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10.06.1983 - 

Düsseldorfer PC-Anbieter muß wegen Schwierigkeiten der US-Mutter aufgeben:

Deutsche Vector stellt Mikrovertrieb ein

DÜSSELDORF - Die im Juni letzten Jahres gegründete Vector Graphic GmbH wird ihre Vertriebsaktivitäten voraussichtlich zum 31. Juli einfrieren. Wie aus Kreisen das Düsseldorfer Mikroanbieters verlautet, habe die in die Verlustzone geratene US-Mutter jetzt sämtliche Zuschüsse für ihre deutsche Tochtergesellschaft gestoppt und wolle nun die verbliebenen Distributoren von der Londoner Europazentrale aus betreuen. Vector-Kenner werten dies als Folge eines Sanierungsprozesses, der in den Staaten bereits zum Abbau von rund einem Viertel der Belegschaft führte.

Die diesjährige National Computer Conference (NCC) im kalifornischen Anaheim wird Vector-Geschäftsführer Heinz Bernd Ohmen vermutlich noch lange in Erinnerung bleiben. Wollte der Düsseldorfer Manager auf der amerikanischen DV-Messe mit seiner Chefin Lore Harp zusammentreffen, um eine "neue Marschrichtung" für die noch junge Auslandstochter festzulegen, so mußte er mit einer Hiobsbotschaft heimreisen. Die deutschstämmige Firmengründerin (Mädchenname Lang-Hegermann) und Vorstandsvorsitzende der Incorporated befahl kurzerhand, die rheinische Dependance stillzulegen. Ärgert sich Ohmen: "Das kam aus heiterem Himmel, ich fühle mich verschaukelt."

Doch ganz so überraschend, wie es Ohmen darstellt, scheint die Entscheidung keineswegs gefallen zu sein. Nachdem sich bereits im letzten Halbjahr 1982 rote Zahlen in der Konzernzentrale im kalifornischen Thousand Oaks anbahnten, flossen die Gelder nur noch spärlich an den Rhein. Ohmen bekam nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, bei gedrosseltem Budget die Vorgaben des US-Managements einzuhalten und sich gleichzeitig gegen die wachsende Zahl der Anbieter im hartumkämpften Mikromarkt durchzusetzen.

Inzwischen spitzte sich die Krise bei der amerikanischen Muttergesellschaft (Umsatz im letzten Geschäftsjahr knapp 50 Millionen Dollar) zu. Wie verlautet, wurde in Thousand Oaks bereits rund ein Viertel der einst über 400 Mitarbeiter starken Vector-Crew abgebaut. US-Beobachter rechnen für das erste Quartal dieses Jahres mit einem Verlust von etwa einer Million Dollar.

Die Aktienkurse fielen im gleichen Zeitraum um 15 Prozent - Grund genug für Lore Harp, neben zwei Vice Presidents auch den General Manager Fred Snow zu feuern.

Der Ex-Honeywell-Mann aus Boston war zum Präsidenten ernannt worden, als die Unternehmenslenkerin aus dem "Day-to-day-Business" ausstieg und sich auf den Chairman-of-the-Board-Sessel zurückzuzog. Die Nominierung Snows habe sich schon bald als verhängnisvoll herausgestellt, heißt es in Vector-Kreisen. Der "East-Coast-Manager" sei zwar im Jumbo-Geschäft ein "knallharter Profi" gewesen, habe jedoch in dem ihm unbekannten Mikro-Busineß versagt.

Offizielles Statement der" Erfolgslady" ("Chip") zum vollzogenen Aderlaß: "Dies ist ein schwieriger aber wichtiger Schritt, um die Plazierung neuer Produkte im Markt nicht zu gefährden.

Sanierungsprozeß ankurbeln

Von diesem Sanierungsprozeß blieb schließlich auch die GmbH nicht verschont. Zwar bemühte sich das Ohmen-Team seit Juni letzten Jahres redlich, ein Bein in den deutschen Markt zu bekommen, doch der Erfolg blieb aus. Die Bereinigung der US-Probleme schienen den Kaliforniern zunächst wichtiger, als der noch "strampelnden" Auslandstochter die Stange zu halten, heißt es in Düsseldorf. Dabei hatte das Unternehmen hierzulande einen nach eigenen Angaben geradezu hervorragenden Start: Mit Verve präsentierte Lore Harp ihr Produktkonzept sowie die Unternehmensphilosophie und beeindruckte damit Softwarehäuser, Händler und die Konkurrenz. Sogar Kienzle habe sich dem Vernehmen nach zeitweilig dafür interessiert, die Vector-Mikros auf OEM-Basis zu vermarkten.

Diese Anfangserfolge haben nach Auffassung von Vector-Insidern beim amerikanischen Management zu der Annahme geführt, man könne mit einem" "guten Produkt", aber minimalem Kapitalaufwand den deutschen Markt erobern. Wie Geschäftsführer Ohmen sagt, sei er mit Prognosen über den Anlaufzeitraum der GmbH bei seinen Vorgesetzten denn auch stets auf Unverständnis gestoßen. Um im hiesigen "Verdrängungswettbewerb" mithalten zu können habe er etwa 18 Monate benötigt, die erforderliche Standardsoftware zu erstellen, Vertriebspartner zu finden und auszubilden sowie eine eigene Marketing- und Vertriebsorganisation aufzubauen. Dafür forderte der Düsseldorfer ein Budget von 1,8 Millionen Mark. Das war Lore Harp, laut Ohmen, jedoch offensichtlich zu viel.

Zu den Sparmaßnahmen der Konzernzentrale kamen obendrein noch Produktmalaisen. Das 16-Bit-Betriebssystem für den im April 1982 angekündigten Personal Computer "Vector 4" sei erst mit etwa zehnmonatiger Verspätung ausgeliefert worden. Währenddessen hatten sich die deutsche Tochter ebensowie die US-Mutter bereits marketing- und vertriebsmäßig auf den neuen Rechner eingestellt, der nunmehr nur in einer abgestrippten 8-Bit-Version verkauft werden konnte.

Hinzu kam, daß die anfangs ausgelieferten Systeme zum Teil starke Macken aufwiesen, wie es in der Düsseldorfer Niederlassung heißt. Der Rechner sei zwar vom Konzept und den Komponenten her hervorragend", sagen ehemalige Vector-Partner, zeige aber Schwächen in der Produktreife. Diese Schwierigkeiten hätten alle Mikroanbieter zu bewältigen, die sich auf dem Sprung von der Einzel- zur Massenfertigung befänden. Resümiert ein Softwarelieferant der GmbH: "Der Vector 4 ist wie ein guter Kuchen, den man zu früh aus dem Ofen geholt hat.

So gelang es dem bundesrepublikanischen Vector-Ableger auch nicht ein umfangreiches Händlernetz aufzubauen. GmbH-Chef Ohmen führt dies unter anderem auf die fehlende deutsche Tastatur zurück. Nachdem er bereits ein dreiviertel Jahr auf Distributoren-Pirsch war, sei die erste Lieferung aus Thousand Oaks eingetroffen. Diese Verzögerung bezeichnet der Düsseldorfer Unternehmenslenker letztendlich als Folge einer" typisch amerikanischen Herstellerauffassung". Die US-Bosse glaubten, sie könnten hierzulande die nackte Hardware vertreiben, ohne sie an die jeweils geltenden Normen anzupassen. Ohmen beteuert, daß er zwar permanent auf diese Erfordernisse aufmerksam gemacht, jedoch in der Regel einen Korb erhalten habe. Von anderer Seite ist indes zu erfahren daß der Düsseldorfer gegenüber dem US-Management nicht genügend Rückgrat gezeigt habe. Zudem sei Ohmen in seiner "Allrounder-Funktion" überfordert gewesen. Bei nur fünf "veranschlagten" Mitarbeiterstellen, so der GmbH-Chef, habe er "sämtliche Funktionen vom Marketingmann, über den Vertriebsverantwortlichen, den Personalentscheider bis zum Finanzierungsfachmann" selbst einnehmen müssen.

Nachdem die Vector Incorporated 1979 den ersten Versuch mit einem Ingolstädter Distributor startete, um den deutschsprachigen Markt mit kalifornischen Mikrocomputersystemen zu bedienen, einen zweiten Anlauf über eine eigene Gesellschaft in der Schweiz machte, scheint nun auch das dritte Engagement gescheitert zu sein. Glaubt man Noch-Geschäftsführer Ohmen, wird die GmbH Ende Juli ihre Pforten schließen und fortan nur noch als "Briefkastenfirma" (O-Ton Omen) fungieren, für den Fall, daß man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal beginnen wolle. Zwar ist Nigel Timson, neuernannter Europa-Manager mit Sitz in London, davon überzeugt, die bisherigen GmbH-Aktivitäten von der englischen Landeshauptstadt aus lenken zu können, doch dieser Ehrgeiz stößt bei Vector-Mitarbeitern eher auf Unverständnis. Bisher hab die britische Schwestergesellschaft mit den gleichen Problemen zu kämpfen gehabt wie die deutsche Niederlassung. Die Ambitionen der Londoner Europazentrale werten Kenner des Unternehmens deshalb als "halbherzigen Versuch", die Vector-Fahne in Deutschland hochzuhalten, solange es gehe.