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09.11.2001 - 

Trotz Konjunkturflaute stecken Hersteller und Netzbetreiber die Claims für das UMTS-Geschäft ab

Deutscher Mobilfunkmarkt vor Umbrüchen

MÜNCHEN (CW) - Die Einführung des Mobilfunkstandards UMTS sorgt weiter für Unruhe in der hiesigen TK-Szene. Nach den Diskussionen um Sinn beziehungsweise Unsinn der Milliardeninvestitionen für die neuen Lizenzen richten sich Gerätehersteller, Netzbetreiber und -ausrüster nun bereits auf das künftige Marktszenario aus.

Seit geraumer Zeit herrscht bekanntlich Katzenjammer unter den Handy-Herstellern - Siemens, auch Nokia, vor allem aber Ericsson und Motorola lassen grüßen! Trotzdem brachten die Äußerungen von Motorola-Manager Norbert Quinkert das derzeitige Problem der Branche noch einmal auf den Punkt: Der hiesige Markt für Mobiltelefone ist, wie der Deutschlandchef der US-Company gegenüber der "Financial Times Deutschland" erläuterte, in diesem Jahr drastisch eingebrochen. In einer aktuellen Prognose rechnet sein Unternehmen demnach für den deutschen Markt dieses Jahr nur mit 18 Millionen verkauften Handys; im vergangenen Jahr seien hierzulande noch rund 30 Millionen Einheiten verkauft worden.

Der extrem schwache Geschäft sei, so Quinkert, die Folge geänderter Verkaufsstrategien bei den Mobilfunkbetreibern. So seien die Preise für die Telefone deutlich höher geworden - vor allem weil T-Mobile, D2-Vodafone, E-Plus und Viag Interkom die Geräte nicht mehr bezuschussen. Schluss mit lustig also bei den Handys, die jahrelang (nicht nur) im Vorweihnachtsgeschäft für eine Mark über den Ladentisch gingen! Schließlich habe die Subventionierung den einen oder anderen Provider in die Verlustzone gebracht. Hinzu komme, dass der Markt in Deutschland inzwischen gesättigt ist. Mehr registrierte Handys als Festnetzanschlüsse sprechen Bände.

Unabhängig davon, dass das Problem der Quersubventionierung schon seit längerem von Experten gesehen und kritisiert wurde, macht man bei Motorola (und anderen Herstellern) notgedrungen auf Optimismus. So rechnet man bei Nokia im kommenden Jahr hierzulande wieder mit dem Absatz von rund 20 Millionen Geräten. Motorola-Manager Quinkert erwartet für sein Unternehmen, das in Deutschland nach verkauften Stückzahlen hinter Branchenführer Nokia und Siemens auf Platz drei rangiert, ebenfalls wieder steigende Umsätze. Unterschwellig wird dabei auch deutlich, womit zunächst weiteres Wachstum generiert werden soll: Nicht mehr primär mit Neugeschäft, sondern dadurch, möglichst vielen bereits existierenden Mobilfunkkunden ein neues Handy zu verkaufen. Ansonsten wartet man auf die künftigen Hoffnungsträger GPRS und vor allem UMTS, die in jedem Fall einen Austausch der "Hardware" erforderlich machen.

Apropos UMTS: "Wir werden im zweiten Quartal 2002 unser erstes UMTS-Handy auf den Markt bringen", betonte Quinkert. Motorola werde zudem dafür Sorge tragen, dass zum Start eine ausreichende Zahl von Geräten verfügbar ist. Insider gehen davon aus, dass die anderen Handyhersteller nachziehen werden, vielleicht kommt es dann auch zu größeren Verschiebungen im Ranking. Bleibt die Frage, ob Motorola & Co. nicht schneller als der Markt respektive an den Bedürfnissen der Kundschaft vorbei agieren? Quinkert gab hier eine klare Antwort und widersprach allen Spekulationen, wonach der Mobilfunk der nächsten Generation nicht wie vorgesehen Mitte 2002 seine ersten Gehversuche unternimmt: "Jeder Tag, an dem UMTS keine Einnahmen produziert, ist ein schlechter Tag für die Netzbetreiber."

Nicht nur für die Netzbetreiber, wenn man sich die eingangs erwähnten Geschäftszahlen der Handy-Hersteller ansieht. Neben Nokia konnte zuletzt nur Motorola nach längerer Durstrecke bei Mobiltelefonen Gewinne erzielen. Für den Rest gilt: Land unter! Vor allem bei Ericsson, wo man auch nach der Fusion der angeschlagenen Mobilfunksparte mit der des japanischen Eletronikriesen Sony zum Joint Venture Sony Ericsson Mobile Communications vor einer Rosskur steht.

Doch auch der Blick auf die deutsche Provider-Szene lohnt derzeit allemal. Offenbar werden immer mehr Anbieter von der Sorge angetrieben, beim Start von UMTS nicht mehr dabei zu sein, heißt es unter Branchenkennern. Wer seine Milliardeninvestitionen jetzt in den Sand setze, laufe Gefahr, ganz vom Markt zu verschwinden.

Newcomer Quam im BlickfeldBeherrschendes Thema dieser Tage ist deshalb auch der Start des neuen Mobilfunk-Betreibers Quam, hinter dem das ehemals unter dem Namen Group 3G agierende Konsortium aus dem finnischen Carrier Sonera sowie der spanischen Telefonica steht. Der Newcomer ist der fünfte Netzbetreiber in Deutschland und geht - mehr als ein Jahr nach dem Erwerb der sündhaft teuren UMTS-Lizenzen - mangels vorhandener stabiler Kundenbasis nachweislich ein hohes Risiko ein.

Spannend dürfte die weitere Entwicklung auch bei Viag Interkom werden. Der deutsche Ableger von British Telecom (BT) ist zwangsläufig von den Umwälzungen bei seiner momentan krisengeschüttelten Muttergesellschaft betroffen und darf sich schon mal auf einen neuen Namen freuen: Q2. Unter dieser "Marke" sollen ab Januar auch alle Auslandsaktivitäten der BT-Mobilfunksparte BT Wireless operieren. (gh)