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10.10.1980 - 

Büro- und Informationstechnik im VDMA legt Halbjahresstatistik vor:

Deutscher Computerexport mit Aufwärtstendenz

BERLIN - Eine in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem ersten Halbjahr 1979 um 7,8 Prozent gestiegene Produktion der deutschen Büro- und Informationstechnik-Branche und einen Exportanstieg um fast 20 Prozent im gleichen Zeitraum meldete die Fachgemeinschaft Büro- und Informationstechnik (BIT) anläßlich des Maschinenbautags '80, den der Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten (VDMA) e.V. als Dachverband in Berlin abhielt. Akzeptanzfragen bildeten einen der Schwerpunkte der Tagung, beispielsweise in einem Vortrag von Professor Dr. Meinolf Diekes, dem Präsidenten des Wissenschaftszentrums Berlin.

Betrachtet man die Datentechnik losgelöst vom Büromaschinensektor, so zeigt sich, daß es fast ausschließlich die DV-Geräte-lndustrie ist, deren ökonomische Daten das Bild der Gesamtbranche so günstig erscheinen lassen. Der Wert von in Deutschland produzierten DV-Geräten stieg im ersten Halbjahr '80 um über 11 Prozent auf knapp drei Milliarden Mark, Büromaschinen kamen auf rund 865 Millionen Mark (=minus 2,3 Prozent). Um 28,8 Prozent stieg im gleichen Zeitraum der Export von DV-Geräten (Büromaschinen minus 2,7 Prozent).

Der Import von DV-Geräten stieg nur um 17 Prozent, der von Büromaschinen ging sogar noch um über 12 Prozent zurück. Unterschiede gab es auch in der Entwicklung des Preisindex: Für Büromaschinen lag er im Juni 1980 bei 112 (1970 = 100); DV-Geräte verzeichneten einen Index von unter 78- Ausfluß des Hardware-Preisverfalls. Im. Bereich der Datentechnik gab es auch einen Ausbau der Beschäftigtenzahl. Um 23 Prozent (=10-600) stieg diese Zahl in der Zeit vom Juni 1979 bis Juni 1980; damit sind in der (absolut "softwarefreien") Gesamtbranche jetzt rund 82 000 Arbeitsplätze besetzt.

Dietrich E. Seedorf; Vorstandsvorsitzender der BIT-Fachgemeinschaft und hauptberuflich Topmanager der Triumph-Adler-Werke resümierte vorsichtig: "Ob sich die Aufschwungphase der Branche im Gesamtjahr mit gleicher Stärke fortsetzt wie 1979 und im ersten Halbjahr 1980 oder ob sich das Abflachen der Gesamtkonjunkturkurve auch auf die Büro- und Informationstechnik auswirkt, läßt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen. Der Produktionsindex (real gemessen) lag zwar im Juni mit 186,4 weit über dem des Gesamtjahres 1979 (174,6), jedoch deuten einige Frühindikatoren der Branche möglicherweise eine Verlangsamung des Wachstumstempos an. So sind zum Beispiel die Auftragsbestände im Juni 1980 gegenüber dem Vorjahresmonat geringfügig abgebaut worden (Büromaschinen von 1,9 auf 1,7 und Datentechnik von 6,9 auf 6.4 Monate)."

Die BIT-Repräsentanten räumten jedoch ein, daß der Auftragseingang als Gradmesser für kurz- und mittelfristige Konjunkturerwartungen derzeit nicht sehr tauglich sei. Man sei dabei, hieß es, in der Branche eine einvernehmliche Regelung zu entwickeln, die auch Problemfälle einer derartigen Statistik unzweideutig kläre. Konkret wurden dazu genannt,

- die Auswirkungen eines der Kraftwerk-Union (kWU) erteilten/nicht erteilten Großauftrags auf diese Statistik,

- die Frage, ob und wie IBM seine bisher geübte Zurückhaltung in dieser Hinsicht aufzugeben habe.

In jedem Falle müsse die Auftrags - eingangs - Statistik auch die bekanntlich nicht seltenen Auftragsrücknahmen berücksichtigen, unterstrich Nixdorf - Vorstandsmitglied und BIT-Vertreter Helmut Rausch, der im übrigen von "sehr, sehr guten Auftragseingängen" der Branche sprach.

Computer als Intelligenzverstärker

War von dunklen Wolken am Zukunftshorizont der Branche kaum oder gar nicht die Rede, so um so mehr von Anstrengungen, die Schönwetterperiode noch lange zu erhalten. Zur Beschreibung des "Zeitalters ungeahnter Möglichkeiten der Verstärkung menschlicher Intelligenz", ausgelöst durch die moderne Informationstechnik, erklärte Seedorf beispielsweise: "Schon die Tatsache, daß der menschlichen Reaktionsgeschwindigkeit von rund einer Fünftelsekunde maschinelle Rechengeschwindigkeiten von bis zu 10-12, das ist der millionstel Teil einer millionstel Sekunde, gegenüberstehen, macht deutlich, in welcher immensen zeitlichen und mengenmäßigen Größenordnung der Mensch durch den Computer entlastet wird. Das Gespann Mensch-Computer schafft eine exponentielle Zunahme des speicherbaren Wissens, welches zur Grundlage künftiger wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Aktivitäten werden wird."

Hierzu verwies Seedorf auf komplexe Simulations- und Entscheidungsfindungsmodelle. Es sei jedoch falsch, zu befürchten - so Seedorf weiter - daß "der Mensch vom Computer verdrängt und vom Meister zum Knecht gemacht werde". Denn der Computer sei heute längst entzaubert, weder intelligent noch klug, sondern nur besonders schnell und fleißig, ein voll und ganz vom Menschen abhängiges Werkzeug.

Beim Einsatz einer Datenverarbeitungsanlage im betriebswirtschaftlichen Bereich eines Unternehmens, erläuterte Seedorf, gelte es in aller Regel, organisatorische Probleme zu lösen, die auch vorher schon verdeckt vorhanden gewesen seien.