahlt die Partner Sprint und Telekom aus. Die Amerikaner erhalten von den Franzosen 1,13 Milliarden Dollar plus eine Schuldenübernahme von 276 Millionen Dollar. Für Sprint ist damit der Weg zu MCI-Worldcom frei.

Nach Bonn muss France Télécom 2,755 Milliarden Dollar überweisen und 188,5 Millionen Dollar Schulden der Deutschen tilgen. Insgesamt kostet Bon die Alleinherrschaft über Global One rund 5,4 Milliarden Dollar. Aus Sicht des France-Télécom-Chefs ist das ein Schnäppchen, weil der Wert des Unternehmens von Experten im Vorfeld auf rund zehn Milliarden Dollar taxiert worden war. Für Bon ist der Erwerb von Global One "eine entscheidende Etappe in der internationalen Strategie" seines Unternehmens. Durch den Deal hat France Télécom Zugriff auf über 30000 Kunden in 40 Staaten, darunter rund 300 multinationale Konzerne.

Erleichterung auch in der Telekom-Zentrale in Bonn. Dort sieht man jetzt endlich freie Bahn für die Internationalisierung des Konzerns, nachdem die Franzosen und Deutschen auch ihre Überkreuzbeteiligung aufheben und sich damit gegenseitig nicht mehr blockieren können. Die Telekom hatte sich in einem geheimen Bieterverfahren zwar ebenfalls um Global One beworben, war France Télécom aber unterlegen. Die Trauer über die Niederlage dürfte sich jedoch in Grenzen halten. Sehr groß war das Interesse der Bonner an der Tochter nicht. Ron Sommer investiert das Geld lieber in internationale Zukäufe. Aus Bonn verlautete, die Telekom werde "ihre Internationalisierungsstrategie konsequent fortführen und durch Übernahmen und Mehrheitsbeteiligungen mit starken Partnern ihren Kunden weltweit integrierte TK-Lösungen anbieten".

Der Ausstieg aus Global One sowie die Aussagen Sommers haben die Spekulationen um Zukäufe der Deutschen neu angeheizt. Natürlich wird dabei wieder der Dauerbrenner Cable & Wireless gehandelt, der international gut aufgestellt ist und über ein Internet-Backbone verfügt. Ferner kursieren Gerüchte, dass die Telekom das Internet-Geschäft von Ex-Partner Sprint erwirbt, weil sich die Amerikaner aus kartellrechtlichen Gründen von diesem Business trennen müssen. Denkbar wäre aber auch der Kauf eines weltweit agierenden Netzbetreibers wie Equant oder Global Crossing. Eines ist jedenfalls klar: Sommer muss neue internationale Verbündete finden, um die Lücke, die der Ausstieg aus Global One im TK-Service-Portfolio der Telekom für multinationale Unternehmen reißt, wieder zu schließen.