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27.01.1984 - 

Beim Technologie-Wettlauf wird der Abstand zu den USA und Japan immer größer:

Deutscher DV-Industrie droht Außenseiterrolle

MÜNCHEN (CW) - Droht die Bundesrepublik Deutschland im weltweiten Technologie-Wettlauf der Informations- und Kommunikationsindustrie bald nur noch hinterherzuhinken? Laut Experten laufen die Deutschen Gefahr, sich künftig auf Märkten. die keine Qualitäts-. sondern nur Preiskonkurrenz haben. behaupten zu müssen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft stellt in seinem jüngsten Strukturbericht fest. daß die deutsche Wirtschaft beim Handel mit technologisch hochwertigen Gütern erneut einen Teil ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt habe.

Während das Export-/lmportverhältnis der deutschen DV-Anbieter vor einiger Zeit durch eine überdurchschnittliche Wettbewerbsfähigkeit gekennzeichnet war, liege es heute unter dem Durchschnitt, erklärte ein Sprecher des Institutes in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Zur Behebung dieser Krise gäbe es jedoch kein Patentrezept wie beispielsweise eine Erhöhung der Ausgaben für Technologiepolitik. Vorgeschlagen wird in dem Gutachten die Bekämpfung der sogenannten "institutionellen Sklerose".

Am schwächsten ist nach Ansicht der Kieler Wissenschaftler die Position der Hersteller von Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräten und Ausrüstungen für die Kommunikationstechnik auf dem Inlandsmarkt.

Fast neun Milliarden Mark hat die Bundesrepublik 1981 laut Münchner Ifo-Institut an Erhaltungssubventionen für traditionelle Wirtschaftsbereiche ausgegeben. Das war etwa die vierfache der zur Förderung zukunftsorientierter Branchen ausgegebenen Summe. Dieses Verhältnis zeige, daß aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ein anderer Schwerpunkt bei der Verteilung der Mittel gesetzt werden müsse.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Roland Kühn setzte sich gar vor kurzer Zeit f& eine Art Marschall-Plan zugunsten der mittelständischen Industrie ein. Gelingt es nicht, den Anschluß an führende Technologienationen zu finden, befand der freidemokratische Politiker, sind künftige Exportmarkte bereits heute als verloren anzusehen.

Bei technologieintensiven Produkten betrug der Lieferanteil der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland am Welthandel 1980 je 18 Prozent. Die USA nahmen allerdings bei hochtechnologischen Produkten mit 33 Prozent die Spitzenposition ein. Mit einem Anteil von 9,7 Prozent folgte die Bundesrepublik. Japan lag mit 4,7 Prozent an dritter Stelle.

Amerikanische und japanische Unternehmen sind heute aus weltweiter Sicht führend in der Mikroelektronik-Technologie. Das Ifo-Institut, Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft "Eurotronics", kommt zu dem Schluß, die Bundesrepublik habe es allem Anschein nach aufgegeben, sich an dem Wettlauf um technologische Spitzenleistungen zu beteiligen. Grund: Die staatlichen Förderungen sind nach ordnungspolitischen Vorstellungen und unter Berücksichtigung der Mittelrestriktionen nicht zu rechtfertigen.

Die Zeichen in der Elektronik-Industrie stehen für die kommenden Jahre auf Wachstum. Ihre Märkte sind heiß umkämpft. Nur wenige Unternehmen der Bundesrepublik bieten jedoch die Voraussetzung, den mörderischen Wettlauf um Innovationen und Marktanteile mit den Japanern und den USA aufzunehmen. Sie ziehen sich, so Ifo, eher aus den ruinösen Technologiebereichen zurück, da sie keine massive staatliche Unterstützung erhalten.

Gegen Outsider-Rolle angehen

Statt im Technologie-Wettlauf in vorderster Linie mitzuhalten, könnte die DV-Industrie unter kurzfristigen Wirtschaftlichkeitserwägungen die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung ausschöpfen. Sie beschafft sich die Komponenten auf dem Weltmarkt und konzentriert sich auf die Anwendung dieser technologischen Entwicklungen im Gerätebereich, erklärt das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut. Die Marktbeobachter formulieren aber auch klar, daß diese Strategie auf Dauer nicht tragbar ist: "Wenn die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind, im Komponentenwettbewerb Schritt zu halten, besteht die Gefahr, daß die Wettbewerbsfähigkeit auch in zukunftsträchtigen Anwendungsbereichen auf Dauer nicht aufrechterhalten werden kann". Heruntergespielt wird indes die zunehmende Outsider-Rolle der deutschen Mikroelektronik-Industrie vom Bundesforschungsministerium.

Einzelne Schwächen im internationalen Wettbewerb wie in der Mikroelektronik dürften keinesfalls überbewertet werden. Allerdings wird eingeräumt, daß Japaner und Amerikaner ein Entwicklungstempo vorgelegt hätten, was das der Bundesrepublik übersteige. Dem Auftrag des Bundeskanzlers entsprechend aber werde eine zusammenfassende Konzeption zur Förderung von Mikroelektronik, Datenverarbeitung und Informationstechnik erarbeitet.

Verlautbarungen des Forschungsministeriums zufolge liegt die Förderung der Industrieforschung aufgrund der angespannten Haushaltslage derzeit außerhalb des Möglichen. Vorgesehen sind im Haushalt 1984 die indirekte Forschungsförderung. Mit der Verdreifachung der Mittel für die Vertragsforschung soll der Mittelstand die Chance erhalten, sich Know-how bei Forschungslaboren einzukaufen.

Ein weiterer Aspekt dieses Konzepts, derzeit noch in der Diskussion, ist der verbesserte Technologietransfer und eine effektivere Zusammenarbeit zwischen industrieller und nichtindustrieller Forschung. Dazu gehört die Verbundforschung, die staatliche Hilfe und Möglichkeiten bei der Zusammenarbeit von Industrieforschung und Großforschung vorsieht.

Ferner sollen Wissenschaftler von Großforschungsanlagen Anreize erhalten, zeitweilig in der Industrie zu arbeiten. Im Gegenzug wäre es durchaus denkbar, so das Bundesforschungsministerium, daß Wissenschaftler der Industrie sich in Großforschungsanlagen mit dem neuesten Know-how "vollsaugen".