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31.03.2000 - 

Marktbeobachter sehen Erfolgschancen kritisch

Deutsche Telekom übernimmt Debis Systemhaus peu à peu

MÜNCHEN (qua) - Mit zunächst 50,1 Prozent beteiligt sich die Deutsche Telekom AG, Bonn, an der Debis Systemhaus GmbH, Leinfelden-Echterdingen. Damit wird der ehemalige Staatsbetrieb die unternehmerische Verantwortung für den nach IBM zweitgrößten IT-Dienstleister Europas tragen. Analysten fragen sich, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist.

"Diese Fusion verspricht nur dann einen Gewinn, wenn sich die IT-Abteilungen der Telekom dem Debis Systemhaus unterordnen", urteilte Helmuth Gümbel, Geschäftsführer der Schweizer Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Strategy Partners, bereits im Vorfeld des wochenlang diskutierten Mergers. Seine Begründung: "Der Wind der freien internationalen Wirtschaft weht Debis schon länger um die Nase als der ehemaligen Staatsbehörde Telekom."

Doch die beteiligten Unternehmen wollen es anders: Mit der knappen Mehrheit von 50,1 Prozent wird die Telekom auch die Kontrolle über das Joint Venture im Netz- und IT-Dienstleistungsmarkt übernehmen, in das sie ihre Bereiche DeTeSystem und DeTeCSM einbringt und das möglicherweise unter der BezeichnungT-System firmieren wird - späterer Börsengang nicht ausgeschlossen.

Aufgrund der Telekom-Mehrheit sieht Gümbel die "Erfolgswahrscheinlichkeit des neuen Gebildes reduziert". Der Analyst befürchtet, dass die besten Debis-Mitarbeiter, ihrer Karriereaussichten beraubt, das Unternehmen verlassen könnten. Letztendlich berge dies die Gefahr in sich, "dass das Leistungsprofil Schaden nimmt", sprich: das Niveau der Dienstleistungen für die Kundschaft sinkt.

Die Beteiligung ist dem Telefonkonzern etwas mehr als elf Milliarden Mark wert. Er wird diese Summe größtenteils in bar und im Rahmen einer Kapitalerhöhung für das Systemhaus entrichten - dem Vernehmen nach aber erst 2002, wenn die von der Bundesregierung vorangetriebene Steuerbefreiung für Gewinne aus Unternehmensverkäufen rechtskräftig wird. Danach wäre auch der Weg für eine komplette Übernahme frei. Bis 2004 kann die Telekom eine Call-Option auf die restlichen 49,9 Prozent nutzen.

Mit Hilfe der 20000 Debis-Mitarbeiter will die Telekom dem wettbewerbsintensiven Telefongeschäft innerhalb von fünf Jahren ein gleich starkes und aller Voraussicht nach wesentlich lukrativeres IT-Business an die Seite stellen. DeTeSystem und Debis Systemhaus erzielten 1999 gemeinsam einen Umsatz von mehr als neun Milliarden Mark. Zur Mitgift des Systemhauses gehört zudem ein weltweites Datennetz, das dem Telefon-Carrier einen Teil der eigenen Investitionen ersparen würde.

Synergien und Einsparungen erhoffen sich die beiden Partner auch beim gemeinschaftlichen Betrieb von Rechenzentren, beim Einkauf und bei der Vermarktung sowie beim Einstieg in das Trendgeschäft Application-Service-Providing (ASP) und beim Ausbau der Telematik-Dienstleistungen für die Automobilbranche. In diesem Markt ist bereits ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden Partner, die Tegaron Telematics GmbH, Bonn, aktiv.

Kritische Stimmen merken an, dass das Joint Venture mit der Telekom das Debis Systemhaus seinem erklärten Ziel, die internationale Präsenz - vor allem in den USA - auszuweiten, keinen Schritt näher bringe. Telekom-Vorstand Ron Sommer hält dem entgegen, dass die Übernahme der Daimler-Chrysler-Tochter "nicht der letzte Schritt" beim Ausbau des Konzerns gewesen sei. Vielmehr werde er "in Sachen Merger and Acquisitons auch weiterhin manche Überraschung bieten". In der Presse wird bereits über einen Erwerb des Hardware- und Serviceanbieters Unisys Corp., Blue Bell, Pennsylvania, spekuliert, mit dem die Telekom partnerschaftlich verbunden ist.

Die Debis-Muttergesellschaft Daimler-Chrysler AG, Stuttgart, wird ihr Kundenverhältnis vom Debis Systemhaus auf das Joint Venture übertragen. Mit diesem ausdrücklichen Bekenntnis tritt der Automobilhersteller Gerüchten entgegen, wonach er beabsichtige, den Betrieb seiner Rechenzentren der IBM Corp. beziehungsweise deren Global Services Division zu übertragen. Der US-Zweig des Unternehmens, also die ehemalige Chrysler Corp., unterhält seit vielen Jahren enge Beziehungen zum IT-Branchenführer - weshalb die Konzernfusion dem Debis Systemhaus wider Erwarten nicht den erhofften Fuß in der Tür zum US-Markt verschafft hat.