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06.02.2004 - 

DSL soll Weg zu neuem Wachstumszyklus bereiten

Deutsche Telekom startet Breitbandoffensive

BERLIN (jha) - Die Deutsche Telekom forciert ihr Engagement im Breitbandmarkt. Um die Akzeptanz des schnellen Internet-Zugangs DSL zu erhöhen, holt sie die Konkurrenz ins Boot und bietet ihr den Zugang zur eigenen DSL-Infrastruktur an. Sie verbindet damit die Hoffnung, dass Breitbanddienste dem TK-Markt einen neuen Boom verschaffen.

Die Deutsche Telekom sieht sich als treibende Kraft eines kommenden Erneuerungsprozesses in Deutschland. Um diese Selbsteinschätzung zu untermauern, sparte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke auf dem 13. internationalen Pressekolloquium in Berlin nicht mit starken Worten: "Mit unseren Innovationen bewegen wir Märkte ebenso wie gesellschaftliche Entwicklungen." Angesichts des Maut-Debakels musste Ricke einräumen, dass "der Innovationskurs nicht immer ganz geradeaus führt". Doch Vater Staat ist ein geduldiger Auftraggeber, so dass Ricke auch in Berlin keinen Starttermin für das Mautsystem zu nennen brauchte. Nur eins versprach er: "Wir wollen und werden die Maut zum Laufen bringen."

Zehn Millionen DSL-Nutzer

Lieber spricht das Telekom-Management über das Ziel, Breitband für alle anzubieten. Aktuell vier Millionen DSL-Nutzer verbuchen die Bonner als Erfolgsgeschichte, deren letztes Kapitel noch lange nicht geschrieben ist. Mit einer demnächst startenden Breitbandoffensive unter dem Motto "eins zwei drei" will man die Zahl der DSL-Kunden bis zum Jahr 2007 auf zehn Millionen erhöhen. Die Vermarktungsstrategie sieht folgende Angebote vor: ein Megabit pro Sekunde Übertragungsrate als Einstiegsofferte, zwei Megabit pro Sekunde als künftige Standardbandbreite für die DSL-Dienste sowie drei Megabit pro Sekunde für Premium-Kunden. Zu Tarifen und Starttermin äußerte sich T-Com-Chef Josef Brauner nicht näher. "Wir werden vor oder zur CeBIT die Preise nennen", versprach er.

Mit vier Millionen Breitbandnutzern ist Deutschland im internationalen Vergleich gut aufgestellt, mehr Kunden mit schnellem Internet-Zugang gibt es nur in den USA, Südkorea und Japan. Stellt man jedoch die Zahl der Breitbandanschlüsse in Relation zur Gesamtbevölkerung, belegt Deutschland mit 3,92 Prozent nur einen Platz im Mittelfeld. Bessere Werte weisen alle skandinavischen Länder sowie Belgien, Schweiz und Österreich aus. Selbst in Flächenstaaten wie den USA und Kanada ist es um die Breitbandnutzung besser bestellt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag der Telekom die Ursachen für die bisher dürftige Akzeptanz der Breitbanddienste untersucht. In der Studie "Rahmenbedingungen für eine Breitband-Offensive" nennen die Autoren ein ganzes Bündel an bremsenden Einflüssen. Unter anderem bemängeln sie die fehlende Konkurrenz in Deutschland, denn: "Ein funktionierender Wettbewerb zwischen Netzanbietern wird als ein Kriterium für eine schnelle Verbreitung von Breitbandtechnologie gesehen." Als Beleg führen die Autoren Vergleiche zu Ländern mit hoher Breitbandpenetration an. Dort hätten die Nutzer die Wahl zwischen DSL-, Kabel-, und Glasfaserzugängen.

Den Telekom-Lenkern war dieses Ergebnis willkommener Anlass, mit der Konkurrenz ins Gericht zu gehen: "Augenscheinlich fehlt es an dem Willen, Entwicklungs- und Investitionskosten zu tragen", lautete Brauners Vorwurf, und Telekom-Chef Ricke beteuerte: "Die Deutsche Telekom bekennt sich im Wachstumsmarkt Breitband zum Infrastruktur-Wettbewerb." Daher werden die Bonner ihren Konkurrenten künftig den "Bitstream-Access" einräumen, so dass alternative Anbieter ihren Kunden eigene DSL-Dienste auf Basis der Telekom-Technik erbringen können.

Konkurrenz belebt das Geschäft nicht immer. Beleg dafür ist der nach wie vor nicht absehbare Start des kommerziellen UMTS-Betriebs, dem immerhin die Aufgabe zufällt, die Breitbandstrategie der Deutschen Telekom ins Mobilfunkgeschäft zu tragen. In diesem Umfeld kann sich T-Mobile nicht über mangelnden Wettbewerb beklagen, dennoch musste Vorstandsvorsitzender René Obermann einräumen: "Wir können keinen Starttermin nennen. Die Netze sind stabil und die Bandbreite ist in Ordnung. Es fehlen aber die Endgeräte."

UMTS-Start ungewiss

Angesichts des zu erwartenden Preises für die Datenübertragung in UMTS-Netzen setztT-Mobile offenbar zunächst auf professionelle Nutzer. In Nürnberg und Umgebung betreibt die Telekom-Tochter zusammen mit dem TK-Equipment-Hersteller Lucent dazu ein Pilotprojekt mit fünf Unternehmen, zu denen auch die Datev zählt. Die Genossenschaft für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte zählt deutschlandweit rund 400 Vertriebsmitarbeiter, die über eine drahtlose Infrastruktur an die Zentrale angebunden sind. Mit dem Verlauf des UMTS-Pilotprojektes zeigte sich Lothar Lux, Leiter Kommunikationstechnik bei der Datev, zufrieden, in der Spitze seien Transferraten von 364 Kbit/s erzielt worden. Doch für den Praxiseinsatz forderte er von T-Mobile noch Nachbesserungen: "25 Prozent Netzabdeckung ist zu wenig. Unsere Kunden sitzen auch in Finsterwalde", sagte Lux.

Doch das sind Randnotizen in der Telekom-Strategie, der Vorstand schaut statt in die deutsche Provinz lieber nach Paris. Die unter ihren vormaligen Chefs Michel Bon und Ron Sommer zerstrittenen Carrier France Télécom und Deutsche Telekom nähern sich wieder einander an: "Es ist gut, Freunde zu haben. Wir sprechen miteinander", sagte Thierry Breton, Chairman und CEO von France Télécom. Konkret reden sie über gemeinsame Projekte, die Standardisierung und Interoperabilität fördern sowie neue Services entwickeln sollen.

TK-Markt vor Wachstumsphase

In den nächsten Monaten wollen die neuen und alten Partner eine entsprechende Absichtserklärung unterschreiben. Eine enge Bindung wie die 1996 vereinbarte und 2000 beendete Allianz Global One ist nicht vorgesehen. "Wir werden gemeinsam investieren und getrennt vermarkten", erläutert Ricke. Doch seine Erwartungen klingen wieder wie die der 90er Jahre: "Wir stehen in der Telekommunikation am Beginn eines neuen Innovations- und Wachstumszyklus. Da beißt die Maus keinen Faden ab."