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Thema der Woche

Deutsche Unternehmen investieren kräftig in ihre IT

19.01.2001
IT-Leitern in Deutschland stehen in diesem Jahr wichtige Arbeiten für die kommende Euro-Umstellung und E-Commerce-Vorhaben bevor. Dafür heben die meisten Unternehmen ihre IT-Budgets gegenüber dem Vorjahr an.

Wer geglaubt hatte, die Krise der New Economy werde die Investitionsabsichten der deutschen Unternehmen im DV-Bereich dämpfen, der irrt gewaltig. Allem Anschein nach investieren die Firmen hierzulande in diesem Jahr sogar noch kräftiger in ihre IT-Landschaft als im vergangenen.

Einen der Schwerpunkte stellt dabei erwartungsgemäß die Umstellung auf die europäische Einheitswährung Euro dar, die zum 1. Januar 2002 erfolgen muss. Erst vor kurzem hatte die Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young, Bad Homburg, davor gewarnt, dass deutsche Firmen dieses Thema vernachlässigen könnten: In einer Studie hatten die Spezialisten herausgefunden, dass lediglich 18 Prozent der befragten Firmen die Gemeinschaftswährung bereits als Grundwährung in der Buchhaltung benutzen, Deutschland damit unter dem europäischen Durchschnitt liege.

Hört man sich hierzulande in Unternehmen um, so besitzen Euro-Projekte derzeit jedoch eine hohe Priorität. Außerdem arbeiten die IT-Abteilungen mit Hochdruck an E-Commerce-Vorhaben. Vor allem elektronische Marktplätze, die E-Sales und E-Procurement ermöglichen, erfreuen sich einiger Beliebtheit. Für die Integration solcher Plattformen in ihre bestehenden Systeme greifen die deutschen Firmen bereitwillig in die Tasche.

Anschaffungen im Bereich der Hard- und Software spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Einspielen neuer Programmversionen erfordert zumeist auch die Aufrüstung der Rechner in den Unternehmen. Es hat allerdings den Anschein, dass die dafür eingeplanten Ausgaben im Durchschnitt etwa auf Vorjahresniveau bleiben. Das Gleiche gilt für die Investitionen im Bereich Netzwerke. Kein Unternehmen kann es sich heute leisten, den Ausbau der internen Dateninfrastruktur zu vernachlässigen, doch vorrangig dürften solche Projekte in diesem Jahr nicht sein.

Veränderungen im Personalbereich, steigende Lizenzkosten sowie Hardware-Neuanschaffungen sind beispielsweise bei der Schwartauer Werke GmbH & Co. in diesem Jahr für eine "definitive Erhöhung" des IT-Budgets verantwortlich. Joachim Weber, IT-Leiter des Unternehmens, berichtet, dass Mehrausgaben unter anderem im Bereich der Datenspeicherung geplant sind: Der Lebensmittelkonzern geht in diesem Jahr ein großes Projekt zur Einrichtung eines Storage Area Network (SAN) an. Schwartau hat vor, alle seine R/3-Server an dieses Speichernetz anzuschließen. Die anfallenden Daten sollen dann nicht mehr auf der lokalen Festplatte, sondern im SAN gespeichert werden. Aus diesem Grund steht auch eine Leistungsverbesserung des LAN auf dem Programm: Die vorhandene Ethernet-Architektur wird auf Gigabit-Geschwindigkeit gebracht.

Im Hinblick auf Internet-Engagement und E-Commerce bleiben die Ausgaben des vor allem für seine Konfitüren bekannten Unternehmens auf dem Niveau des Vorjahres. "Wir sind gerade dabei, die Business-to-Business-Geschäftsprozesse über das Internet durchgängig bis hinein in das produktive SAP-R/3-System zu realisieren", erläutert Weber. Keinen Handlungsbedarf sieht der Manager im Bereich Sicherheit. Das Unternehmen ist seinen Aussagen zufolge seit Jahren mit den notwendigen Schutzmechanismen ausgestattet und technisch auf dem aktuellen Stand. Vorbereitende Arbeiten für die Umstellung auf den Euro hingegen bezeichnet Weber als weiteres "Key-Projekt", das in diesem Jahr angegangen werden soll. Die Testphase läuft bereits. Alles in allem rechnet der Manager ohne die Kosten für die Hardwareanschaffungen mit einer Steigerung der Ausgaben von etwa drei bis fünf Prozent in diesem Jahr.

Der auf Anonymität bedachte IT-Verantwortliche eines deutschen Konzerns der Maschinenbaubranche berichtet von einem "leichten Anstieg" des gesamten Budgets für Informationstechnologie. Er räumt jedoch ein, dass es zwischen einzelnen Teilbereichen mitunter "deutliche Abweichungen" gebe: So erzählt der Manager von einem Zuwachs der Ausgaben für Software in diesem Jahr um etwa acht bis zehn Prozent, während sich die Aufwendungen im Bereich Hardware "stabil, eher leicht rückläufig" entwickelten.

Einen Schwerpunkt bei den Ausgaben stellt zudem die Euro-Umstellung dar. Bislang nutzte das Unternehmen eine Art "Hauswährung", die die Kalkulation in verschiedenen Währungen für die interne Verrechnung von Kosten erleichterte. Das soll sich nun ändern: Im Laufe dieses Jahres wird die europäische Einheitswährung eingeführt. Daneben wird das E-Business forciert. Der Konzern hat im letzten Jahr eigens eine Tochterfirma gegründet, die einen elektronischen Marktplatz betreibt. Die ursprünglich nur für den Einsatz im Rahmen der Konzerntätigkeit gedachte E-Commerce-Plattform wurde inzwischen ausgebaut, so dass beliebige Firmen daran teilnehmen können.

In diesem Jahr möchte das Unternehmen Maßnahmen ergreifen, "um diesen Marktplatz noch tiefer mit unseren Back-Office-Systemen zu integrieren". Neben Funktionen wie Bestellung und Lieferabwicklung soll dann auch der Austausch von Fertigungszeichnungen und Produktdaten möglich sein. Leistungsstarke Server dafür wurden bereits installiert, jetzt steht noch die Implementierung von Workflow-Systemen an, außerdem sollen die damit zusammenhängenden Prozesse in der Lösung abgebildet werden. "Ein sehr komplexes Thema", urteilt der Experte. Wie hoch die damit verbundenen Ausgaben sind, möchte er nicht verraten.

Bei der RAG Informatik GmbH in Gelsenkirchen liegt einer der Investitionsschwerpunkte für 2001 im Bereich Netzwerke. Aussagen von Unternehmenssprecher Guido Piazza zufolge wird unter anderem das Backbone des Rechenzentrums von ATM auf Gigabit Ethernet migriert. Für die Software der Router des Unternehmens ist eine Aufrüstung vorgesehen, damit sich Dienstequalitäten (Quality of Service = QoS) definieren und einhalten lassen. Zusätzlich soll eine Erweiterung des Netz-Managements erfolgen. Um für künftige Entwicklungen gerüstet zu sein, investiert RAG Informatik in diesem Jahr außerdem in Voice over IP.

Aufgrund gestiegener Umsatzerwartungen im Bereich Outsourcing - die RAG Informatik ist als SAP-Dienstleister aktiv - plant das Unternehmen, die Kapazität seines Rechenzentrums auszubauen. Das dafür vorgesehene Budget steigt um fünfzig Prozent. Daneben werden Gelder bereitgestellt, um neue Projekte im Themenfeld E-Business und "Mysap.com" zu starten. Dabei konzentriert sich das Gelsenkirchener Unternehmen auf E-Procurement und E-Sales im Business-to-Business-Umfeld. Diese Themen werden laut Piazza auch von den Kunden des Dienstleisters stark nachgefragt.

Erhöhte Ausgaben sind auch bei einem Unternehmen aus dem Bereich Maschinen- und Anlagenbau im süddeutschen Raum eingeplant. Der IT-Leiter, der nicht genannt werden will, macht unter anderem Software-Updates und damit einhergehende Hardwareanschaffungen dafür verantwortlich. "Nachdem wir uns von proprietären Systemen gelöst haben, leiden auch wir unter Bill Gates. Wir müssen permanent neue, kostspielige Software-Releases kaufen, die wiederum die Hardwareanforderungen in die Höhe treiben", ärgert er sich. Ein Release-Wechsel stehe in diesem Jahr beispielsweise für das Windows-basierende Production-Planning-System (PPS) des Unternehmens an. Schon dadurch und wegen der damit zusammenhängenden Hardwareaufrüstungen entstünden Kosten in Höhe von 170000 Mark.

Außerdem erzählt der Manager: "Wir wollen unser Engagement im Bereich E-Commerce und da bei E-Sales verstärken." Den Kunden sollen Preislisten via Internet zugänglich gemacht werden, des Weiteren ist geplant, Bestellungen via Web zu ermöglichen.

Nachgedacht wird ferner über ein Produktdaten-Management-(PDM-)System, das die klassischen Auftragsabrechnungsdaten aus Produktionsplanungs- und Steuerungssystemen (PPS) mit technischen Zeichnungen verbindet - ein Projekt, das "nicht gerade trivial" sei.

Auch die Euro-Umstellung spielt für den IT-Leiter eine Rolle. Das PPS-System erlaubt bereits, Rechnungen in der Gemeinschaftswährung zu schreiben, von Lieferanten kommen ebenfalls Rechnungen in Euro. In diesem Jahr soll nun im gesamten Unternehmen der Umstieg von der Mark auf den Euro als Hauswährung erfolgen.

Für die geplanten Projekte sind 1,7 Millionen Mark eingeplant, wobei in dieser Summe die Kosten für die Anschaffung neuer Hardware nicht enthalten sind. Allein für das PDM-Projekt werden 250000 Mark veranschlagt. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr ist enorm: 2000 hatte das Unternehmen eine Million Mark in neue IT-Projekte gesteckt.

Solch dramatische Veränderungen kennt Dirk Thielemann, Leiter DV und Organisation bei der Halleschen Verkehrs AG (Havag), nicht - In seinem Betrieb bleiben die IT-Ausgaben 2001 im Vergleich zum Vorjahr "fast gleich". Neuanschaffungen werden bei der Havag unter anderem im PC-Bereich erfolgen. Ferner soll eine Hochverfügbarkeitslösung für den Datenbank-Server implementiert werden.

Die Euro-Umstellung spielt auch für den Verkehrsbetrieb eine Rolle: In diesem Jahr ist die Einführung von Systemen für das bargeldlose Bezahlen mit der Geldkarte geplant, alle Verkaufsautomaten für Fahrscheine und Zeitkarten werden dahingehend umgestellt. Davon betroffen sind aber außerdem Abrechnungsdaten, Tarifdaten und "was sonst noch mit dranhängt". Eine weitere Herausforderung stellt die Anpassung des Systems für die Finanzbuchhaltung/Kostenrechnung dar. Der Hersteller der Lösung habe jedoch versichert, es seien keine großen Eingriffe notwendig.

In puncto Sicherheit sieht die Havag keinen Handlungsbedarf. "Wir haben genug getan", kommentiert Thielemann, der sich freut, dass das Unternehmen im letzten Jahr von Virenschäden verschont blieb. Außer den üblichen Erweiterungen, wenn Arbeitsplätze neu hinzukommen, sei in dieser Hinsicht nichts zu erledigen.

Als die größten Projekte für dieses Jahr sieht der Manager das im Hintergrund laufende Vertriebssystem und die Datenversorgung für das rechnergestützte Betriebsleitsystem, das ausgebaut werden soll. "Wir streben an, alle Busse und Schienenfahrzeuge mit Rechnern auszustatten, auf denen ein elektronischer Fahrplan installiert ist. Die Fahrzeuge sollen ihren jeweiligen Standort an eine Leitstelle senden, wo wir die Informationen dann koordinieren", erzählt Thielemann. Die Umsetzung hat seinen Aussagen zufolge bereits begonnen.

Die Aussagen all dieser Unternehmen stehen etwa in Einklang mit den Ergebnissen einer 1999/2000 erfolgten, branchenübergreifenden Befragung von Beschäftigten aus insgesamt 4525 Arbeitsstätten mit 20 oder mehr Mitarbeitern. Sie ergab, dass der Ausbau der Internet-Aktivitäten bei den deutschen Firmen oberste Priorität besitzt. Die gemeinsam von Techconsult GmbH und IDG Marketing und Services unter dem Titel "BIT - Business in Information-Technology" erstellte Studie untersuchte das Investitionsverhalten in deutschen Unternehmen bis einschließlich 2001.

Den Antworten der IT-Manager zufolge ist in diesem Jahr ein Anstieg der IT-Investitionen in Deutschland um durchschnittlich drei Prozent zu erwarten - das würde dem Wachstum des letzten Jahres entsprechen. Gaben die untersuchten deutschen Unternehmen im Jahr 2000 insgesamt 166,33 Milliarden Mark für Hard- und Software, externe und interne Dienstleistungen sowie TK-Gebühren aus, so werden es 2001 voraussichtlich 171,45 Milliarden sein.

Positiver schätzen die Analysten von Merrill Lynch die Entwicklung der europäischen IT-Budgets in diesem Jahr ein. Die Befragung von Chief Information Officers (CIOs) in den USA und Europa habe ergeben, dass 2001 mit einer Steigerung der Ausgaben um 13 Prozent gegenüber 2000 zu rechnen sei. Vor allem für Softwareanschaffungen wenden nach Meinung der Marktforscher die Anwender ihr Geld auf.

Ernüchterung prophezeiht Merrill Lynch hingegen dem amerikanischen IT-Markt: Die Investitionen der US-Unternehmen sollen dieses Jahr um lediglich fünf Prozent steigen, das wäre ein Wachstumsrückgang gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent. Dieses Ergebnis deckt sich nicht mit dem, was die Kollegen der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" bei einer Befragung amerikanischer IT-Leiter herausfanden: Über die Hälfte der antwortenden Manager ging dabei von durchschnittlich um zehn Prozent steigenden Ausgaben im laufenden Jahr aus (für Details siehe Kasten "IT-Investitionen in den USA").

Martin Seilermseiler@computerwoche.de

IT-Investitionen in den USADie COMPUTERWOCHE-Schwesterpublikation "Computerworld" befragte in den USA 100 IT-Manager aus Unternehmen mit mindestens 400 Angestellten. 59 Prozent davon erwarteten eine Erhöhung ihrer Budgets (im Schnitt um zehn Prozent). 29 Prozent meinten, es gebe keine Veränderungen, und neun Prozent machten sich auf Kürzungen ihres Etats gefasst.

Auch in den USA sind Fachkräfte Mangelware. Die Unternehmen wollen daher investieren, um Mitarbeiter zu gewinnen. 37 Prozent wollen für neues Personal mehr ausgeben als im vergangenen Jahr, 45 Prozent veranschlagen für diesen Posten die gleiche Summe.

Als wichtigstes IT-Projekt für 2001 sehen 29 Prozent der Antwortenden E-Commerce für den B-to-B-Bereich. Eine nicht unwesentliche Rolle spielen außerdem Projekte in den Segmenten Intranets, Enterprise Resource Planning (ERP), Data-Center-Management und Sicherheit, die jeweils in 18 Prozent der Unternehmen angegangen werden sollen.

Angesichts der Schäden, die durch Viren und DDoS-Attacken im letzten Jahr angerichtet wurden, ist es erstaunlich, dass lediglich ein knappes Drittel (29 Prozent) der Befragten eine Erhöhung des Sicherheitsbudgets erwarten. Dort, wo dies der Fall ist, beträgt die Anhebung im Schnitt zehn Prozent.

Dem ASP-Geschäft scheinen die amerikanischen IT-Spezialisten noch skeptisch gegenüberzustehen. Lediglich 17 Prozent der von "Computerworld" Befragten wollen dafür ihr Budget aufstocken. Analysten vermuten, dass die Anwender abwarten möchten, ob sich dieses Modell durchsetzen kann.

Für Beratung wollen 51 Prozent der US-Unternehmen 2001 genauso viel ausgeben wie im letzten Jahr, 24 Prozent beabsichtigen, ihr Budget sogar zu kürzen. Nur 15 Prozent planen, in diesem Bereich mehr aufzuwenden als bisher. Dafür wollen 27 Prozent der Unternehmen aber stärker als bisher in Services investieren.

Abb: Die Bit-Studie von IDG Marketing und Services und Techconsult prognostiziert eine Steigerung der IT-Budgets um durchschnittlich drei Prozent. Quelle: TechConsult